1. Warum wollen die privaten Unternehmer Marc Thommen und Massimo Hauswirth ein Ballsport-Center realisieren?

Die Idee kam von drei sportbegeisterten Juniorentrainern aus der Region, die meinten, ein Sportzentrum für Kinder und Jugendliche fehle. Marc Thommen, dem in Olten das gleichnamige Architektur- und Planungsbüro gehört, sowie Massimo Hauswirth, der das Büro Aare Architektur und Design AG führt, haben daraufhin ein Projekt ausgearbeitet und nach mehreren Standorten in der Region gesucht. In Olten sassen die Initianten mit dem Stadtrat zusammen und sind übereingekommen, dass ein solches Ballsport-Center im Kleinholz stehen müsste, wo es Synergien mit den weiteren Sportstätten gebe, auch die einheimischen Vereine am meisten davon profitieren könnten und bereits eine direkte Busanbindung an den Bahnhof existiert. Das betreffende Grundstück wird von der Stadt im Baurecht zur Verfügung gestellt.

2. Welche Zielgruppen spricht das neue Ballsport-Center an?

Die neue Sportanlage soll gemäss Medienmitteilung primär dem Kinder- und Jugendsport dienen. Initiant Marc Thommen bezeichnet es gestern vor den Medien als «einzigartiges Jugendprojekt». Die Anlage wird für die Ballsportarten Fussball, Futsal, Handball, Uni- und Landhockey zur Verfügung stehen. Aber auch der Behindertensport soll das Ballsport-Center nutzen können. Man strebt eine Zusammenarbeit mit den entsprechenden Sportverbänden wie dem Schweizerischen Fussballverband an. Erste Gespräche wurden geführt.

3. Was bietet das neue Ballsport-Center?

Das Ballsport-Center besteht aus drei Einheiten: Die eigentliche Ballsporthalle — auf dem Dach liefert eine Photovoltaikanlage Strom und die Gebäudehülle entspricht dem Minergie-Standard — besteht aus einem flexiblen Spielfeld für die verschiedenen Ballsportarten sowie einer Sitz- und Stehplatztribüne für rund 2000 Zuschauer. Im gleichen Gebäude gibt es aber auch Büro-, Seminar- und Schulungsräume, Bar/Restaurant mit Lounge, ein Kinderhort sowie eine öffentliche Sauna und ein Kraftraum, die beide separat betrieben werden sollen. Als zweites Element gibt es das Super-League-taugliche Aussenspielfeld, das als Option auch mit einem beweglichen Dach ausgestattet werden kann, mit einer Tribüne für 250 Sitz- und Stehplätze. Darunter befindet sich eine bewirtschaftete Einstellhalle für rund 300 Autos, die auch umliegenden Firmen oder für Events zur Verfügung steht, die in der Umgebung stattfinden wie EHC-Olten-Spiele. Als drittes Element ist ein Hostel geplant, das nur für die Benutzer des Ballsport-Centers zur Verfügung steht. «Wir wollen damit nicht die lokale Hotellerie konkurrenzieren», sagt Marc Thommen. Funktionäre und Sportler wollten unmittelbar beim Sportzentrum übernachten können, so Thommen.

Olten soll ein neues Ballsport-Center erhalten – Die Stimmen von Mitinitiant Marc Thommen und Stadtpräsident Martin Wey aus der Medienkonferenz

Die Stimmen von Mitinitiant Marc Thommen und Stadtpräsident Martin Wey aus der Medienkonferenz

4. Wie sollen die Betriebskosten finanziert werden?

Die Hauptauslastung sollen individuelle Ausbildungen und Jugendsportcamps bringen, welche die Anlage für bis zu 27 Ferienwochen pro Jahr, also rund das halbe Jahr, belegen werden. Das neue Ballsport-Center soll neben dem Kinder- und Jugendsport auch für rund 20 Prozent dem Nachwuchs- und Leistungssport zugutekommen. Der Spitzensport soll die Betriebskosten finanzieren — genaue Zahlen wollten die Initianten nicht verraten —, um so den Kinder- und Jugendsport zu ermöglichen. Unter anderem wollen die Initianten einen sogenannten Footbonauten für 2 Millionen Franken einbauen. Das ist ein Trainingsgerät für Fussballer, bei dem ein Spieler in einem rund 20 mal 20 Meter grossen Feld aus Kunstrasen steht und Bälle zugespielt erhält. In der Schweiz gibt es bisher keine solche Anlage. In Deutschland besitzen unter anderem Borussia Dortmund und TSG 1899 Hoffenheim einen Footbonauten.

5. Wer soll die Investitionen von 33 Millionen Franken stemmen?

Die Initianten wollen das Ballsport-Center über die noch zu gründende Stiftung Jugendsportförderung 3 Tannen finanzieren. Ein Teil wird mit Stiftungskapital, Spenden und Privatkrediten bezahlt, ein weiterer Teil werden Banken und Versicherungen beitragen und ein dritter Teil soll durch Sportfonds-Beiträge und mögliche Beiträge des Bundesamts für Sport erfolgen. Angestrebt wird nämlich ein nationales Leistungszentrum in der Sportart Landhockey. Gebaut werde nur, wenn das Projekt vollständig finanziert ist, sagen die Initianten. «Das Projekt ist eine Privatinitiative ohne Einsatz lokaler Steuergeldern», heisst es in der Mitteilung. Nicht in den 33 Millionen Franken inkludiert sind das Hostel sowie das bewegliche Dach des Aussenspielfeldes. Beides soll – wenn überhaupt – erst später entstehen.

6. Wie profitieren die einheimischen Vereine vom Ballsport-Center?

Es ist geplant, dass auch die Vereine aus der Stadt und der Region die Ballsporthalle und das Aussenfeld mieten und für ihre Zwecke nutzen können. Der Gebührentarif ist derzeit in Ausarbeitung und hängt gemäss Initiant Thommen auch davon ab, wie hoch der jährliche Baurechtszins an die Stadt ausfällt.

7. Welches sind die nächsten Schritte?

In den nächsten Wochen und Monaten wollen die Initianten zum einen das Gespräch mit den einheimischen Vereinen wegen einer späteren Nutzung suchen, zum anderen die Stiftung gründen und erste Finanzierungsverträge abschliessen. Auch der Baurechtsvertrag mit der Stadt, welcher das Gemeindeparlament absegnen muss, soll bis Mitte 2019 stehen. Im besten Fall wird der Baustart im Herbst 2020 und die Eröffnung im Spätsommer 2022 erfolgen. «Der Fahrplan ist sportlich», sagt Thommen dazu.