Marco Grob, aufgewachsen in Olten, wohnhaft in New York, befindet sich auf der Durchreise. Vorgestern noch war der international gefragte Fotograf in London, gestern in Zürich. Morgen fliegt er weiter nach Kreta. Heute aber macht er Halt in Olten. Wenn er beruflich in Europa zu tun hat, stattet er nach Möglichkeit auch der Heimat einen Besuch ab.

Zum Treffen im «Gryffe» kommt er in Begleitung des Oltner Fotografen Remo Buess. Gemeinsam mit dem Designer Charles Blunier und dem Unternehmer Paul Merki organisieren die beiden diesen Sommer das erste «International Photo Festival Olten». Kein bescheidener Name. Aber Marco Grob, im weissen Kurzarmhemd und mit Lederband am Arm, hat das Tiefstapeln nicht nötig. «Es wird ein bisschen sein, wie wenn man bei Freunden von Freunden in der Küche steht und Bier trinkt», sagt er. Die Freunde von Freunden werden Koryphäen des Fotojournalismus sein. Die «Community», wie Marco Grob sie nennt. Der 52-jährige Starfotograf kennt sie alle.

Warum aber fiel die Wahl auf Olten? «Wir wollten es familiär halten», meint Grob, und sein Blick geht durchs Fenster des «Gryffe». Zürich? Wäre als Schauplatz natürlich auch infrage gekommen. Aber da wären die einzelnen Veranstaltungsorte viel weiter auseinandergelegen. «Auch Olten hat alles, was es für die Organisation eines solchen Festivals braucht», ist er überzeugt. Er macht eine ausladende Handbewegung. «Hier wird sich alles in einem Umkreis von 500 Metern abspielen.» Vorträge im Stadttheater, Workshops im «Abbasso» und im «Astoria». Als «WG-Küche» werde die Vario Bar herhalten. Hier werden die Besucher an einer Portfolio-Review auch ihre eigenen Fotografien beurteilen lassen können. «Das wird unsere offizielle Schaltzentrale sein», sagt er.

Grosse Namen, grosse Bilder: Trailer zum International Photo Festival in Olten

Die soziale Komponente ist für ihn ein wichtiger Teil des Festivals. Wenn nicht sogar der wichtigste: Hört man Grob reden, formt sich der Eindruck, dass das Festival für ihn lediglich ein Vorwand ist. Eben: um Freunde zu treffen, Fotografen aus aller Welt. «Ein Freundestreffen mit fremder Beteiligung», bestätigt er lachend. Der Preis dafür: nicht ganz günstig. Grob rechnet mit Gesamtkosten im tieferen sechsstelligen Bereich.

Die Idee sei ihm an einem Nachmittag im Café Ring gekommen, erzählt er. Darauf habe er einige SMS versandt. Und spontane Zusagen erhalten: aus den USA, London, Moskau, Istanbul, Aleppo, Hamburg, Amsterdam. Grob zählt auf: Nick Ut werde am Festival dabei sein, der 1972 das ikonische Bild des nackten Mädchens im Vietnamkrieg schoss. «National Geographic»-Fotograf Cory Richards, der etwa mit Aufnahmen von seinem Mount-Everest-Aufstieg Aufsehen erregte. Oder Celeste Sloman, die unter anderem für die UN fotografiert. Sowie zwölf weitere Fotografen und Bildchefs von Medien wie «National Geographic», «New York Times», «Time Magazine» und «GEO».

Was diese Fotokünstlerinnen und -künstler aus den verschiedensten Sparten verbindet: «Sie sind alle mutig», sagt Grob, die Hände in der Luft. Keiner von ihnen verbiege sich. «Für sie geht es nur um das, was sie tun.» Das hat was Exzessives? «Natürlich. Du kannst nicht leben wie ein Versicherungsvertreter und Arbeit produzieren wie Led Zeppelin.» Und er schiebt nach: «Es wird interessant sein, sie auf die Leute loszulassen und zu sehen, was dabei rauskommt.»

Das Erlebnis für die Besucher sieht Grob insbesondere auch in der persönlichen Komponente. «Man hört die Referenten nicht nur in den Vorträgen, sondern kann sich auch bei einem Bier mit ihnen unterhalten.» Das Schönste, was seiner Meinung nach passieren könnte: «Wenn die Leute nach Hause gehen und eine Woche brauchen, um das Erlebte zu verarbeiten.»

Und kommendes Jahr? Soll das Festival dann erneut stattfinden? «Jetzt ist für jetzt», antwortet Grob schlicht. Er lässt die Hände auf den Tisch sinken. «Wir werden dieses Festival machen, als gäbe es nie mehr eins. Und dann schauen wir weiter.»