Die Stadt Olten hat wahrlich nicht Geld wie Heu. Dafür aber «schwimmt» sie im Vergleich zu anderen Städten in Bäumen. Gemäss Berechnungen von Margrith Göldi Hofbauer, die am Mittwoch im Kunstmuseum über Stadtbäume referierte, kommen in Zürich auf einen Einwohner 2,5 Bäume, hier sinds stolze 11,5 – eine bäumige Angelegenheit.

Wie auch die bis zum 9. Juni laufende Aktion «Bäume bewegen»: Oltner können in die Rolle des Gärtners schlüpfen und jeweils von 13 bis 21 Uhr zehn Gewächse auf Rädern durch die Kirchgasse schieben. «Olten ist eindeutig bäumiger als Zürich», sagte Göldi Hofbauer schmunzelnd. Die Projektleiterin der Dienstabteilung Grün Stadt Zürich beackert mit einem 500-köpfigen Team 4400 Hektare, was heuer mit 70 Millionen Franken in der Stadtkasse zu Buche schlägt – ja, in Zürich herrschen andere Dimensionen.

Beitrag zur Lebensqualität

Egal ob Gross- oder Kleinstadt: Der Nutzen von Bäumen ist für beide zweifelsohne vorhanden. So polieren sie etwa das Image auf: «Durchgrünte Städte mischen beim Städteranking oft vorne mit, was auch auf Zürich zutrifft. Denn Bäume tragen viel zur Lebensqualität bei», zeigte Göldi Hofbauer auf.

Neben der ästhetischen Komponente existiert auch eine gesundheitliche; Bäume würden den Genesungsprozess beschleunigen, Stress abbauen und aufgrund ihrer grünen Laubfarbe ausgleichend und beruhigend wirken, erklärte die Spezialistin. Zudem vermindern sie die Schadstoffkonzentration in der Luft – ein für Städte bedeutender Faktor. «Jedoch sind nicht alle Bäume gleich. Solche mit flachen, breiten Blättern sind bei Stickoxiden wirksam, Nadelbäume bei Feinstaub.»

Deshalb sei es wichtig, auf einen vielfältigen Baumbestand zu setzen, ergänzte Göldi Hofbauer. In der von ihr als «baumfeindlich» bezeichneten Stadtumgebung eine echte Herausforderung: Beschränkter Platz, ein wärmeres und trockeneres Klima, sowie menschliche Aktivitäten (salzen etc.) setzten den Pflanzen zu. «Die Lebensdauer von Bäumen beträgt 300 bis 1000 Jahre. Bei Stadtbäumen allerdings wird sie lediglich auf 40 bis 50 Jahre beziffert.»

Zürich setzt auf Alleenkonzept

Trotz der Schwierigkeiten ist die Stadt Zürich darum bemüht, den Baumbestand aufzustocken – 1991 rief der Stadtrat eigens dafür das Alleenkonzept ins Leben. «In den 60er- und 70er-Jahren führten viele Strassenausbauten zu einem regen Baumfällen», warf Göldi Hofbauer einen Blick zurück. Grün Stadt Zürich soll mit dem Konzept, das Stand 2010 rund 460 Kilometer Baumreihen beinhaltet, wieder vermehrt grüne Oasen schaffen; davon bestehen 310 Kilometer bereits, deren 150 sind noch geplant. «Um die Zielzahl zu erreichen, werden noch drei Generationen daran arbeiten.»

Seien früher vor allem ästhetische Aspekte im Vordergrund gestanden, würden heute klimatechnische Elemente dem Projekt zugrunde liegen: «Das Zürcher Zentrumsgebiet ist eine Wärmeinsel», verwies Göldi Hofbauer auf eine entsprechende Karte. Diesem Umstand wolle man mit Bäumen in Innenhöfen und im Strassenraum entgegenwirken. – Bäume als natürliche Klimaanlage also.

Angesichts der beeindruckenden Multifunktionalität der grünen Riesen kommt es für Göldi Hofbauer nicht infrage, bei diesen zu sparen. «Bäume», betonte sie, «sind eine Investition in die Zukunft.» Ins gleiche Horn blies Rolf Furrer, Präsident der Baukommission Olten, der sein Unverständnis kundtat, dass an der Tannwaldstrasse keine Bäume gesetzt würden. «Haben wir die falschen Gestalter oder werden wir falsch beraten?», warf er eine Frage in die Runde. Eine andere Stimme aus dem Publikum griff den Ball auf und ergänzte: «Die Planer wohnen nicht hier und betrachten das Ganze nur aus gestalterischer Sicht.» Der Wohlfühlfaktor jedoch bleibe auf der Strecke.

Oltner werden zu Planern

Zumindest am Mittwoch aber durften just die Oltner einmal Planer spielen. «Die Behörden hegten im Vorfeld wohl den Verdacht, man führe mit der Aktion einen ‹Begrünungsanschlag› in der Stadt durch», sagte Stadtgespräche-Präsident Daniel Schneider mit ironischem Unterton. – Gänzlich unsympathisch wäre es jedenfalls nicht.