Im Oktober letzten Jahres hatte Ernst Eggmann (parteilos) an den Oltner Stadtrat eine kleine Anfrage gerichtet (wir berichteten). Eggmann regte damals Schutzmassnahmen rund um die Aussichtsplattform beim Felsvorsprung am Born an. Der Parlamentarier sah dort nämlich Wanderer in Gefahr, in Absturzgefahr. Aber nicht nur die, sondern auch jene, die auf dem völlig ungesicherten Felsvorsprung am Born ein Lagerfeuer einrichteten und die Aussicht geniessen wollten.

Waldtage als Beschleuniger

Bis zum Zeitpunkt der Solothurner Waldtage im Jahr 2014 wurde der Felsvorsprung allem Anschein nach als Aufenthaltsort wenig genutzt. Aber für die Waldtage wurde seinerzeit eine Aussichtsplattform nahe des Vorsprungs gebaut. Danach liess man diese bewusst stehen. Sie ging als Geschenk an die Bürgergemeinde Olten über. Und das Geschenk hatte anscheinend eine anziehende Wirkung.

Wie Georg Nussbaumer, Betriebsleiter Forstrevier Unterer Hauenstein und Mitorganisator der Waldtage 2014, damals schon gegenüber dieser Zeitung erklärte, habe man die Plattform befristet stehenlassen. «So ab dem Jahr 2024 wird die Konstruktion wieder abgeräumt», sagte der Betriebsleiter damals. Grund: Die befristete Bewilligung für die Plattform lief nämlich über insgesamt zehn Jahre. Die Plattform wurde seinerzeit zur Hauptsache mit Sponsorengeldern finanziert und schlug mit rund 60 000 Franken zu Buch.

Weggeräumt – zum Bedauern

Jetzt ist die Plattform weggeräumt worden. Zum Bedauern vieler, wie der Blick in die sozialen Medien zeigt. Im Februar nämlich hatte sich der Stadtrat zur kleinen Anfrage Eggmanns geäussert und zur Absturzsicherung vernehmen lassen. «Die Aussichtsplattform und das Grundstück befinden sich im Eigentum der Bürgergemeinde. Aus diesem Grund liegt die Grund- und Werkeigentümerhaftung an diesem Standort nicht bei der Einwohnergemeinde», so der Stadtrat in seiner Antwort. Die Bürgergemeinde Olten als Besitzerin der Plattform ihrerseits hatte darauf hin allfällige Sicherheitsmassnahmen abklären lassen. Fazit: Entweder ein Geländer errichten oder aber die bis anhin als Publikumsmagnet wirkende Plattform entfernen.
Aufgrund der hohen Kosten für ein Geländer beziehungsweise des Umstandes, dass die Plattform bis spätestens im Jahr 2024 entfernt würde, hat die die Liegenschaftskommission der Bürgergemeinde beschlossen, die Plattform jetzt zurückzubauen. «Die Kosten für ein sicheres Geländer wären auf 10 000 Franken zu stehen gekommen», sagt Georg Nussbaumer auf Anfrage dieser Zeitung. Und schiebt nach: «Mindestens 10 000 Franken.» Dies allein hätte allerdings nicht für den vorzeitigen Rückbau gesorgt. Zu der befristeten Bewilligung kommt hinzu, dass die verantwortlichen der Bürgergemeinde in den vergangenen Jahren zum Schluss gekommen war, in freier Natur Geländesicherungen grundsätzlich auszuschliessen.

Viele Diskussionen

Für Bürgerschreiberin Arlette Maurer war klar, dass der vorzeitige Rückbauentscheid zu breiteren Diskussionen führen würde. Aber: «Das Risiko kann man einfach nicht weiter eingehen.», so Maurer. Eine Warntafel, so wie dies in den sozialen Medien etwa vorgeschlagen wurde, reiche nicht aus. Die bewahre nicht vor einer Haftpflicht, so Maurer. Der überraschend kurzfristig angesetzte Rückbau sei insofern zu erklären, als dass dieser noch vor den Frühlingsferien erfolgen sollte. Mit Beginn der wärmeren Jahreszeit würden auch die Besucherfrequenzen am Born wieder zunehmen und das Risiko damit grösser.
Für Ernst Eggmann, der mit seiner kleinen Anfrage beim Stadtrat die ganze Sache überhaupt erst ins Rollen brachte, ist der Abbruch der Plattform nur schwer verständlich. «Ich empfinde die Situation als sehr sehr unglücklich. Es war nie meine Absicht, die Plattform zum Verschwinden zu bringen», sagt er bedauernd. Viel eher habe er sich vorgestellt, dass auf die Gefahrensituation mit einfachen Mitteln hätte reagiert werden können. «Man hätte bestimmt mit deutlich weniger als 10 000 Franken eine gefahrlosere Situation hinbekommen», kommentiert er den Entscheid.