Es erinnert in seinem herben Cachet ein bisschen an ein etwas bescheideneres brandenburgisches Landschlösschen; das einstige Industriegebäude Kleider Frey im Zentrum Wangens, welches im letzten Jahrhundert für eine handwerklich hochstehende Produktion von Kleidern bekannt war.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat die Liegenschaft mehrheitlich vor sich hin geschlummert. Nun aber wird sie wachgeküsst, kommt Bewegung in die Szenerie. Nach mehreren Handwechseln übernahm 2012 die Stiftung Abendrot, die nachhaltige Pensionskasse aus Basel, das Areal.

Sie hat sich in den letzten Jahren darauf spezialisiert, Industriebrachen zu erwerben und neuen Nutzern zugänglich zu machen. Oberstes Ziel der Eigentümerin ist es dabei, den Charme der Frey-Fabrik zu bewahren und mittels baulichen Eingriffen ins neue Jahrhundert zu überführen.

Das Fabrikgebäude bietet mit Tageslicht durchflutete, hohe Räume, welche um einen Innenhof angeordnet sind. Sowohl die Lage wie auch die Struktur der Architektur sind ideal, um einen Nutzungsmix von verschiedenen Gewerbetreibenden und Wohnen, entstehen zu lassen.

Selbst die Idee, die neuen Fenster mit der vorhandenen, alten mechanischen Verriegelung auszurüsten, wurde geprüft. Bilanz: zu aufwendig, zu kostenintensiv. Dafür etwa hält die Grundeigentümerin an der bewährten Idee der Sonnenstoren aus Stoff fest. Nur südseitig werden Rafflamellenstoren angebracht. Geheizt wird die Liegenschaft mit Holzpellets.

Raus aus Dornröschenschlaf

Knapp vier Jahre lang hat sich die Stiftung damit beschäftigt, mögliche Nutzungsstrategien zu entwerfen, zwischenzeitlich den Erhalt des Gebäudes zu sichern (das Dach über der Näherei musste neu gemacht werden), Bedarfsabklärungen vorzunehmen. Nun präsentiert sie ihre Idee für den ehemaligen Kleider Frey: «Arbeiten und Wohnen».

Die Verquickung elementarer Lebenssituationen also soll sich im einstigen Firmengebäude vollziehen. «Bis Herbst/Winter 2017 sind die derzeit angelaufenen Umbauarbeiten abgeschlossen», sagen die Projektleiterinnen Alexandra Allan und Isabelle Dietrich. Investitionsvolumen: rund 15 Mio. Franken.

Die Festlegung der Strategie zur Umnutzung der Liegenschaft habe etwas mehr Zeit als üblich in Anspruch genommen. «Es ist für uns das erste Projekt ausserhalb grösserer Agglomerationsräume, in denen die Nachfrage für solcher Angebote jeweils ungebremst ist», so Alexandra Allan.

Zwei Eishockeyrinks

Ganz respektabel sind die Grössenverhältnisse in Wangen: Rund 3800 m² Fläche hält die einstige Industrieanlage bereit, aufgeteilt in knapp 1100 m² Wohn- und 2750 m² Gewerbefläche. Das entspricht in etwa zwei grosszügig veranschlagten Eishockeyrinks. Eigentliches Prunkstück der Anlage, wenn man so will, ist die Halle, in welcher einst die Uniformennäherei beheimatet war und die mit knapp 1600 m² für hiesige Verhältnisse schon fast epochale Ausmasse aufweist.

Gemäss Alexandra Allan wird die Halle nur als Ganzes vermietet, so wie übrigens alle Räumlichkeiten nicht zum Kauf, sondern ausschliesslich zur Miete stehen. Die Halle kann, wie die Architektin sagt, nicht für Aktivitäten mit starken Lärmemissionen gebraucht werden, «der benachbarten Wohnquartiere wegen.»

Weiter warten werden neun Duplexwohnungen (zweigeschossig) zum Wohnen und Arbeiten erstellt. Zwei Simplexwohnungen (obergeschossig) ergänzen den Wohntrakt. «Wir wissen, dass viele kleine Mieter viele Ideen haben, die ein Ganzes ergeben», hatte Istvan Akos, Stiftungsratsmitglied der Pensionskasse Abendrot, die Strategie vorn rund vier Jahren bei der seinerzeitigen Präsentation erster Absichten nicht grundlos ausgeführt.

Gewerbe- und Büroflächen

Besonders hübsch: Zwei der sechs Büroeinheiten liegen im ersten Obergeschoss. Sämtliche fünf Gewerberäume dagegen liegen aus praktischen Überlegungen im Erdgeschoss. Zusätzlich lassen sich noch Kellerräume dazu mieten; ein Autoabstellplatz in der Tiefgarage und die Miete eines Parkplatzes im Freien runden das Raumangebot ab.

«Wir stellen uns vor, dass die Räumlichkeiten für Handwerker, Kulturschaffende, Künstler und andere kreativ Tätigen die optimale räumliche Ergänzung darstellen», so Isabelle Dietrich. Die Stiftung arbeite bei der Umnutzung des Areals mehrheitlich mit einheimischen Gewerbetreibenden zusammen. «Die regionale Verankerung des Projekts ist uns sehr wichtig.»

Der Ort liegt verkehrstechnisch ausgezeichnet: Zentral im Dorf, bedient von zwei Bushaltestellen innert einer Gehminute, der Bahnhof Wangen ist innert deren drei zu erreichen.

«Für die Stiftung Abendrot sind Liegenschaften nicht einfach Renditeobjekte, sondern Lebens- und Arbeitsraum für Menschen, die etwas bewirken wollen. Die Pensionskasse will deshalb Bedingungen schaffen, in denen sich die Mieterinnen und Mieter wohlfühlen, wo ein Austausch und eine befruchtende Betriebsamkeit stattfinden, wo kreative Energie entsteht und individuelle wie auch gesellschaftliche Bedürfnisse befriedigt werden können», so Alexandra Allan.

www.arealfrey.ch