Der Männerchor Liederkranz Hägendorf lädt alle zwei Jahre zu einem Frühlingskonzert ein. Den heurigen Unterhaltungsabend stellte er unter das Motto «In 80 Minuten um die Welt», angelehnt an Jules Vernes fantastischen Roman über die Wettfahrt des Phileas Fogg in achtzig Tagen um die Erde. Die dreissig Hägendorfer Sänger unter der Leitung von Robbert van Steijn schafften diese Minutenvorgabe zwar nicht, allerdings liessen sich die Zuhörerinnen und Zuhörer im praktisch ausverkauften Saal die Zeitüberschreitung noch so gerne gefallen. Mehr noch: Sie erhoben sich zum Schluss des Konzerts von den Stühlen, um mit kräftigen Applaus eine weitere Zugabe zu verlangen. Natürlich gewährte der gut aufgestellte Chor eine solche und stimmte das Seemannslied «Heut’ gehts an Bord, morgen schon fort» ein weiteres Mal an. Damit wählte er das Auftaktstück aus dem zweiten Teil des Abends.

Das Programm des Frühlingskonzerts war in zwei Teile geschieden. Die erste Etappe der gesanglichen Reise umfasste Lieder aus aller Welt. Mit dem alten Volkslied «Vreneli ab em Guggisberg» startete der Liederkranz in der Schweiz und besuchte anschliessend Bella Italia, um daraufhin nach Afrika und Amerika überzusetzen. Beim «Jambo» aus Kenia übernahm der Dirigent Robbert van Steijn zusätzlich den Part des Vorsängers, auf dessen Strophe der Chor im Wechselgesang antwortete. Nach den lateinamerikanischen Ohrwürmern «Cuando caliente el sol» und «Cielito Lindo» sowie dem Song «O Susanna», wo Präsident Peter Moser als Solist agierte, und der witzigen «Diplomatenjagd» kehrte der Chor mit dem Mundarthit «Louenesee» von Span in die Heimat zurück.

Kostümwechsel nach der Pause

Nach der Pause wechselten die Tenöre und Bässe mit dem Stil auch das Kostüm. Die von Moderator Mige Stalder angesagten Seemannslieder im weitesten Sinn trugen sie nun in Matrosenuniformen vor. Für dieses Programm liessen sie sich vom Instrumentaltrio Matzogamblers begleiten. Kapitän Robbert van Steijn, unschwer als Sohn einer Seefahrernation zu erkennen, steuerte seine Mannschaft sicher über Wellen und Meer an Inseln und Strand. Mit rassigen Sea Shanties wie «Heut’ gehts an Bord, morgen schon fort», «Wir lagern vor Madagaskar» und «Rolling Home» oder auch langsameren Sonnenuntergangsliedern wie «Es löscht das Meer» und Harry Belafontes «Island In The Sun» brachte der Liederkranz ein abwechslungsreiches Programm auf die Bühne. Beim «Hamburger Veermaster» intonierte Freddy Bitsch sein Bass-Solo, während beim schottischen Folksong «My Bonnie Is Over The Ocean» gleich der ganze Saal einstimmte. Dieser Song bildete auch den Abschluss des Programms. Zurecht konnte der Chor, der sich zum ersten Mal unter der Leitung des neuen Dirigenten Robbet van Steijn präsentierte, grossen Applaus einheimsen. Als Spezialgast trat zwischen den Gesangsblöcken die Mundharmonika-Gruppe «3 Veteranos» auf.

Während des Auftritts waren jeweils Dias mit zu den Liedern passenden Bildern auf die Rückwand de Bühne projiziert. Und im Programmheft zeigten sich die Mitglieder des Männerchors Liederkranz im Gruppenbild, ergänzt mit der Sentenz: «Nur wer nichts, tut macht keine Fehler».

Perfekte Balance der Stimmen

So hat das Hägendorfer Gesangensemble Anrecht auf ein Feedback aus dem Parkett. Ein Risiko ist immer, sich von einer Band musikalisch unterstützen zu lassen. Die elektronisch verstärkten E-Pianos tendieren zu überschwänglicher Lautstärke und drohen selbst mehr als zwei Dutzend menschliche Stimmen zu dominieren. Paradoxerweise war das Schlagzeug, ein an sich lautes Instrument, deutlich zurückhaltender. Trotzdem, obwohl nur leise gespielt, verstärkte es schwingend die exotischen Rhythmen der Gesangsstücke. Generell war der Chor am stärksten im ersten Teil, wo er die Lieder auswendig sang. Nicht nur ist der Kontakt zum Publikum unmittelbar und die Ausstrahlung einnehmend. Zudem schleichen sich keine Abstriche in der gesanglichen Präzision und der Aussprache ein. Abgesehen davon kann die Qualität des Liederkranzes nicht genügend hervorgehoben werden. In seinem ersten öffentlichen Auftritt mit dem Chor verstand es der Dirigent van Steijn, einen hervorragenden Gesamtklang zu formen und die vier Stimmen in eine perfekte Balance zu bringen. Gleichzeitig gelang es ihm bestens, die Dynamik der Register so zu dosieren, dass die führende Melodiestimme sich auf einem zurückhaltenden Teppich der Begleitharmonien entfalten konnte. Dies zum absoluten Gewinn an Hörgenuss für das Publikum.