Kinder können grausam sein – dessen ist sich Hannes Reindl (Aleksandar Stojanovic) schmerzlich bewusst. Er sinnt auf Rache und entwickelt einen hinterlistigen Plan. Was zunächst aufzugehen scheint, droht plötzlich aus dem Ruder zu laufen. Vier Damen erhalten überraschend Post von ihrem Klassenkameraden und Schüler, dem vermeintlichen Hotelbesitzer Hannes. So unterschiedlich die Charaktere, so verschieden denn auch die Reaktionen, von den Akteurinnen wunderbar mimisch dargestellt. Doch eines haben sie gemeinsam: die Freude darüber, zu einem Wochenende eingeladen zu sein.

Das Eintreffen in der sorgsam bestückten Kulisse der altehrwürdigen Hotellobby ist höchst amüsant. So aufmüpfig wie eh und je verschafft sich «Peach» Kaiser (Marianna Koch) Gehör. Hannes Reindl besänftigt sie mit einer «Stange». Der Auftritt des nächsten Gastes könnte disparater nicht sein: Kokett betritt Eveline Vischer Vögeli (Stefanie Geiser) das «Reindl», die Aufmerksamkeit sichtlich geniessend. Ruth Krähenbühl, die einstige Klassenlehrerin (Priska Flury) wird sofort erkannt. Ihre mausgraue Erscheinung und das strenge Gesicht haben sich nicht verändert. Als dann noch, ganz auf ihre Aura bedacht, Daniela Villiger (Jacqueline Berger) eintrifft, ist die ungleiche Gruppe komplett. Letztere ist die Einzige, die Hannes gleich erkennt. Die anderen fallen aus allen Wolken – so sehr hat sich der kleine, pummelige Junge von damals verändert.

Karate trifft auf Eitelkeit, Strenge auf Esoterik. Konflikte sind vorprogrammiert. Dennoch schwelgen die fünf gemeinsam in Erinnerungen und berichten über lustige Begebenheiten von früher. Bis das Unheil seinen Lauf nimmt. Hannes Reindl registriert die Entwicklungen mit stiller Genugtuung – bis sogar ihm die Geschehnisse über den Kopf wachsen.

Von den Darstellern entwickelt

«Rein ins Reindl» ist bereits das 21. Projekt, das Laienschauspielerinnen und -schauspieler unter der profunden Leitung von Christoph Schwager realisieren. Das Schwager Institut bietet seit 20 Jahren Kurse und Ausbildungen an, bei denen der Mensch mit seinen Lebenserfahrungen und Fähigkeiten im Zentrum steht. In der aus drei Jahresmodulen bestehenden Ausbildung wird der Fokus auf die Körpersprache gelegt. Während die ersten beiden Kursjahre noch im geschützten Rahmen stattfinden, folgt im dritten der Schritt an die Öffentlichkeit mit einem von Grund auf entwickelten eigenen Theaterstück.

Von anfänglich 15 Teilnehmenden ist die aktuelle Gruppe auf deren fünf geschrumpft, die dieses letzte zeitintensive Projekt, die 101 Stunden («100 + 1»), absolvieren. Ausgehend von eigenen Charaktereigenschaften und der Improvisation haben sie ein Thema sowie den Ort des Geschehens herausgearbeitet. Mit dem ersten Rüstzeug im Gepäck haben sie in Hertenstein (LU) eine Intensivwoche verbracht, die Geschichte gesponnen und das Drehbuch geschrieben. Das Script wurde anschliessend von Christoph Schwager überarbeitet und mit Finessen versehen. Die grosse Herausforderung für die Teilnehmenden besteht darin, das Schauspiel nicht nur aufzuführen, sondern die ganze Organisation (Finanzen, Sponsoring, Werbung, etc.) zu verantworten.

Die Ausbildung auf diese Art und Weise ist ein Auslaufmodell. Es finden sich immer weniger Leute, die sich darauf einlassen. Momentan läuft der letzte Grundkurs. Was danach folgt, ist noch offen – doch werden dem erfahrenen Theatermann Christoph Schwager die Ideen nicht ausgehen.

Die Truppe von «Rein ins Reindl» hat das Bestmögliche herausgeholt und beweist in ihrem Stück ihr erarbeitetes Können. Das Publikum wird immer wieder von Neuem überrascht.