Highland Games
In Hägendorf weht bei der Qualifikation für die Schweizermeisterschaften ein schottischer Wind

Schweizer Rekorde, urchige Gestalten und spannende Wettkämpfe prägen die Highland-Games Mittelland in Hägendorf.

Rahel Bühler
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Impressionen der Highland Games
25 Bilder
Volle Kraft voraus
Es gab auch einen Mittelaltermarkt
Die Ritter geben sich Saures
Mit Fell und Hornbecher
Bogenschiessen
Bogenschiessen
Bogenschiessen
Impressionen der Highland Games
Auch Ritter auf Pferden kamen zum Einsatz
Vor dem Feuer haben die Pferde überhaupt keine Angst
Mit dem Raubvogel auf dem Arm

Impressionen der Highland Games

Remo Fröhlicher

Passender hätte das Wetter nicht sein können: Knapp 20 Grad, was Schotten aus verlässlicher Quelle schon als «warm» empfinden, Wolken und etwas Wind. Es fehlt bloss noch Mel Gibson, der wie im schottischen Filmklassiker «Braveheart» daherreitet und seine Axt schwingt. Ein wenig in den schottischen Highlands wähnt sich der Besucher schon, wenn er am vergangenen Wochenende der Rinderweid oberhalb von Hägendorf einen Besuch abstattet. Eigensinnige Klänge eines Dudelsackes grüssen bereits beim Eingang, die Luft riecht nach Lagerfeuer und vor Erleichterung strotzende Schreie erfüllen das Gelände.

Der Highland-Games-Sonntag steht ganz im Zeichen der Qualifikation für die Schweizermeisterschaften. Bis morgens um 8.30 Uhr stand die Startliste für alle offen. So kamen 61 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammen, die in vier Kategorien gegen einander antraten. Alle Athleten tragen ein hellblaues T-Shirt und einen Kilt. Entgegen der Legende tragen alle etwas darunter: Entweder sind es Leggins oder kurze Strumpfhosen. Anhand des Kilts erkennt der Laie, wer zu welchem Clan gehört: Black Sheep Highlanders, Claymore Clan, Limmatthaler Low Landers und wie sie alle heissen. Die Kategorien unterscheiden sich durch die Gewichte beziehungsweise durch das Alter. Die Kategorie «Master», war für Athleten über 40 Jahren gedacht, in der «Women»-Gruppe durften nur Frauen an den Start. In der Kategorie «Heavy A» waren die Gewichte schwerer als in «Heavy B».

Ein neuer Schweizer Rekord

Fünf Disziplinen gilt es zu absolvieren: Steinstossen, Gewichtweitwurf, Hammer werfen, Gewichtshochwurf, Baumstammwerfen. Die Frauen müssen dieselben Disziplinen absolvieren. Elf an der Zahl sind es, die an der Qualifikation für die diesjährigen Schweizermeisterschaften, die im Oktober stattfinden werden, teilnehmen. Stefanie Frey ist eine von ihnen. Dass sie aus der Region, genauer gesagt aus Niederbuchsiten kommt, merkt man sofort. «Hopp Steffi», tönt es immer wieder von der mittlerweile gut gefüllten Zuschauertribüne. «Ich habe in den vergangenen Jahren verschiedenste Sportarten ausgeübt», erzählt sie. «Und in keiner anderen war der Zusammenhalt unter den Athleten grösser.» Seit vier Monaten übt sich die 33-Jährige als «Highlander». Einige Zeit später, mittlerweile hat sogar die Sonne ihren Weg durch die Wolken gefunden, scheint dieser Umstand zu überraschen, versucht sie doch, den Schweizer Rekord im Gewichthochwurf zu brechen. Und schafft es auf Anhieb. Sie wirft das 12,7 Kilogramm schwere Gewicht über die Latte von fünf Metern, siegt damit in dieser Disziplin und darf sich neuerdings Schweizer Rekordhalterin nennen.

Ein Deutscher gewinnt die EM

Bereits am Samstag traten insgesamt 14 Athleten gegeneinander an und kämpften in acht verschiedenen Disziplinen um den Europameistertitel in der Kategorie «Lightweight», also dem Leichtgewicht. Das Rennen machte schlussendlich der Deutsche Bruno Ohngemach. Er setzte sich mit einer Rangsumme von 23 Punkten klar gegen seine Konkurrenten durch. Es gewinnt jener Athlet, der am Schluss am wenigsten Punkte auf dem Konto hat.

Nicht zu unterschätzen ist die Anziehungskraft des Mittelaltermarktes, der Ritterspiele und des Bogenschiessens. Alles Aktivitäten, welche parallel zu den Highland-Games stattfinden. Eine junge Frau, mit unverkennbarem Walliserdialekt meint gar, der Mittelaltermarkt sei die Hauptattraktion. Auch der 22-jährige Andreas ist vor allem deswegen aus dem St. Galler Rheintal nach Hägendorf gefahren. Er trägt eine 45 Kilo schwere Ritterrüstung. «Ab 30 Grad wirds da drin furchtbar heiss», meint er lachend. Zusammen mit Kollege Christian ist er Mitglied einer Mittelalter-Guilde und tingelt von Mittelaltermarkt zu Mittelaltermarkt. «Einfach so, als Hobby», wie er sagt.

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