Stadttheater Olten
In aller Schlichtheit inszeniert – und grossartig

Die Inszenierung von Yasmine Rezas Komödie «Kunst» im Stadttheater Olten war ein Glücksfall.

Isabel Hempen
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Serge, Yvan und Marc in Yasmina Rezas Komödie «Kunst».

Serge, Yvan und Marc in Yasmina Rezas Komödie «Kunst».

Markus Müller

Eine puristische Inszenierung muss im Theater richtig gut sein: Wo aufs Wesentliche reduziert wird, lässt sich fehlende Substanz nämlich kaum kaschieren. Nun zeigte das Oltner Stadttheater die in aller Schlichtheit inszenierte Komödie «Kunst» der französischen Autorin Yasmina Reza – und ja, sie war richtig gut. Mehr noch: Sie war grossartig.

Kunstvolle Kulisse

«Kunst» ist ein leichtfüssiges Dreimannstück, das jedoch tief blicken lässt: Serge kauft sich ein «weisses Ölgemälde mit weissen Streifen» – zum astronomischen Preis von 200'000 Francs. Sein Freund Marc lacht ihn aus und findet ein einziges Wort für das weisse Ding: «Scheisse». Wohingegen Yvan, der wankelmütige Freund der beiden, sich nicht recht entscheiden kann, auf wessen Seite er sich schlagen soll. Das Kunstwerk stellt die Freundschaft der drei Männer auf die Probe.

Für Regie und Raum zeichnete Fred Berndt verantwortlich. Ein Meister seines Fachs, denn hier stimmte einfach alles. Angefangen bei der Kleidung: Serge in Weiss, Antipode Marc in Schwarz, und der gutmütige Yvan, der in seiner Geschmacklosigkeit völlig aus der Reihe tanzt, im orangefarbenen Hawaiihemd. Die Rollen verkörperten gekonnt und im dynamischen Wechselspiel Luc Feit (Serge) Leonard Lasink (Marc) und Heinrich Schafmeister (Yvan).

Einen besonderen Blickfang bot die Kulisse: Drei weisse Designerstühle und zwei weisse Wände stellten abwechselnd die Wohnung eines der drei Männer dar. Der Clou: Die transparente weisse Rückwand changierte zwischen Türkis, Ultramarin und Orange, je nachdem, ob nun gerade Serge, Marc oder Yvan im Mittelpunkt stand. Ein mimetischer Trick, der in der Gesamtbetrachtung wirkte wie Kunst in der Kunst.

Und dann war die ganze Szenerie eben sehr puristisch gehalten, keine Spur von Klimbim. Eine schöne Dreingabe, denn die 1994 in Paris uraufgeführte Komödie wirkte auch im Oltner Stadttheater stilecht französisch: klassisch chic und ohne Chichi. Luftige Jazzklänge unterstrichen diesen Eindruck.

Sinn und Unsinn von Kunst

Mit «Kunst» gelang Yasmina Reza ein Welterfolg. Das Stück handelt vordergründig vom Sinn und Unsinn der Kunst. Auf einer tieferen Ebene indes tritt zutage, nicht wie die Männer das Kunstwerk sehen, sondern wie jeder der drei die beiden anderen sieht. Die weisse Leinwand fungiert da lediglich als Reflektor der Gefühle. Diese treffen ihre Adressaten voll – und die Emotionen gehen hoch.

Nicht zufällig hat Serge ein Werk des römischen Stoikers Seneca rumliegen – als die Männer das teure Kunstwerk schlussendlich mit einem roten Marker verunstalten, kommt auch der Zuschauer zur Einsicht: Vielleicht liegt die Kunst darin, Kunst – und sich selbst – nicht zu ernst zu nehmen.