Das kleine Geheimnis ist gleich zu lüften: Irmgard Knef, die der berühmten Hildegard Knef («Für mich sollts rote Rosen regnen») fast zum Verwechseln ähnlich sieht, ist nicht Irmgard Knef, heisst überhaupt nicht Knef und ist in Wirklichkeit auch keine Frau. Irmgard Knef ist eine Kunstfigur, unter deren Perücke und Schminke ein Mann steckt, der schon seit bald 20 Jahren das Bild der erfundenen Zwillingsschwester der bekannten deutschen Schauspielerin, Synchronsprecherin und Chansonsängerin kolportiert. Sein Name: Ulrich Michael Heissig.

Ebendieser Heissig war am Samstagabend im Oltner Theaterstudio zu Gast; als Irmgard Knef natürlich. Auditorium: fast volle Hütte. Stimmung: heiter. Programm: auch mit Durchhängern gespickt. Manchmal schien Heissig das Alter Irmgards (Jahrgang 1925) zu vergessen, wirkte fast jugendlich, dynamisch, voller Tatendrang. Dann mutete das Ganze eher wie aufgetautes Spanferkel an, bei dessen erster Garung seinerzeit die Gäste fehlten und das jetzt aufgewärmt auf den Tisch kommt.

Aber wenn Heissig die Oberlippe zittern, die Stimme bei seinen Erzählungen aus dem Tingeltangel-Leben atemschwach ausklingen liess und beim Regisseur mit der divenhaften Bemerkungen «Jungchen, fahr ab!» die Begleitmusik orderte, dann war Knef präsent und seis auch nur durch die erfundene Zwillingsschwester. Der Rest war Amüsement – und zwar jenes der harmlosen Sorte: gehört, gelacht, vergessen.

«Ich bin in Steisslage und so mit der richtigen Einstellung zum Leben geboren worden.» Eines jener Bonmots Irmgards, einer jener Aphorismen, welche die Spannung im rund zweistündigen Programm immer wieder aufleben liess. Eine Persiflage auf das legendäre «Dinner for One», bei welcher Knef sich ein paar verstorbene Prominente imaginär zu Tisch gebeten hatte, gehörte ebenfalls dazu. Geladen etwa waren Willy Brandt oder Peter Scholl-Latour. Knef imitierte die Herren stimmlich und spickte deren Äusserungen ab und an mit zweideutigen Bemerkungen.

Nun denn: für die älteren im Auditorium gabs auch ein Wiedersehen mit Klassikern aus den Sechzigern. «Kriminaltango», «Ich hab noch einen Koffer in Berlin» oder Gilbert Bécauds «L’important c’est la rose», den man in gewissen Kulturkreisen nicht als Monsieur 10 000 Volt, sondern als einen mit 100'000 Volt bezeichnet. Natürlich versehen mit Texten Heissigs, gesellschaftlich aktuell, und manchmal anlehnend an die Tristesse eines gealterten Tingeltangel-Stars. Wenigstens einmal hätte man sich Texte des Originals gewünscht. Das hätte nicht geschadet. Und Hildegard hätte sich deswegen auch nicht im Grab umgedreht.