Die Baustelle an der Fulenbacherstrasse 40 vermittelt derzeit ein tristes Bild. Vom dreigeschossigen Mehrfamilienhaus mit 12 Wohnungen wurden seit März dieses Jahres zwei Etagen ausgeführt. Mitte August war Schluss, die Baustelle wurde eingestellt und sich selbst überlassen. Der Rohbau aus Holzbau-Fertigelementen wurde in dieser Zeit von unzähligen Regengüssen völlig durchnässt und verkam so zu einer unschönen Bauruine. Viele Leute im Dorf fragen sich inzwischen, wie es weitergehen soll. Muss der Bau wegen Bauschäden abgerissen werden? Warum wurden die Arbeiten eingestellt und was für Pläne hat die Bauherrschaft?

Der verantwortliche Architekt Arnau Taberner von der Gistec Gümligen BE gab auf der Baustelle Auskunft. Mit einem Team von vier Männern, welche mit einem Auto mit rumänischem Nummernschild angereist waren, baute er das Gerüst ab. Dieses sei nicht Suva-konform gewesen. Mit den Papieren der Leute aus Rumänien sei alles in Ordnung, versichert Taberner. «Wir werden das Gerüst nach dem Abbau wieder fachgerecht installieren und mit dem Bau des Mehrfamilienhauses fortfahren.»

«Firma hat uns im Stich gelassen»

Etwa in einem Monat soll ein Dach über das Gebäude gezogen werden, um ein weiteres Voranschreiten der Bauschäden zu verhindern. Solche gibt es gemäss Taberner vor allem im Innenbereich, wo praktisch alle Bauteile aus Holz sowie die Dämmungen ersetzt werden müssen. Die Aussenwände aus Holz könnten hingegen weiter verwendet werden, sie seien Wasser abweisend ausgeführt.

Zum Baustopp Mitte August soll es gekommen sein, weil die mit der Ausführung beauftragte Generalunternehmung, die Vivaco Bau und Immobilien AG mit Sitz in Langenthal, in Konkurs gegangen ist respektive weil die Nachfolgefirma, die Eupico Bau und Immobilien GmbH, Rohrbach, die ihr übertragenen Aufgaben nicht wahrgenommen habe, wie Christian Spycher vonseiten der Bauherrschaft auf Anfrage ausführt.

«Diese Firma hat uns im Stich gelassen», sagte der Inhaber der Ciw AG Gümligen, welche das im März 2010 bewilligte Projekt im Jahr 2011 vom Architekturbüro BF Berger & Frank AG aus Eich LU käuflich erworben hatte. Die Eupico Bau und Immobilien GmbH habe ihm damals vertraglich zugesichert, das Mehrfamilienhaus an der Fulenbacherstrasse bis Ende September fertigzustellen.

Spycher räumt ein, dass derzeit noch von einer Bauruine gesprochen werden könne, dass nun aber alles getan werde, um die bekannten Baumängel möglichst rasch zu beheben. Dass dies möglich sei, hätten Fachleute bestätigt, versichert Spycher.

Noch vier bis fünf Monate

Technisch begleitet werden die Bauarbeiten von der eingangs erwähnten Gistec aus Gümligen, die sich ebenfalls in den Händen von Spycher befindet. Der Geschäftsführer und Verwaltungsratspräsident erklärt dazu, dass ihm quasi nichts anderes übrig geblieben sei, als die Arbeiten mit der Gistec wieder aufzunehmen. Warum aber hat Spycher so lange gewartet, bis er aktiv wurde? «Den ganzen Bau komplett mit Planen abzudecken wäre teurer gewesen als die zu ersetzenden Bauteile», meint Spycher. Zudem habe es viel zum Abklären gegeben, auch wegen der Finanzierung. Diese sei weitgehend sichergestellt. «Wir hoffen, dass die Wohnungen bis Ende April, Anfang Mai bezugsbereit sind.» Es könne aber auch Juni werden.

Wäre schade gewesen

Neuendorfs Baupräsident Max Bürgi ist froh, dass die Gefahr einer Bauruine offenbar gebannt ist. Dass dort nichts mehr geht, habe er vor rund drei Monaten bemerkt. Kurz danach habe die Bauherrschaft aus eigenem Antrieb mit ihm Kontakt aufgenommen und die Baukommission über die neue Situation informiert. «Es wäre wirklich schade gewesen, wenn an einer solch guten Wohnlage ein halb fertiger Bau stehen geblieben wäre.»