Lostorf
In Lostorf werden in einer Bewegungsjagd fünf Wildschweine erlegt

Die Population von Wildschweinen hat in der Region massiv zugenommen. Die Tiere richten meist beträchtliche Schäden in der Landwirtschaft oder zum Teil auch in privaten Gärten an.

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Die Wildschweinpopulation in der Region hat stark zugenommen

Die Wildschweinpopulation in der Region hat stark zugenommen

Fotalia

Durch die günstigen Lebensbedingungen in den letzten zwei Jahren haben sich die Schwarzwildpopulationen in der Region massiv erhöht. Als Folge dieser erhöhten Wilddichte richten die Wildschweine bei den landwirtschaftlichen Kulturen und zum Teil auch in privaten Gärten oft beträchtliche Flurschäden an, was zwangsläufig zu Konflikten führt.

Alle schimpfen

«Bauern und Jäger schimpfen über die Wildschweine. Der Bauer schimpft, wenn er Schäden an seinen Kulturen erleidet. Der Jäger ist unzufrieden, wenn er diesen Schaden, trotz hohem Einsatz, den Schwarzwildbestand und damit die Schäden zu verringern, zu 50 Prozent zu bezahlen hat», sagt Roland Büttiker vom Hegering Olten-Gösgen-Gäu. Oftmals schiebe der Bauer die Schuld für die hohen Schäden auf die Jäger. Dazu weiss Rolf Renggli, Pächter der Jagdgesellschaft Lostorf: «Die Landwirte erwarten von den Jägern, dass sie Tag und Nacht Wildschweine bejagen.» Weil die meisten Jäger jedoch tagsüber arbeiten, sei ein solches Begehren unmöglich umzusetzen. Pensionierte Jäger jedoch würden einen Grossteil ihrer Freizeit für die Wildsaujagd auf. Renggli nennt etwa Charles Fehlmann, Pächter im Revier Lostorf, der im Jahr 2012 um 1000 Ansitzstunden vorweisen kann.

Ansitzjagd oder Bewegungsjagd?

«Ein jagdliches Mittel – neben der Ansitzjagd – um die Wilddichte auf ein dem Biotop angepasstes Mass zu reduzieren, sind Bewegungsjagden, die mit einer speziell auf Sauen abgerichteten Hundemeute verstärkt werden», führt Roland Büttiker aus. Eine solche Bewegungsjagd ist kürzlich im Revier Lostorf durchgeführt worden. 25 Jäger, 8 Hundeführer und 9 Hunde umstellten das Waldgebiet zwischen Burgweid und Dottenberg im Revier Lostorf. Beim Durchstreifen des Gebietes brachte die Hundemeute zwei Wildsaurotten von je sechs bis acht Tieren in Bewegung. Fünfmal krachten an diesem Tag die Büchsen der Jäger – fünf Wildschweine lagen auf ihrer Schwarte. Bei den erlegten Tieren handelte es sich um Jungtiere mit einem Gewicht von 11,5 bis 29 Kilo.

Auch Landwirte in der Pflicht

Um Wildschäden zu vermeiden, stehe aber nicht nur der Jäger in der Pflicht, sondern auch der Landwirt, betonen die Jäger. Der Landwirt könne helfen, wenn er immer aktuell über Sichtungen, Spuren, Schäden sowie Termine für Aussaat und Ernte rechtzeitig informiert. Zum anderen, indem er seine schadenanfälligen Kulturen durch Elektrozäune schützt. «Die Erfahrung zeigt», erklärt Charles Fehlmann, «dass durch Elektrozäune geschützte Flächen sehr sicher sind.» Leider seien noch nicht alle Kulturen geschützt. Die Jagdgesellschaften bieten zudem ihre Hilfe beim Erstellen der Zäune an. In den Kantonen Baselland und Aargau ist es für den Landwirt Pflicht, seine Kulturen mit einem Elektrozaun zu schützen, da sonst keine Entschädigungen im Falle von Schäden ausbezahlt werden.

Kein «unlösbares Problem»

Ein unlösbares Problem sei die Thematik «Schwarzwild und Wildschäden» nicht. Allerdings könne die momentan angespannte Situation nur durch gemeinsame Aktivitäten aller Beteiligten entschärft werden. Zum einen seien die Jagdgesellschaften mit hohem Wildsaubestand gefordert, Jägern aus Revieren mit wenig Wildschweinbestand die Möglichkeit zu geben in ihrem Revier zu jagen. Auf der anderen Seite seien Jäger aus wildsauarmen Revieren gebeten, diese Jagdgelegenheiten auch wahrzunehmen. An die Landwirte gehe der Appell, die Jäger in ihren Bemühungen zu unterstützen. (rbo)