Olten
In Olten läuft eine Doppelausstellung der besonderen Art

Am Wochenende wurden im Kunstmuseum gleich zwei Ausstellungen eröffnet. Vielseitige Künstler loten die Grenzen aus und begeistern mit verschiendensten Materialien und Ideen.

Rahel Bühler (Text) undHR. Aeschbacher (fotos)
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Archivmaterial, Fotos, Skizzenbücher, Plakate und Gemälde geben Einblick in die Arbeitswelt von Otto Morach.

Archivmaterial, Fotos, Skizzenbücher, Plakate und Gemälde geben Einblick in die Arbeitswelt von Otto Morach.

Hansruedi Aeschbacher

Gegen 60 Personen fanden sich am frühen Samstagabend im Oltner Kunstmuseum zur Vernissage ein und lauschten gespannt den Worten von Direktorin Dorothee Messmer: «Wir eröffnen heute zwei Ausstellungen, die das Thema Malerei behandeln und somit miteinander verwandt sind.»

Zum einen ist es die Ausstellung der drei Künstler El Frauenfelder, Daniel Karrer und Christian Vetter, die den Namen «Malerei zwischen Raum und Abstraktion» trägt. «Wir haben bewusst Künstler gewählt, die ihren eigenen Weg gehen und sich durch hohe Qualität auszeichnen», erklärt Messmer und ergänzt: «Das Kunstmuseum Olten soll einen Austausch zwischen der Region und dem Rest der Welt fördern.» Zum anderen sind es Wandbildentwürfe vom Solothurner Künstler Otto Morach, der als einer der bedeutendsten Vertreter der Schweizer Moderne gilt.

Vielseitiger Künstler

Über eine Holztreppe mit roten Teppich gelangt der Besucher in das zweite und dritte Obergeschoss des Museums, wo sich die ausgestellten Wandbildentwürfe Otto Morachs befinden. «Es sind um die 40 Entwürfe von 1918 bis 1949 ausgestellt», verrät Katja Herlach, die Kuratorin des Kunstmuseums. Sie stammen alle aus der Sammlung von Hugo Stüdeli, dem Neffen von Otto Morach, der die Entwürfe im Jahre 2014 dem Kunstmuseum als Schenkung überliess.

Die Entwürfe könnten unterschiedlicher nicht sein: grossformatige Plakate, detailgetreue Vorlagen für Mosaike, Gouache über Kohle, Bleistift auf Papier. Darunter sind Fragmente des Entwurfs für ein riesiges Wandbild, das Morach für die Schweizerische Landesausstellung 1939 in Zürich (Landi) kreierte. Es wurde damals im Pavillon «Eisen, Metalle, Maschinen» ausgestellt. Zwischen den vielen grossformatigen und auch kleineren Werken befindet sich ein Entwurf für ein Plakat für die Schönenwerder Schuhfabrik Bally mit der Aufschrift: «Gehe im Bally Schuh».

Die drei ausstellenden Künstler(v. l.) Daniel Karrer; El Frauenfelder und Christian Vetter vor einem Werk von Vetter.

Die drei ausstellenden Künstler(v. l.) Daniel Karrer; El Frauenfelder und Christian Vetter vor einem Werk von Vetter.

Hansruedi Aeschbacher

Zwischen den Entwürfen sind Briefe ausgestellt, die Morach in den 1920er und 1930er Jahren an seinen Freund Arnold Brügger, der selbst auch Künstler war, und seine spätere Ehefrau Hermana Sjövall geschrieben hat. Die Planung, Vorbereitung und Umsetzung dieser Ausstellung habe ungefähr ein Jahr gedauert, erklärt Katja Herlach. Bereits 2013 erhielt das Museum den Gemäldenachlass von Otto Morach. Mit der neuesten Schenkung wächst die Sammlung des Solothurner Künstlers weiter an. «Wir möchten ein Kompetenzzentrum für Otto Morachs Werke werden», bestätigt Herlach.

Ausloten der Grenzen

In den unteren Stockwerken des Museums befinden sich die Werke der Künstler El Frauenfelder, Daniel Karrer und Christian Vetter. Jeder hat zwei Räume zur Verfügung, die er in Zusammenarbeit mit der Direktorin Dorothee Messmer einrichten konnte. «Die Künstler haben ihre Werke selbst mitgebracht und ausgewählt», weiss Messmer. Sie setzen sich alle damit auseinander, was die Malerei in digitalen Zeiten wie heute noch ausrichten kann. «Alle drei spielen mit Raum und Architektur und loten aus, was auf einer Fläche möglich ist», erläutert Dorothee Messmer.

Dies sieht der Betrachter auch: El Frauenfelder aus Zürich zeigt farbige, menschenleere Gebäude oder Landschaften. Sie verwendet Öl-, Sprüh- und Acrylfarben auf Leinwand oder Papier. Daniel Karrer, mit Jahrgang 1983 der jüngste der drei Künstler, gehört zu den Künstlern, die mit dem Internet aufgewachsen sind. Dementsprechend nutzt er auch Bilder aus dem Web, um sie neu zu interpretieren.

Er verbindet geometrische Elemente mit Landschaft und Architektur. Christian Vetters Werke sind oft schwarz-weiss, abstrakt und verlieren das Räumliche. Eine abschliessende Antwort auf die Frage, was Malerei in der heutigen Zeit ausrichten kann, gibt es wohl nicht. Nur eines ist sicher: Totschreiben sollte man sie nicht.

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