Kantonsspital Olten
In Babyklappe gelegt: Oltner Stadtpräsident gab dem Mädchen einen Namen

Am Sonntagabend ist zum ersten Mal ein Säugling ins Babyfenster des Kantonsspitals Olten gelegt worden. Das Mädchen ist erst einige Tage alt, gesund und bleibt für weitere Abklärungen vorerst im Spital. Martin Wey fungierte als Namensgeber.

Urs Huber
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Babyfenster beim Kantonsspital Olten

Babyfenster beim Kantonsspital Olten

Bruno Kissling

Das Mädchen wurde um 23.30 Uhr ins seit Juni 2013 bestehende Babyfenster gelegt, wie die Solothurner Spitäler AG (soH) am Montag mitteilte. Damit wurde erstmals ein Neugeborenes anonym ins Babyfenster gelegt.

Die Zeit der Platzierung lässt sich darum exakt bestimmen, weil vier Minuten nach der Betätigung der Klappe ein Alarm anschlägt, wie Gudrun Hochberger, Direktorin Pflege soH, auf Anfrage erklärte.

Die Zeitspanne zwischen Platzierung und Alarmauslösung ist so veranschlagt, dass die Platzierung des Neugebornen anonym geschehen kann. «Wir sind ja nicht die Polizei», so Gudrun Hochberger. Seit 13 Monaten steht das Babyfenster im Kantonsspital Olten zur Verfügung und wurde nun am vergangenen Sonntag erstmals benutzt.

Mutter kann sich melden

Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) Olten-Gösgen wurde informiert. Ein Vormund wird nun die Rechte und Pflichten übernehmen, wie sie im üblichen Fall den Eltern eines Kindes obliegen. Insbesondere wird darauf geachtet, die Privatsphäre des Mädchens zu wahren.

Die Mutter des Kindes kann sich bei der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Olten-Gösgen in Olten oder bei der Stiftung schweizerische Hilfe für Mutter und Kind (SHMK) melden. Es wird ihr absolute Diskretion und unbürokratische Hilfestellung zugesichert, um für sie und das Kind die beste Lösung zu finden.

Angebot für Extremsituation

Das Babyfenster in Olten ist ein gemeinsames Projekt der Solothurner Spitäler AG und der Stiftung schweizerische Hilfe für Mutter und Kind (SHMK). Die SHMK leistet Beratung und Direkthilfe an Frauen, Paare und Familien, die durch Schwangerschaft oder Geburt eines Kindes in Not geraten.

Das Babyfenster wurde als ein Hilfsangebot für extreme Situationen eingerichtet. Es soll helfen, eine Kindstötung oder Kindesaussetzung zu verhindern. Wenn sich eine Mutter in einer ausweglosen Lage befindet, hat sie mit dem Babyfenster die Möglichkeit, ihr Kind anonym in sichere Hände zu übergeben.

Falls sich die Mutter nicht meldet oder falls sie sich meldet und das Kind zur Adoption freigibt, ist eine Adoption nach einem Jahr durch die künftigen Eltern möglich.

Stadtpräsident gab Namen

Oltens Stadtpräsident tritt in solchen Fällen übrigens als Namensgeber des Kindes auf und bestimmt Vor- wie Familienname. «Der Akt ist bereits vollzogen», sagt Stadtpräsident Martin Wey. Den Namen kann er natürlich nicht verraten; aber das Kind ist Oltner Bürgerin und konfessionslos; so will es die Regel.Sech

Mindestens sechs Babyfenster

In der Schweiz gibt es mittlerweile mindestens sechs Babyfenster, nämlich in Olten, Einsiedeln SZ, Bern, Davos GR, Zollikon ZH und Bellinzona. Im Babyfenster von Einsiedeln, das 2001 als erstes in Betrieb genommen wurde, sind bisher neun Kinder anonym abgegeben worden. Auch in das im vergangenen Herbst eröffneten Fenster in Bern wurde bereits ein Baby gelegt.