Maturaarbeiten

Ist die Stadt Olten attraktiv genug für junge Leute?

Studentinnen und Studenten verweilen vor dem Gebäude der Fachhochschule: In Olten leben mehr junge Leute zwischen 20 und 29 Jahren als im Jahr 2000, so das Resultat einer Maturaarbeit.

Ist die Stadt Olten attraktiv für Jugendliche und junge Leute zwischen 16 und 29 Jahren? Diese Frage haben sich in abgewandelter Form drei Maturarbeiten gestellt.

Welche Bedürfnisse haben Jugendliche in ihrer Freizeit? Ist Olten bereits eine Studentenstadt oder wird sie es erst noch? Um diese drei Fragen drehen sich drei Maturaarbeiten der Kantonsschule Olten, die kommenden Samstag vorgestellt werden. Alle haben die Attraktivität der Stadt für junge Leute zum Thema. Die Fragestellung ist zwar ähnlich, aber sie kommen aufgrund der gewählten Vorgehensweise zu unterschiedlichen Resultaten. So gibt etwa eine Arbeit eine Empfehlung ab, in einer anderen wird ein Studentenführer skizziert.

  • Gianna Sabato aus Olten lebt gerne hier, doch wegen des «bemängelten Angebots« hat sie sich entschieden, das Angebot der Jugendlichen zwischen 16 und 20 Jahren genauer zu untersuchen, wie sie in ihrer Einleitung zur Arbeit schreibt. Sie machte dazu eine Umfrage unter Oberstufenschülern, die 223-mal ausgefüllt wurde. Dies mit der Frage: Welche Bedürfnisse haben Jugendliche in der Freizeit, die in der Stadt nicht befriedigt werden? Die Resultate zeigten, dass sich die 16- bis 20-Jährigen mehr Orte wünschten wie Bars, Discos oder Jugendtreffs. Zwar werden vorhandene Angebote wie das Kulturlokal Coq d’Or oder das «Magazin» genutzt, aber die Auswahl sei begrenzt, wie es im Fazit heisst. Auch bemängeln die Jugendlichen, dass es keine spezifischen Anlässe für ihre Altersgruppe gibt und die fehlenden Einkaufsmöglichkeiten werden erwähnt. Als positives Beispiel wird hingegen das Jugendkulturhaus Provisorium 8 (heute Garage 8) genannt: Dort hätten Jugendliche eine Veranstaltung auf die Beine gestellt, die auch dank der Werbung auf der Social-Media-Plattform Instagram viele Leute anzog. Mit 66 Prozent ist Instagram nämlich die beliebteste Plattform bei den befragten Jugendlichen, Facebook hingegen nutzten nur gerade ein Prozent der Befragten. Die Kantonsschülerin empfiehlt der Oltner Stadtverwaltung daher, künftig ein Instagram-Konto zu führen, um die Jugendlichen besser erreichen zu können.
  • Jeffrey Kiefer geht in seiner Arbeit der Frage nach, ob Olten tatsächlich eine Studentenstadt ist und wie diese weiter gefördert werden könnte. Dazu erhielt der Kantonsschüler Daten der Fachhochschule Nordwestschweiz und führte Interviews mit dem regionalen Wirtschaftsförderer Rolf Schmid sowie Alexandra Yankam, die an der Fachhochschule Nordwestschweiz für die internationalen Studenten zuständig ist. Gemäss den Zahlen der Fachhochschule von 2017 besuchten knapp 12 000 Studenten die Stadt. Diese stammten aus dem Kanton Solothurn selbst, aber viele auch aus den benachbarten Kantonen. Der Kanton Bern stellt bei den Wirtschaftsstudenten mit 374 Personen die meisten Studenten, erst an zweiter Stelle folgt der Kanton Solothurn. Die Gemeinde mit der höchsten Studentenzahl ist wenig überraschend die Standortgemeinde Olten. Trotzdem gilt die Stadt aus Sicht der beiden Interviewten nicht als typische Studentenstadt. «Vielleicht durch den Tag, aber in der Nacht erlebe ich das noch nicht so», sagt Wirtschaftsförderer Rolf Schmid. Alexandra Yankam von der Fachhochschule ergänzt: «Ich habe Olten eigentlich immer als Pendlerstadt erlebt. Wir arbeiten immer noch daran, dass wir die Stadt bekannter machen, damit die Studenten nicht nur den Bahnhof kennen.» Weil weder von der Wirtschaftsförderung noch von der Fachhochschule kaum etwas getan wird, um Studenten als Zuzüger nach Olten zu holen, hat Kantischüler Kiefer ein erstes Konzept für einen Studentenführer in seiner Maturaarbeit entworfen. Er beschränkt sich dabei auf Gastroangebote im Take-away-Bereich und listet Lokale auf, die sich fürs Nachtleben der Studenten eignen würden.
  • Noah Niklaus aus Trimbach hat unter dem Titel «Wird Olten zur Studentenstadt?» demografische Quartieranalysen durchgeführt. Damit will er zeigen, wie sich die Altersstruktur der Bevölkerung in den 14 Quartieren der Stadt verändert hat. Er stützte sich dabei auf Daten des Bundesamts für Statistik, die ihm Zahlen für die Jahre 2000, 2010 und 2017 zur Verfügung stellten. Mithilfe verschiedener Annahmen versuchte der Kantonsschüler herauszuschälen, welche Quartiere für Studenten besonders attraktiv zum Wohnen sind. So ging er davon aus, dass die Studenten zwischen 20 und 29 Jahre alt und ledig sind sowie eher in statustieferen Quartieren leben, weil dort auch die Mieten günstiger sind. Die Interpretation seiner Daten zeigt, dass der Oltner Durchschnittseinwohner im Beobachtungszeitraum zwischen 2000 und 2017 um fast ein Jahr jünger geworden und 42 Jahre alt ist. Zudem stellte der Kantonsschüler fest, dass der Anteil der 20- bis 29-Jährigen um 4,3 Punkte auf 17 Prozent gestiegen ist. Das heisst: Im Jahr 2017 gibt es mehr Einwohner im Studentenalter als 17 Jahre vorher. Die Zunahme zeigt sich auch in absoluten Zahlen: Im Jahr 2000 gab es 2095 20- bis 29-Jährige, im Jahr 2017 deren 3136. Vor allem die Quartiere Bifang, Hagmatt, Innenstadt und Rötzmatt weisen mehr 20- bis 29-Jährige auf und sind somit in den Augen des Kantonsschülers beliebter bei den Studenten geworden. Sie gehören mit Ausnahme der Innenstadt zu den statustieferen Quartieren, in denen die Mietpreise tiefer sind. Das Fustlig- und Schöngrund-Quartier hingegen zählt er zu jenen, in denen am wenigsten junge Leute im Studentenalter wohnen.

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