Zehn Uhr am Donnerstagmorgen, vor seinem Restaurant hisst Kayhan Sabo eine weisse Fahne. Kein Symbol, dass er sein Terminus schliessen will, nein, in grossen Lettern wird auf das bevorstehende Jubiläum hingewiesen.

20 Jahre führt Sabo den Betrieb schon, an diesem Wochenende wird gefeiert. Am Donnerstagabend noch etwas ruhig mit Champagner, Freitag und Samstag wirds dann vor allem im Club etwas lauter.

Gastgeber in Reinkultur

Einnehmend ist wohl das richtige Wort, um Sabo in aller Kürze zu beschreiben, denn beim Interviewtermin plaudert er freimütig über Vergangenes, Privates und über das Leben als Gastronom in Olten.

Und ergänzt immer wieder, wie wichtig ihm seine Angestellten und seine Kundschaft sind. Dabei versteht er Gastronomie in ganz traditionellem Sinn, Gastgeber sein ist seine oberste Prämisse.

Darum kellnert der Inhaber noch täglich im Restaurant. «Die Gäste müssen sich wohlfühlen», sagt er. «Und dazu gehören drei Punkte: erstens das Essen, zweitens das Interieur des Lokals und drittens das Personal. Viele machen den Fehler, dass sie nur zwei Punkte abdecken, will man aber bestehen, muss man alles beachten», so Sabo.

Mit einer Kellnerlehre startete 1981 seine Laufbahn in der Gastronomie. Gegen den Willen seines Vaters wohlgemerkt. Doch Sabo setzte sich durch und absolvierte danach die Hotelfachschule in Luzern.

«Finanziert habe ich mir die Ausbildung mit zwei Bars», sagt er. Nach einer KV-Ausbildung inklusive Handelsschule und einem Aufenthalt im Welschland kam er 1995 über persönliche Kontakte zu einer einmaligen Chance; eine Chance, die er, so kann man 20 Jahre später festhalten, genützt hat. Er habe nicht gedacht, dass er es so lange schaffen werde, denn der Anfang war alles andere als leicht.

Mit einer gewissen Arroganz habe er als 30-Jähriger den Platz Olten eingenommen. Mit Musik, die vielerorts (noch) auf taube Ohren stiess. «Wir haben von Anfang an die House-Musik gepusht», sagt er. Das habe nicht allen gepasst, zu festgefahren sei Olten zu dieser Zeit gewesen.

Doch die Strategie, bereits früh mit grossen DJ-Namen aufzuwarten, lockte viele Leute aus der Umgebung nach Olten. «Das kleine Kaufleuten des Mittellands ist es genannt worden», erzählt Sabo.

Oltner geworden und geblieben

Immer wieder spricht Sabo während des Gesprächs sein Gegenüber mit dem Vornamen an. Keineswegs gekünstelt wie bei Versicherungsverkäufern, hier lebt einer seine Gastgeberrolle, auch wenn der Gast nicht zum Essen oder Tanzen da ist.

Man fühlt sich sofort wohl, deshalb auch die hohe Zahl an Stammgästen im Terminus. «Ich bin sehr dankbar, dass viele Gäste seit Jahren zu uns kommen», sagt der heute 50-Jährige, «ohne die treue Kundschaft wären wir heute sicher nicht mehr hier.»

Ob die Gastronomieszene inklusive Clubbing nicht einmal ermüdend sei? «Durchaus», entgegnet er. Gerade für sein nahes Umfeld sei es nicht immer einfach. Ans Aufhören denkt er aber nicht.

«Klar, wenn jemand kommt, von dessen Konzept ich überzeugt bin und der einen guten Preis zahlt, bin ich bereit kürzerzutreten», erklärt Sabo und ergänzt, «aber einfach so verkaufen will ich nicht, es muss schon passen.»

Nicht immer alles gepasst hat im Konzept des Terminus. Die Idee, zuerst gut zu essen und dann im selben Raum nahtlos in eine Party einzutauchen, habe nicht funktioniert.

Etwas, das Knall auf Fall nicht mehr funktionierte, war der Betrieb einer Shisha-Lounge. Nach der Abstimmung zum Rauchverbot musste Sabo umdenken. «Wir kamen zum Schluss, dass alles raus muss und wir etwas Neues machen», erzählt Sabo. Und das Neue ging sozusagen zurück zu den Wurzeln. Gastronomie ergänzend zum Clubbetrieb.

Damit ist das Terminus einer grossen Konkurrenz ausgesetzt, genau gleich wie mit der Eröffnung der Baroque-Bars nebenan. «Das Niveau der Restaurants in Olten ist sehr hoch, doch wir arbeiten mittlerweile sehr gut zusammen.»

Sabo wünschte sich jedoch noch mehr Konkurrenz in Olten. Weniger in der Restaurant- als viel mehr in der Clubszene. «Ich wünschte mir für Olten einen richtigen Aufschwung», erklärt er. Früher sei die Stadt zum Beispiel während der Abendverkäufe richtig belebt gewesen, heute machen nicht einmal mehr alle Läden auf.

«Und auch aus der Pseudo-Flaniermeile könnte man noch viel mehr rausholen», zeigt sich Kayhan Sabo überzeugt. Positiv sei, dass einige innovative Bars hinzugekommen seien, was aber weiter fehlt, sei ein weiterer Club.

Denn mehr Angebot würde auch mehr Leute nach Olten bringen, ist er überzeugt. «Was mich persönlich stört, ist, dass sich die Leute aufregen, wenn, wie momentan in Olten SüdWest, neue Leute nach Olten ziehen und dann nur darüber gesprochen wird, wie unschön das Quartier sei.»

Durch und durch Oltner sei er geworden in den letzten 20 Jahren und nennt auch gleich den Grund: «In keiner Stadt dieser Grösse gibt es so extremen Zusammenhalt wie in Olten.»