Für das arg gebeutelte Olten – Millionendefizit und Sparmassnahmen sorgten zuletzt für Negativschlagzeilen in Hülle und Fülle – hat der Geschäftsführer von Olten Tourismus eine frohe Kunde: «Im Tourismus der Region Olten läuft Einiges.» Die Nominierung von Olten für den «Swiss Mice Award» in der Kategorie Destination unterstreicht die Aussage von Christian Gressbach. «Mice» ist der Fachausdruck für das Seminar- und Kongress-Geschäft, wofür Olten mit seiner zentralen Lage und schnellen Erreichbarkeit prädestiniert ist. Die Abkürzung steht für Meetings, Incentive, Convention und Events/Exhibitions. In der Kategorie Destination duelliert sich Olten mit Davos, Thun, Lugano und Montreux um den Award, die Entscheidung fällt im Januar.

Professionell dank «Olten Meetings»

Völlig überraschend kam sie, die Nachricht über die Nominierung. «Wir haben überhaupt nicht damit gerechnet», sagt Gressbach. «Sie zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind und Olten im Bereich Konferenzen und Tagungen ein grosses Potenzial hat.» Um dieses besser ausschöpfen zu können, hat Olten Tourismus im Frühling dieses Jahres das Projekt «Olten Meetings» ins Leben gerufen. Darin haben sich mit dem Konferenzhotel Arte, Hotel Olten, Best Western Hotel Storchen in Schönenwerd, Mövenpick Hotel in Egerkingen, Stadttheater Olten und youcinema sechs Partner, die im «Mice»-Bereich stark sind, zusammengeschlossen. Mit diesem Projekt strebt Olten Tourismus eine Professionalisierung an. Potenzielle Kunden können ihre Anfrage an «Olten Meetings» richten, das Team um Gressbach arbeitet im Anschluss verschiedene Offerten mit allem Drum und Dran aus.

Die sechs Partner haben einen Dreijahresvertrag unterzeichnet. «Wir müssen schauen, wie sich das entwickelt. Bislang hatten wir etwa 50 Anfragen, das ist ganz gut.» Entscheidend sei, so Gressbach, wie das Verhältnis zwischen Anfragen und Buchungen ist. «Es nützt uns nichts, wenn wir 100 Anfragen aber nur fünf Buchungen haben. Wir brauchen schliesslich Gäste, die auch Geld liegen lassen in der Region Olten. Ansonsten rechnet sich das Ganze nicht.» Mit dem Besuch von Fachmessen und Instrumenten im digitalen Marketing, wie etwa einem E-Newsletter, will «Olten Meetings» den «Mice»-Tourismus noch mehr ankurbeln.

Aufrüstung ist in Gang

Vonseiten der Hoteliers scheint man an das Potenzial von Olten zu glauben. Eine Aufrüstung ist in Gang, wie Gressbach sagt: Das Hotel Amaris baut aus und wird künftig 28 Zimmer und neun Studios mehr zur Verfügung haben. Das Konferenzhotel Arte investiert in Bälde in eine gross angelegte Renovation. Und in Bahnhofnähe entsteht mit dem Oltnerhof im kommenden Jahr ein neues Hotel. «Wir rechnen deshalb auch damit, dass die Logiernächte fürs kommende Jahr nochmals zunehmen.»

Gästebüchlein und City-Taxe

«Olten Meetings» ist nur einer der zwei grossen Brocken, die Olten Tourismus in diesem Jahr angegangen ist, der Zweite ist die City-Taxe. Im Sommer beschloss das Gemeindeparlament von Olten die Übernachtungstaxe von 40 Rappen pro Nacht und Gast auf zwei Franken zu erhöhen und in City-Taxe umzubenennen – 40 Rappen fliessen weiterhin in die Kasse der Stadt, Fr. 1.60 in jene von Olten Tourismus. «Wir schätzen, dass wir 2014 dadurch rund 80 000 Franken generieren können», so Gressbach. Diese Gelder sind zweckgebunden: vom Gast für den Gast.

Um den zahlenden Gästen für die zwei Franken extra auch was bieten zu können, hat Olten Tourismus nun ein Gästebüchlein lanciert, das jeder Gast erhält. Darin finden sich etwa Gratis-Eintritte in die Badi oder vergünstigte öV-Fahrten. Olten Tourismus plant zudem, mit der neuen Einnahmequelle neue Freizeitangebote zu schaffen, etwa in Verbindung mit Literatur. «Ideen sind vorhanden», so Gressbach vielsagend. Eben: Es läuft was im Oltner Tourismus.