Der einzige Aufreger des Abends – wenn man ihn denn so nennen darf – war die Interpellation von alt Finanzverwalter Marcel W. Wyss, einem, der seit geraumer Zeit regelmässig gegen den aktuellen Kappeler Gemeindepräsidenten sowie dessen Vizepräsidenten aus allen Rohren schiesst.

Wyss verlangte vom Gemeinderat Auskunft darüber, weshalb Gemeindepräsident Rainer Schmidlin – in einer finanziell angespannten Situation – zum bestbezahlten Gemeindepräsidenten der Region erhoben wurde.

Die Interpellation verkam zur Situationskomik, weil der Interpellant gar nicht an der Gemeindeversammlung anwesend war. Zudem: An der Ausarbeitung der 2013 in Kraft getretenen Dienst- und Gehaltsordnung war Marcel W. Wyss noch beteiligt.

Diese setzte fest, dass die Pauschale an den Gemeindepräsidenten heute mit 50 000 Franken ungleich höher ist als früher – dies aber deshalb, weil die Sitzungsgelder nicht mehr separat verrechnet werden.

Anzeige gegen unbekannt

Trotzdem könnte sich die Interpellation noch zu einem Krimi entwickeln. Marcel W. Wyss wollte nämlich unlängst über verschiedene Kanäle eine Offenlegung der Löhne des Gemeinderates erwirken, da er «aus gut informierten Quellen» wissen will, dass dieser mehr verdiene, als offiziell bekannt gegeben werde.

Daraufhin reichte die Gemeinde Kappel eine Anzeige gegen unbekannt wegen Amtsgeheimnisverletzung ein, da sie davon ausgehen müsse, dass jemand interne Dokumente veruntreut hat.

Rainer Schmidlin wie anscheinend ein Grossteil der Gemeindeversammlung verstehen den Aktionismus von Marcel W. Wyss ohnehin nicht. Der Gemeindepräsident hat nur eine Erklärung: «Ich frage mich, ob wir an einer Enthüllung eines Skandals aus seiner Zeit dran sind und er das verhindern will.»

Weitere Investitionen

Am Budget 2016 der Gemeinde — darum ging es eigentlich an der Versammlung — gab es wenig zu beanstanden. Immerhin weist dieses einen kleinen Ertragsüberschuss von rund 3800 Franken auf, dies trotz mehrerer grosser Projekte, die die Investitionsrechnung mit über 4,7 Millionen Franken prägen.

Der Neubau des Werkhofs ist im Gang. Der Bau soll im kommenden Frühjahr fertiggestellt sein. Der Schulhaus-Neu- und -Umbau wird Mitte 2017 abgeschlossen. Im Weiteren ist die Gemeinde verpflichtet, ihren Beitrag an die vom Kanton vorgesehene Kreiselsanierung an der Mittelgäu-/Hägendorf-/Boningerstrasse zu leisten.

Gleichzeitig mit der Kreiselsanierung sollen, für 139 000 Franken, auch die gemeindeeigenen Wasserleitungen in diesem Bereich saniert werden. Mit der Kreiselsanierung zeitlich koordiniert, wird die Sanierung des Strassenbelages im Unterdorf.

Diese kostet die Gemeinde wiederum 200 000 Franken. Ebenfalls zwei Fliegen mit einer Klappe können beim Alpenblick geschlagen werden. Einerseits muss da die Wasserleitung ersetzt werden und andererseits kann dasselbe mit der dort vorhandenen Kanalisation realisiert werden. Das kostet die Gemeinde weitere 324 000 Franken.

Ja zum Voranschlag 2016

Die 59 anwesenden Stimmberechtigten gaben für die diversen Sanierungsanträge grünes Licht. Sie genehmigten auch das Budget 2016. Der Steuersatz bei natürlichen Personen bleibt unverändert auf 122 Prozent.

Pensum bewilligt

Trotz des erneut hohen Investitionsvolumens wie bereits in den vergangenen zwei Jahren und der damit verbundenen finanziellen Verpflichtungen war auch die zusätzliche Bewilligung einer 50-Prozent-Stelle für die Schulhausreinigung keine Diskussionsgrundlage für die Gemeindeversammlung.

Die Reinigung des neuen Schulhauses fällt unter den Bereich Werke der Gemeinde. «Dieser Bereich erhielt in den vergangenen Jahren immer wie mehr Aufgaben zugewiesen (Brunnenmeister, Pflege Friedhof, Ortsquartiermeister und Unterhalt Bornschanze) bei gleichbleibenden Pensen», erklärte der Verwaltungsleiter Hans Peter Wiedmer.

Deswegen sei ein zusätzliches Pensum von 50 Prozent und einer Kostenfolge von zirka 26 700 Franken pro Jahr unumgänglich. Das sahen auch die Stimmberechtigten so.

Gemeindepräsident Rainer Schmidlin zeigte sich über das Vertrauen der Stimmbürgerinnen und -bürger erfreut und betonte gleichzeitig, dass ihm die Gemeindefinanzen durchaus schlaflose Nächte bescherten.

Er sei aber zuversichtlich, dass nach den ganzen Investitionen der Schuldenberg von aktuell 12,9 Millionen Franken wieder abgebaut werden könne und die Gemeinde somit wieder in ruhigere Gewässer komme.

Ein Grossteil der Gemeinde scheint dies ähnlich zu sehen. Bis auf eine Ausnahme: Marcel W. Wyss hat nämlich neben der Interpellation vorsorglich schon einmal Beschwerde gegen die Gemeindeversammlung vom Donnerstag eingelegt.

Rainer Schmidlin meinte leicht angesäuert und leicht ironisch: «Im Voraus geht das rechtlich zwar nicht. Aber ich denke, er wird sich dem jetzt schon noch einmal annehmen.»