Region Olten

Jetzt ist beim Gewerbe gedämpfter Optimismus spürbar

Peter Fleischli hält sein Geschäft mit E-Mail- und Telefonaufträgen über Wasser.

Peter Fleischli hält sein Geschäft mit E-Mail- und Telefonaufträgen über Wasser.

Wie Gewerbetreibende aus der Region Olten die letzten vier Wochen erlebt haben: Onlineshopping und Telefon als Rettungsanker.

Sie gehörten zu den ersten Gewerbetreibenden der Region, die zur verhängten Ausgangssperre des Bundesrates Stellung nahmen in dieser Zeitung. Das war Mitte März, als das OT titelte: «Jetzt greift die Verunsicherung um sich.» Peter Fleischli vom gleichnamigen Blumengeschäft in Wangen bei Olten meinte damals, er setze einen Teil seiner Hoffnungen auf den Telefon- und E-Mail-Verkauf.

Urs Bütler von der Buchhandlung Schreiber in Olten gab zu verstehen, allenfalls komme ihm jetzt die Tatsache entgegen, schon seit 20 Jahren im Online-Handel tätig zu sein. Der fakturierte Anteil liege schon jetzt bei rund 50 Prozent. Und für Alain Bernheim von Mode Bernheim Olten war klar, dass die Konsequenzen der verhängten Ausgangssperre im Moment nicht absehbar seien. Mode Bernheim war nach einem grosszügigen Um- und Neubau an der Oltner Kirchgasse eben neu eröffnet worden.

Schreiber meldet: relativ gut ausgelastet

Urs Bütler hat zwischenzeitlich voll auf Online gesetzt.

Urs Bütler hat zwischenzeitlich voll auf Online gesetzt.

Und jetzt? Gut vier Wochen nach dem verhängten Lockdown zeichnet sich ein Silberstreifen am Horizont ab. Im Gewerbe spielt man gern mit dem Gedanken, die bundesrätliche Weisung werde Ende April zumindest gelockert. Deshalb: Wie haben die drei Gewerbebetriebe die vergangenen Wochen überstanden?

«Wir sind relativ gut ausgelastet», bilanziert Bütler. Wie er richtig vermutete, hat sich das Online-Geschäft wacker gehalten. «Schreiber ist breit aufgestellt; neben dem Onlineshop kommen noch weitere Kanäle dazu, die von unseren Kunden, auch von überregionalen, gut genutzt werden.» Aber natürlich ist bei Schreiber bis auf weiteres Kurzarbeit angesagt. Das bedeutet aber nicht Stillstand. Bütler ortet nämlich grad im Online-Bereich Verbesserungspotenzial: «Es gibt Portale, die absolut einladender wirken als das unsrige», meint er. So redet der Buchhändler bereits wieder von bevorstehenden Investitionen im Digitalbereich. Und er geht eigentlich davon aus, dass sich die Kundschaft wieder im Laden sehen lässt.

«Vielleicht werden zwei, drei Kunden am Internetportal hängen bleiben, die vorher im Laden einkauften», sagt Bütler. Aber der Mensch sei eben im Grundsatz ein geselliges Wesen. Der Buchhändler ist denn auch überzeugt, dass die Kundschaft nach überwundenem Lockdown wieder ins Verkaufsgeschäft zurückkehrt. Deren Abwesenheit hat übrigens eine fette Marke hinterlassen. Aus den fehlenden zwei Märzwochen, so Bütler, fehle ein sechsstelliger Betrag. Inwieweit dieser durch den Online-Handel abgefedert werden könne, sei allerdings noch unklar.

Blumen Fleischli: Telefon und E-Mail sei Dank

Auch für Peter Fleischli haben sich Mindererträge ergeben, wie er auf Anfrage sagt. Zu beziffern seien sie heute aber schlecht. «Vielleicht haben wir in den letzten vier Wochen noch ein gutes Drittel des üblichen Umsatzes erzielt», so der Florist, der erstaunt ist über die vielen via Telefon und E-Mail eingegangenen Aufträge.

Auch Fleischli, dessen Betrieb ebenfalls von Kurzarbeit betroffen ist, glaubt nicht, dass sich das Kundenverhalten durch die Schliessung merklich ändert. «Nein, Blumen besieht sich der Mensch gern in Natura. Ich bin überzeugt, die Leute finden den Weg in den Laden zurück, wenn sie die Möglichkeit dazu haben.» Ist der Lockdown Ende April zumindest teilweise überwunden, sieht der Florist noch Chancen fürs Geschäft mit dem Sommerflor. «Aber es ist klar: Das Frühlingsgeschäft kann man ebenso abhaken wie die abgesagten gesellschaftlichen Anlässe, die jeweils floristisch begleitet werden.»

Mode Bernheim: Einbussen sind nicht aufzuholen

Alain Bernheim sehnt sich nach Lockerung des Lockdowns.

Alain Bernheim sehnt sich nach Lockerung des Lockdowns.

    

Für Alain Bernheim, der praktisch ausschliesslich auf den stationären Handel setzt, sind die Optionen in der Lockdown-Zeit vernachlässigbar klein. Es gibt schlichtweg keine. Die Bernheim-Läden bleiben geschlossen. «In so kurzer Zeit einen Online-Handel aufzubauen, das wäre nichts Tragendes geworden», gibt er zu verstehen. Abgesehen davon hält der Unternehmer fest, dass Bekleidung in Coronazeiten doch eher «wenig Bedeutung» hat, wie er sich ausdrückt. Die Zahlen der grossen Online-Anbieter würden diesen Schluss zulassen. Die gedämpfte Shoppinglust vieler Konsumenten machte selbst Europas grösstem Online-Modehändler Zalando zu schaffen, wie Ende März publik wurde. «Da bedeutet ein Onlineshop in der aktuellen Situation auch nicht die Rettung», so Bernheim.

Leider wird es auch nicht möglich sein, die fehlenden Umsätze aufzuholen. «Wir alle sind bereits sehr glücklich, wenn wir nach der Öffnung und in den nächsten Monaten wieder einigermassen geordnet arbeiten können.» So richtet er seinen Blick hoffnungsvoll Richtung Monatsende, wenn eine gewisse Entspannung erwartet wird. «Jetzt hoffen wir natürlich stark, dass die Kundschaft in den Laden zurückfindet», sagt der Unternehmer, der davon ausgeht, dass der Zauber der Laden-Neueröffnung von Anfang März noch nicht verflogen ist. «Klar, die Eröffnung an der Oltner Kirchgasse ist passé, die Ladenschliessung wirkte sicherlich nicht dynamisierend. Aber der Laden ist noch immer neu.»

Von drohenden Entlassungen als Folge der Krise spricht keiner der drei Unternehmer. Der Fokus steht auf Wiederbeginn, Betriebsamkeit. Verbunden mit der Hoffnung auf Ende April, der das Ende der verhängten Ausgangssperre bringen soll.

Autor

urs huber

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