Olten
In der Stadt gibts bald einen Wochenmarkt der etwas anderen Art

Unter dem Namen «Marktschwärmerei» soll bald ein Abholmarkt für regionale Erzeugnisse entstehen. Die Kunden bestellen und bezahlen vorgängig und können ihre Ware dann in einem Zeitfenster an einem Ort in Olten abholen gehen.

Sarah Kunz
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Bild eines Abholmarkts, einer sogenannten «Marktschwärmerei», in Zürich. Bald soll es das Konzept auch in Olten geben.

Bild eines Abholmarkts, einer sogenannten «Marktschwärmerei», in Zürich. Bald soll es das Konzept auch in Olten geben.

Zur Verfügung gestellt

Wer sich heutzutage bewusster ernähren will, setzt sich vermehrt mit Herkunft und Qualität seiner Lebensmittel auseinander. Die Bewegung um bewusste Ernährung liegt nicht nur im Trend, sondern das Angebot wächst auch rasant.

Eines davon gibt es bald in Olten. Es ist ein Wochenmarkt der etwas anderen Art. Statt erst vor Ort die gewünschten Produkte auszuwählen und dann zu bezahlen, läuft die Bestellung und Bezahlung online über eine Internetplattform ab, abgeholt wird die Ware aber an Marktständen in einem normalerweise zweistündigen Zeitfenster.

Spontane Einkäufe wie an einem herkömmlichen Wochenmarkt sind so allerdings nicht mehr möglich. Das Konzept, das ursprünglich aus Frankreich stammt (siehe Box) nennt sich «Marktschwärmerei». Es bietet vor allem Vorteile für die Produzenten: Sie liefern nur, was die Kunden vorab bestellt und bezahlt haben und müssen nicht stundenlang auf Kunden warten. Das Angebot kann je nach Jahreszeit und Menge variieren, auch den Preis legen die Produzenten selbst fest.

Das Konzept stammt aus Frankreich

Die Idee stammt ursprünglich aus Frankreich, wo das Unternehmen den Namen «La Ruche qui dit Oui» trägt. Dieses wurde im Jahr 2011 gegründet und ist ein sogenanntes Social-Startup. Die Idee dahinter ist, die Existenz von regionalen Marktverkäufern zu sichern und sie mit städtischen Kunden zu verbinden. Jeder kann einen Markt organisieren: Die Organisatoren, welche die Anlässe planen, laden umliegende Produzenten ein, starten den Event auf der Internetplattform und organisieren die wöchentlichen Verkäufe. Die Käufer können sich an bis zu drei Schwärmereien anmelden, die dortigen Produkte ansehen, bestellen und sogleich online bezahlen. Die Ware müssen die Kunden dann an den wöchentlichen Märkten nur noch abholen und können da mit den Lieferanten in Kontakt treten. Von den Einnahmen gehen 80 Prozent an die Produzenten. Jeweils zehn Prozent werden für die Organisatoren und für die Plattform und das Marktschwärme-Team abgezogen, welches aus rund 100 Mitarbeitern, verteilt auf 11 Büros in ganz Europa, besteht. Zwei davon befinden sich in Zürich und Genf. Von den gesamthaft über 1000 Standorten in ganz Europa, sind 24 in der ganzen Schweiz im Aufbau.

Nicht als Konkurrenz gedacht

Das neue Marktkonzept soll keine Konkurrenz für die beiden bereits vorhandenen Wochenmärkte in Olten sein. Die gleichen Produzenten dürfen nach wie vor an den bestehenden Märkten verkaufen. «Wir setzen uns ja alle für die gleiche Sache ein», sagt Cäcilia Schwegler, Netzwerkkoordinatorin für die Schweiz. Alle Märkte hätten das gleiche Ziel: regionale und saisonale Produkte für eine gesunde Lebensweise anzubieten. Weil die Produzenten nur jene Ware zur Verfügung stellen, die bestellt wurde, entstehe an den Märkten kein Foodwaste und die Lebensmittelfrische sei gewährleistet, sagt Schwegler.

Das Unternehmen, welches sich in den beiden Nachbarländern Frankreich und Deutschland bereits grosser Beliebtheit erfreut, ist seit knapp einem Jahr auch in der Schweiz. Bald gibts das Konzept auch in Olten. Organisatorin ist hier Fernanda De Meira Lins, die vor fünf Jahren eine schwere Krankheit hatte. Danach befasste sie sich vermehrt mit der Umwelt und ihrer persönlichen Lebenseinstellung. «Ich fragte mich plötzlich, was wir da überhaupt zu uns nehmen», erzählt die gebürtige Brasilianerin. Von da an kaufte Lins vermehrt regional ein, achtete auf saisonale Produkte und setzte sich für eine umweltschonendere Produktion ein. Mit dem neuen Konzept der Marktschwärmerei entdeckte sie einen Weg, ihre neue Lebenseinstellung mit anderen zu teilen.

Produzenten werden gesucht

Momentan ist Lins noch auf der Suche nach Produzenten und Kunden. Von ihnen hängt die Eröffnung der Marktschwärmerei Ende August in Olten nämlich ab. Mit Besuchen bei den Produzenten will die Organisatorin sicherstellen, dass nur hochwertige Produkte vertrieben werden. Als Produzenten kommen unter anderem Bauern, Bäcker oder Imker infrage. Zudem haben sich bisher nur wenige Kunden definitiv angemeldet, sagt Lins. «Die Leute wissen einfach noch zu wenig über die Sache», vermutet die Organisatorin.

Der Standort und der Wochentag der Oltner Marktschwärmerei sind nämlich noch nicht bekannt. Lins ist jedoch zuversichtlich, dass sich noch mehr Interessenten für den Wochenmarkt in Olten melden werden, sobald beides festgelegt ist. Ihr Umfeld fände die Idee durchaus interessant und vor allem die kollegiale Zusammenkunft werde geschätzt. Auch die Zusammenarbeit zwischen Organisatoren und dem Marktschwärmer-Team ist eng und freundschaftlich. Wer der Oltner Marktschwärmerei als Kunde beitreten will, kann sich auf https://marktschwaermer.ch anmelden.