Die Band ist auf der Bühne, die Lichter sind an, das Publikum ist bereit, und von irgendwo her ertönt eine Stimme. Doch wo ist der Mann mit dem weissen Hemd und den feschen Hosenträgern? Gemütlich schlendert er durch die Menge, stimmt den ersten Song an und klettert auf die Bühne.

Praktisch schon vom ersten Ton an hat der Luzerner das Oltner Publikum, das an diesem Freitagabend zahlreich ins Kulturzentrum Schützi geströmt war, in der Tasche. Der fröhliche, eingängige Folk mit Gitarre, Mandoline, Schlagzeug und Hackbrett, der ein wenig an die britische Folk-Rock-Band Mumford and Sons erinnert, kommt an: Während des ganzen, insgesamt fast zweistündigen Konzerts – oder auch «Kunzert» genannt – klatschen, tanzen und singen die Zuschauerinnen und Zuschauer begeistert mit.

«Heute ist unser erstes Konzert als Nummer-1-Band», verkündet der Frontmann höchst erfreut zu Beginn und stimmt anschliessend ein Stück von seinem ersten Album an, in welchem es heisst «Settig Momänte, die sötte nie ände».

Tatsächlich, sein neues Album «Mundart-Folk», welches am 2. Oktober veröffentlicht wurde, stieg in der vergangenen Woche auf Platz eins der Schweizer Hitparade ein. Stücke vom neuen Album wie «Ergendöppis liid ede Loft» oder «Perfekt» wechseln sich ab mit älteren Liedern wie «Lüüt so wie mer» oder «Eifach so». Seine Texte handeln von der ersten Liebe, von den vier Jahreszeiten oder von nie aufgegebenen Träumen.

Das meiste ist Gute-Laune-Musik mit Ohrwurmpotenzial. Kurz bevor das Publikum das Gefühl bekommt, dass halt doch alles ein wenig ähnlich tönt, überrascht der Musiker mit ruhigeren Songs wie zum Beispiel «Wurzel», in dem er seine idyllische Kindheit in Mauensee beschreibt, oder mit einem Cover von Mani Matter’s «Sidi Abdel Assar».

Kunz, mit bürgerlichem Namen Marco Kunz, und seine vierköpfige Band sind mit Herzblut und vollem Elan bei der Sache. Auf der Bühne wird gescherzt, gelacht und einmal unternimmt der Bassist einen höchst amüsanten Versuch, Tierstimmen zu imitieren. Dies sehr zur Freude des Publikums, welches sich bunt durchmischt präsentiert: Vom Kindergärtner mit Ohrenschutz über den Cowboy-Hut-Träger bis hin zum Pensionär sind alle dabei.

Nach ungefähr einer Stunde ist es dann so weit. «Olten», das Stück, auf das alle gewartet haben, und welches zu seinen bekanntesten zählt, wird angestimmt. Im Lied geht es um einen Mann, welcher im Zug von Basel nach Olten die Liebe seines Lebens trifft und für sie in die Dreitannenstadt ziehen würde.

Die Konzertbesucherinnen und -besucher singen lauthals mit, Plakate werden hochgehoben und zustimmende Zwischenrufe ertönen. Auch beim kurzen Video, welches im Anschluss gedreht wird, wird kräftig mitgesungen und man ist sich in Olten einig: Nur nach Zürich würde man nie hinziehen. Die Darbietung dieses Stücks kann ohne weiteres als Highlight des Konzerts bezeichnet werden. Und zwar sowohl für Künstler wie auch für Zuhörer.

«Das Stück ‹Olten› hat mir am besten gefallen», erzählt Mia Meng nach dem Konzert begeistert. Der jungen Frau erging es ähnlich wie dem Mann im Lied. Sie ist nämlich auch von Luzern weggezogen. Nach Olten. Für die grosse Liebe.

Auch für Kunz war es ein spezieller Auftritt am Freitagabend, wie er nach dem Konzert und der Autogrammstunde sagt: «Wir hatten sehr viel Spass auf der Bühne, die Zuschauer haben mitgemacht. Es war so, wie man es sich wünscht.» Woran dies gelegen hat, kann der Luzerner nicht sagen. «Vielleicht weil wir einen Song auf unserem Album haben, welcher hier spielt», vermutet er.

Auf die Idee mit diesem Stück ist er übrigens gekommen, weil man Olten vor allem als Bahnhofsstadt, wo viele Pendler umsteigen müssen, kennt. Dabei hat Olten noch viel mehr zu bieten, wie er in Kürze am eigenen Leib erfahren wird. Dann nämlich, wenn er eine ganze Woche in der Dreitannenstadt verbringen wird.