Wie kommt es, dass ein Müller mitten in seinem Berufsleben den Grossbetrieben Adieu sagt und nach Hause zurückkehrt, um dort einen Kleinstbetrieb zu übernehmen? «Ich war immer mehr mit anderem beschäftigt, als mit dem Müllerhandwerk. Das hat mir gefehlt», antwortet der 44-jährige Jörg Schnyder. «Und ich habe Chancen gesehen.» Nämlich, dass in letzter Zeit der Bedarf an Mehl gestiegen ist, das natürlich und rein ist, also frei von irgendwelchen Zusatzstoffen und möglichst schonend hergestellt wird.

Gesagt, getan, schon hat sich der Erfolg eingestellt. Der Naturpark Thal hat elf Mehlsorten zertifiziert. Das gesamte Sortiment ist vorerst nur im hauseigenen Mehllädeli im Unterdorf von Laupersdorf zu haben. Das Buuremehl dagegen ist in 67 Coop-Verkaufsstellen in der Nordwestschweiz erhältlich – so wie weitere Produkte aus dem Naturpark Thal.

Nicht mehr daran geglaubt

Natürlich wäre es von Anfang an der Wunsch von Georg und Susanne Schnyder, gewesen, dass der Sohn die Mühle in Laupersdorf weiterführt, die sie 1961 von ihren Eltern übernommen hatten. «Nachdem aber Jörg sich immer weitergebildet und dann anspruchsvollere Posten in grossen Betrieben übernommen hatte, glaubte ich schon nicht mehr daran, dass er zurückkommt», sagt Georg Schnyder. Er hat soeben eine Hüftoperation hinter sich und kann es kaum erwarten, wieder in der Mühle mitzuarbeiten – und das mit 74 Jahren. «Ich mache es halt gar gerne», gibt er zu. Jetzt erst recht, wo er weiss, dass es weitergeht.

Doch damit es weitergehen konnte, musste einiges getan werden, wie Jörg Schnyder berichtet. «Was zur eigentlichen Mühle gehört, funktioniert noch absolut einwandfrei. Und die ist immerhin schon 65 Jahre alt. Aber die elektrischen Installationen, die mussten erneuert werden.» Hinzu gekommen ist eine gebrauchte Anlage, um kleine Mengen Mehl rationell abzufüllen. So gerüstet sieht Jörg Schnyder nun eine Zukunft für den Kleinstbetrieb, wobei er betont, dass es ohne die Familie nicht gehe. «Und bei den betrieblichen Erneuerungen konnte ich auf die Hilfe von Kollegen zählen.» Beibehalten werde er noch den Lehrauftrag in Fachunterricht an der Gewerbeschule Olten.

Der Reiz des Regionalen

Einen besonderen Reiz, in Laupersdorf einzusteigen, sah Jörg Schnyder darin, Teil einer regionalen Wertschöpfungskette zu werden, wie sie sich mittlerweile im Bezirk Thal etabliert hat. Das Thaler Brot in der Bäckerei Flückiger in der Klus zum Beispiel wird aus Mehl aus der Schnyder Mühle gebacken.

«Erste Voraussetzung ist die Qualität des Rohstoffs», erklärt er. Hier sei er bestens bedient, denn die Produzenten – selbstverständlich aus dem Thal – hätten ja alles Interesse daran, guten Roggen, Dinkel und Weizen zu liefern. Seinen Beitrag leiste er, indem er das Korn so schonend wie möglich ausmahle. «Das braucht mehr Zeit als bei industrieller Verarbeitung, aber es lohnt sich.» Das Vollkornmehl stellt er sogar auf einer traditionellen Steinmühle her.

60 Tonnen Backmehl verlassen jährlich die kleine Mühle. Sollen es schon bald mehr sein? «Eins nach dem andern», gibt Jörg Schnyder zur Antwort. «Ich bin froh, dass uns der erste Schritt gut gelungen ist.»