Es ist ein Kreuz mit diesen Kabarettisten: Nie heissen sie auf der Bühne so wie etwa auf dem Zivilstandsamt. Jedenfalls meistens nicht. Da machen auch Schertenlaib & Jegerlehner aus dem Berner Oberland, die neuen Träger des Schweizer Kabarett-Preises Cornichon 2018, keine Ausnahme.

Aber wenigstens geben sie Aussenseitern die mediale Chance, herauszufinden, wer von ihnen im zivilen Leben wie heisst. Dafür ist deren Background wiederum zum Verwechseln ähnlich. Gerhard Tschan (Jegerlehner) und Michel Gsell (Schertenlaib): beide Jahrgang 1962. Beide Schule in Thun, wo sie nach eigenen Angaben mehr geblödelt als gebüffelt haben. Später beide Seminar in Spiez. 

Schweizer Kabarett-Preis

Das Duo Schertenlaib und Jegerlehner an der Preisverleihung vom Mittwoch.

Am Mittwochabend erhielten sie im Stadttheater Olten zum Auftakt der 31. Oltner Kabarett-Tage den Schweizer Kabarett-Preis Cornichon überreicht. Die Laudatio hielt Anina Baradun, Redaktionsleiterin Hörspiel und Satire bei SRF.

«Revoluuuschen» gehaucht

Was gäbe es doch nichts alles über das Duo zu erzählen: Vielleicht etwas von seinem legendären Begriff «Revoluuuschen», den die beiden damals (2012) schon fast lasziv in die träge Schwüle der Oltner VarioBar-Katakomben hauchten. Das Wort ist manchem Fan des seinerzeitigen Programms «Schwäfu» in Erinnerung geblieben.

Und so schrieb diese Zeitung damals, den beiden verhelfe die Dreifaltigkeit der Unterhaltung zum Erfolg: Die musikalische Virtuosität, der gottbegnadete Trieb zur untermalten, schrägen Kurzgeschichte und – Berndeutsch. Ja genau. Und damals hatten sie noch so beiläufig im Programm dahergeredet: «Mir schmöcke gärn am Braaate...». Und jetzt? Seit Mittwoch ist es amtlich: Das Duo hat ihn nicht nur gerochen, sondern auch gepackt, den Braten. In Form des Cornichons 2018 nämlich.

Amüsant, dass Laudatorin Anina Baradun ebenfalls auf die Namen der Preisträger zu sprechen kam: Im Jahr 2007 sei die Satire-Redaktion auf die beiden aufmerksam geworden. Und: Die Freude über diese Entdeckung ging einher mit einem internen Wettbewerb: Wer konnte sich die Namen Schertenlaib & Jegerlehner auf Anhieb merken? Wer konnte mit Sicherheit sagen, wer von beiden nun denn welcher ist? Und vielleicht fragte sich darob manch eine(r) am Mittwochabend im Stadttheater: «Wird das jetzt anders?»

Zunder – bereits am Anfang

Das Duo hatte vor der Preisverleihung «Zunder – ein Nachbrand» gegeben. So heisst das aktuelle Programm nämlich, in welchem Schertenlaib & Jegerlehner etwa zu zweit ein Akkordeon spielen. Ein Pas de deux, der so daherkommt, als hätten sich die zwei virtuosen Instrumentalisten aus Versehen oder aus Ungeschicktheit «ineinander verheddert», wie Barandun meinte. Und lieferte nach: «Innigkeit und Ironie, was für eine Paarung.» Wo doch die Freundschaft der beiden den Glutkern bilde, an welchem sich ihre Ideen entzündeten.

«Zunder» übrigens ist nicht explosiv, sondern kooperiert stets mit der Tücke des Schwelbrandes; immer haarscharf am offenen Ausbruch vorbei. Das Spiel mit dem ewigen Feuer ist für die einen kultivierter Klamauk im hellwachen Widerstandsgeist. Andere etikettieren die Gangart des Duos als «subversiven, harten Heimat-Groove ...» Man wähle.

Die Laudatorin hat gewählt: Die Kunst von Schertenlaib & Jegerlehner sei ohne innere Widersprüche nicht denkbar. Denn: «Melancholie und Rebellion sind bei ihnen immer im Spiel.»

Schertenlaib und Jegerlehner bei Giaccobo/Müller (YouTube)

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