FC Olten
«Irgendwie wird es weitergehen» – heute soll der Vorstand neu besetzt werden

Seit über einem Monat ist der FC Olten handlungsunfähig. Weil die wichtigsten Funktionen im Vorstand nicht mehr besetzt sind. Dies soll sich heute Abend an der ausserordentlichen GV ändern.

Raphael Wermelinger
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Zwei Ex-Präsidenten des FC Olten: Claudio Richard (l.) und Roger Grimm.

Zwei Ex-Präsidenten des FC Olten: Claudio Richard (l.) und Roger Grimm.

BKO/ZVG

Gesucht werden vor allem ein neuer Präsident, ein Vizepräsident, ein Finanzchef sowie Hilfe für den Bereich des Marketings. «Wir müssen es schaffen, dass der Verein wieder beschlussfähig ist», stellt Claudio Richard. Er zeigt sich zuversichtlich, dass die vakanten Posten neu besetzt werden können.

Der Tiefpunkt ist in seinen Augen überwunden, die Stimmung im Umfeld des Klubs habe sich in den letzten Wochen verbessert. «Noch vor ein paar Wochen hatte ich das Gefühl, dass es niemanden mehr interessiert, was beim FC Olten läuft. Nun scheint die Stimmung wieder etwas besser und ich hoffe, dass es weiter aufwärtsgeht.»

Im Juni war Richard nach drei Jahren als Präsident des FC Olten zurückgetreten. Die Last sei zu gross, begründete er damals: «Es mangelt an Helfern im Vorstand. Dieser besteht im Moment noch aus zwei, drei guten Leuten.» Anfang Juli machten Gerüchte die Runde, dass Wangens Ex-Vizepräsident Roger Grimm der neue Chef auf dem Kleinholz wird. Die Bestätigung folgte wenig später.

Schriftliche Vereinbarung mit der Stadt

FC Olten zahlt Platzmiete derzeit pünktlich

Der FC Olten ist finanziell nicht immer auf Rosen gebettet. Im März 2013 hat der Oltner Stadtrat dem Verein Schulden in Höhe von knapp 16 000 Franken erlassen, die hauptsächlich aus nicht bezahlten Platzmieten bestanden (wir berichteten). Zudem hat der Stadtrat dem Verein in einer schriftlichen Vereinbarung die Auflage gemacht, dass die Mieten für die Rasenfelder und Turnhallen inklusive Stadthalle künftig termingerecht bezahlt werden müssen. Als Strafmassnahme wurde dem Klub angedroht, dass er «umgehend sämtliche Mietrechte städtischer Sportanlagen verlieren» würde, heisst es im damaligen Stadtratsbeschluss. Soweit kam es aber nie, sagt Jan Rechsteiner als Leiter Dienste bei der Direktion Bildung und Sport auf Anfrage. Es sei in der Vergangenheit zwar immer wieder geschehen, dass die Miete nicht fristgerecht bezahlt wurde. Aber bevor der Stadtrat informiert wurde, war das Geld dann trotzdem auf dem Konto. In den letzten Wochen ist seines Wissens die Miete termingerecht eingetroffen. Der FC Olten ist laut Rechsteiner der einzige Sportklub, mit dem wegen finanzieller Probleme eine solche Vereinbarung von der Stadt aus getroffen wurde. Pro Jahr schuldet der Fussballklub der Stadt rund 16 000 Franken für die Hallen- und Platzmiete. Grösster Posten ist mit 9000 Franken die Gebühr für die Meisterschaftsspiele. (fmu)

An der GV vom 20. Juli wurde Grimm zum neuen FCO-Präsidenten gewählt, Jean-Robert Décaillet zum Vizepräsidenten. Gleichzeitig wurden auch das neue Trainertrio Ryszard Komornicki, Petar Aleksandrov und Mirko Pavlicevic sowie der neue Investor Giuseppe Landolfi präsentiert. Von einem langfristigen Projekt, das den FC Olten in die 1. Liga führen soll, war die Rede.

Es kam aber ganz anders. Keine zwei Monate nach seinem Amtsantritt teilte Roger Grimm dieser Zeitung per SMS mit, dass er nicht mehr Präsident des FC Olten sei. Wieso es bereits nach wenigen Wochen zum Bruch kam, wollte er nicht begründen. Bis heute hüllt sich Grimm in Schweigen. Vom ehemaligen Präsidenten Bruno Misteli, immer noch Mitglied des FC Olten und Wirt des Klubhauses, kamen heftige Vorwürfe auf.

Grimm soll eigenmächtig Verträge mit Trainern, Spielern und möglichen Sponsoren unterschrieben haben, die der FC Olten gar nicht tragen konnte. So wurden zum Beispiel dem Trainertrio und den Spielern des Fanionteams Löhne versprochen, die sie sich jetzt abschminken können. Und aktuell ist beim Fussballklub niemand berechtigt, neue Verträge auszuhandeln.

Mit der heutigen GV soll sich die unangenehme Situation entspannen, hofft Richard. «Wir haben das eine oder andere Gesicht, das versuchen wird, den FCO-Vorstand zu unterstützen», sagt er, ohne konkrete Namen zu nennen. «Wir werden die Situation auf jeden Fall regeln, irgendwie wird es weitergehen.» Sechs Traktanden stehen ab 20 Uhr im Klubhaus auf dem Kleinholz auf dem Programm.

Nach der üblichen Begrüssung und dem Absegnen des Protokolls der letzten Generalversammlung ist der wichtigste Punkt an der Reihe, die Wahl des neues Vorstandes. Dass sich Roger Grimm, der offiziell immer noch der Präsident des Vereins ist, heute Abend blicken lässt, damit rechnet beim FC Olten niemand. Die Leitung der ausserordentliche GV muss deshalb wohl Richard selbst übernehmen, oder dessen Vorgänger Bruno Misteli.