Wer kein Baufachmann ist, für wen der direkte Aarezugang nicht das erstrebenswerteste Ziel im Leben darstellt, und wer nicht immer über Grundstücke parlieren will, die weder ihm, ihr noch der öffentlichen Hand gehören – der hatte es an der Podiumsdiskussion in der Oltner Schützi nicht nur einfach.

Zehn Stadtratskandidierende als Protagonisten fanden vor knapp 90 Gästen nie den Rank, das von den Organisatoren wohl etwas eng gesteckte Themenkorsett zu sprengen. Kultur, Bildung, die Nutzung des öffentlichen Raumes oder etwa die Immobilienpolitik der Stadt blieben praktisch aussen vor. Ein thematischer Ausbruch, ein mutiger Befreiungsschlag der Kandidierenden, hätte den Abend durchaus bereichert.

Kein Mangel an Vorbildern

Immerhin: Bereichernd waren auf jeden Fall die politischen Vorbilder der Hauptdarsteller. Bis auf jenes von Simon Gomm, der gar keines kennt. Nelson Mandela (Benvenuto Savoldelli), Cecile Bühlmann (Iris Schelbert), Willi Ritschard (Thomas Marbet), Hedi Lang (Beatrice Schaffner), Tony Blair (Thomas Rauch), Adolf Ogi (Ursula Rüegg), Philipp Schumacher (Marion Rauber) und Cornelia Füeg (Monique Rudolf von Rohr): Der Reigen präsentierte sich bunt, ehe sich das Podium an zeitgenössische Stadtfragen wagte.

Steuererhöhungen, ja oder nein? Und falls ja: Unter welchen Bedingungen und wofür? Fazit: Derzeit sieht niemand einen erhöhten Mittelbedarf. Zehn bis zwölf Millionen Franken liessen sich jährlich investieren, sagte der aktuelle Finanzdirektor Savoldelli, der einen stringenten Sparkurs nicht mehr für dringlich erachtet. Die Möglichkeit zweckgebundener Steuererhöhungen sahen etwa Stadtpräsident Martin Wey und Monique Rudolf von Rohr, während sich Thomas Rauch und Beatrice Schaffner für alternative beziehungsweise neue Finanzierungsformen starkmachten: Zusammenarbeit mit privaten Partnern etwa; das meist salopp formulierte «ppp» steht für Public-Private-Partnership und meint die vertraglich geregelte Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Unternehmen der Privatwirtschaft in einer Zweckgesellschaft.

Diese Anregung Rauchs veranlasste Stadträtin Iris Schelbert zur eher flapsigen Bemerkung «p-p-p-Pippifax», worauf sich die Diskussion erschöpfend um angeblich veraltete und verkrustete Finanzierungsformen im halt wenig innovativen Geiste des Stadtrates zu drehen begann – bis Marbet der Sache ein Ende bereitete. «In den meisten Fällen zieht die öffentliche Hand bei solchen Partnerschaften – exgüsi – die Arschkarte.» Erfrischend übrigens die Bemerkung Marion Raubers in diesem Zusammenhang, wie sie denn zu «ppp» stehe. «Da bin ich, ehrlich gesagt, überfragt.» Eine Antwort, wie später im Publikum ergründet, die in ihrer Ehrlichkeit sehr positiv aufgenommen wurde. «So sind eben Frauen», sagte eine Zuhörerin.

Kritischer Rückblick

Es geht in Oltens politischer Agenda stets auch darum, Rückblick zu halten und verpassten Chancen nicht nur, aber halt auch nachzutrauern. Stichworte: Olten SüdWest (OSW), Winkelunterführung, Andaare. Das war auch am Podium nicht anders und ging so weit, dass eingeholte Stimmen aus dem Publikum nach der Veranstaltung davon sprachen, es sei etwas gar viel von «gestern» und viel «von wenig konkretisierten Visionen» die Rede gewesen. Bauen jedenfalls blieb auf der Podiumsagenda. Die Frage, so Ursula Rüegg, sei bloss: Welches Projekt nützt den meisten Leuten am meisten? Stichworte wie Bahnhofplatz, Schulhausneubau oder Stadteilverbindung Hammer fielen.

Allesamt unbestritten, allenfalls mit optionaler Ergänzung durch den Ausbau Rötzmatttunnel anstelle der Stadtteilverbindung Hammer. Aber wie priorisieren? Marbet mochte auch auf den Werterhalt bestehender Infrastruktur setzen (Stichwort: Badi). Iris Schelbert gab sich hin und her gerissen zwischen neuem Schulhaus und der Stadtteilverbindung Hammer. An der Frage nach der Dringlichkeit just jener Stadtteilverbindung schieden sich die Geister. Neben den vier amtierenden Stadträten votierte eigentlich nur noch Marion Rauber dezidiert für deren rasche Umsetzung. Andere wollten mehr oder minder abwarten, was in OSW geschehen möge. Gemäss Wey soll dort etwas Ähnliches entstehen wie das Vauban-Quartier im deutschen Freiburg mit rund 6000 Einwohnern.

Revitalisierte Sportstättenplanung

Weniger einheitlich war das Bild hinsichtlich der Sportstättenplanung in OSW, ein Thema, welches in den letzten Wochen wieder lanciert worden war. Langfristig für Savoldelli eine Option, nicht aber für Marbet, der in diesem Zusammenhang von möglicher Wertvernichtung sprach. Rauch gab zu verstehen, der Boden gehöre ja gar nicht der Stadt, und Monique Rudolf von Rohr entgegnete: «Visionen darf man haben.»

Grundsätzlich wenig anfangen konnte Gomm mit der Thematik: das sei doch letztlich bloss ein Stimmenfänger im Wahlkampf.

Treten an Ort gabs auch rund um die Winkelunterführung, deren Kauf von niemandem wirklich mit Überzeugung favorisiert wurde. «Zehn Millionen für ein Velofahrrecht: Das ist mir zu viel», gab Marbet zu verstehen. «Allenfalls könnte eine Erhöhung der Nutzung dazu führen, dass der Teileigentümer der Unterführung seinen Teil der Stadt überlässt», mutmasste Rauch, der auch zum einst an der Urne angenommenen Projekt Andaare dezidiert seine Meinung vertrat: «Es darf nicht in der Schublade verschwinden.»

Dass Andaare noch längst nicht vergessen ist, zeigte sich auch am Umstand, dass der Ländiweg in den Augen vieler Podiumsteilnehmer durchaus einer Attraktivierung bedarf. Marion Rauber wünschte sich eine Buvette, Simon Gomm einen wirklichen Aarezugang, der diesen Namen auch verdient. Der Hinweis aus dem Stadtrat, dass bei der Sanierung Bahnhofplatz viele Elemente aus Andaare einfliessen, überzeugte nicht so richtig. Man wollte die Stadt bezüglich Realisierung in der Pflicht sehen, auch wenn Marbet argumentierte, das seinerzeitige Ja an der Urne habe der Exekutive eine Ausgabenkompetenz erteilt, diese aber nicht zur Ausführung des Projekts verpflichtet.

Die Veranstaltung, organisiert von Radio 32 und dem Oltner Tagblatt, wurde moderiert von Andreas Hagmann (Radio 32), dem stellvertretenden Chefredaktor Fabian Muster (OT) und Janine Gloor (OT).