Was hat Stadtpräsident Martin Wey auf dem Dach der 25 Meter hohen künftigen SBB-Betriebszentrale zu suchen? Er sucht nicht, er enthüllt. Gemeinsam mit SBB-Betriebsleiter Bruno Stehrenberger reisst er mit einem kräftigen Zug eine Plastikplane runter und gibt damit den Blick auf die frisch angebrachten SBB-Logos frei.

Dieser Akt in luftiger Höhe war ein Programmpunkt der gestrigen Baustellenführung durch die SBB-Betriebszentrale. Dessen Rohbau ist seit Frühjahr abgeschlossen, nun läuft der Ausbau. Terminlich, qualitativ und auch in Bezug auf die Kosten ist die SBB dabei auf Kurs. «Das ist in Anbetracht der Komplexität des Gebäudes und des finanziellen Umfangs von rund 100 Millionen Franken nicht selbstverständlich», sagte der stolze SBB-Betriebsleiter Bruno Stehrenberg gestern vor Projektpartnern und Vertretern der Stadt.

Per Mausklick auf Kurs

Wo heute noch kräftig geschraubt und montiert wird, sollen künftig 350 SBB-Angestellte ihren Arbeitsplatz haben. Das Herzstück der SBB-Betriebszentrale wird der Kommandoraum sein, der im obersten Stock eingerichtet wird. «Hier entstehen rund 100 Arbeitsplätze, jeder mit bis zu acht Bildschirmen ausgestattet», erklärt José Thürler, Projektleiter Betrieb, auf dem Rundgang. Von diesem Kommandoraum aus, der mit seiner auffällig grossen Glasfront sofort ins Auge sticht, soll ab Ende 2014 bis Mitte 2016 schrittweise die Zugverkehrssteuerung in Betrieb genommen werden. Die Zugverkehrsleiter werden von dort aus den kompletten Zugverkehr zwischen Basel, Bern, Brugg und Luzern lenken, wie auch die Zuläufe der beiden Neat-Achsen Gotthard und Lötschberg.

Insgesamt 3000 Weichen und 2900 Signale sollen von der Oltner SBB-Betriebszentrale aus bedient werden – per Mausklick. Die Zugverkehrsleiter wählen auf dem Bildschirm die gewünschte Weiche an. Von den Server-Räumen aus wird die Eingabe via den Leitungsausgängen zur Weiche übermittelt. Die Weiche bewegt sich und meldet ihre neue Lage auf umgekehrtem Weg zurück zum Zugverkehrsleiter. Dabei spielt die Anordnung der Arbeitsplätze eine wichtige Rolle. «Die Kommunikationswege zwischen den Zugverkehrsleitern müssen möglichst kurz ausfallen, damit wir eine höchstmögliche Zugpünktlichkeit gewährleisten können», so Thürler.

Die SBB wollen ihre Kommandozentrale für alle Störfälle gewappnet sehen. Deshalb werden alle betriebswichtigen Komponenten doppelt vorhanden sein. Auch bei Stromausfall soll die Betriebszentrale ihre Arbeit ohne Unterbruch weiterführen können, dafür sollen bei Bedarf vier Generatoren jeweils in der Grösse eines Kleinbusses sorgen. «Und wenn doch was schief läuft und ein Zug Verspätung haben sollte, geben wir der Zürcher Betriebszentrale die Schuld», so Stapi Wey lakonisch. Er zeigte sich begeistert von der Betriebszentrale und bezeichnete sie gar als «Prachtbau».