Raum Olten
Im Wald wird's eng: Biker im Clinch mit anderen Waldnutzern

Immer mehr Menschen begeben sich in den Wald – vermehrt auch Mountainbiker. Um Spannungen und Schäden an Flora und Fauna zu vermeiden, schlagen Kantonsräte gar Ranger-Einsätze vor.

Jocelyn Daloz
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Biker benutzen nicht nur Bike-Trails, wie hier am Uetliberg, sondern oft auch Wanderwege: Dort kommen sie Wanderern in die Quere. Schweizweit gilt es nun, eine friedliche Koexistenz zwischen allen Nutzenden des Waldes zu sichern.

Biker benutzen nicht nur Bike-Trails, wie hier am Uetliberg, sondern oft auch Wanderwege: Dort kommen sie Wanderern in die Quere. Schweizweit gilt es nun, eine friedliche Koexistenz zwischen allen Nutzenden des Waldes zu sichern.

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In Kürze:

- Der Wald ist als Erholungsort immer beliebter

- Die Tendenz hat sich in der Coronakrise noch verstärkt

- Einzelne Mountainbiker insbesondere sorgen für Konfliktpotenzial mit Wanderer, Naturschützer und Förster

- Die Rechtslage ist unklar: eigentlich herrscht Fahrverbot

- Eine Interpellation will prüfen, ob der Kanton strikter durchgreifen kann oder soll.

Die Tendenz hat sich während der Coronakrise deutlich verstärkt: Schweizweit berichten Medien von vollen Parkplätzen an beliebten Wanderorten und vom Andrang auf den Wanderwegen. Im Raum Olten bestätigen Förster und Jagdaufseher, dass die Wälder vermehrt als Erholungsort genutzt werden: «Es hat deutlich mehr Leute als sonst im Wald», sagt Veronika Röthlisberger, die den Forstkreis Olten-Gäu leitet.

Immer mehr Biker im Wald

Dabei handelt es sich nicht nur Wanderer, Hundehalter oder Grillenthusiasten. Sondern vermehrt auch um Biker, deren Gefährte teilweise von ihren Elektromotoren angetrieben werden. «Es ist eine extrem beliebte Sportart. Mit den neuen Elektrobikes ist diese Gruppe noch grösser geworden», sagt Jakob Römer vom Forstrevier Untergäu. Gemäss Römer ist das ein «heikles Thema».

Zwar anerkennt er auch die Berechtigung dieser Gruppe, den Wald als Freizeit- und Erholungsort zu nutzen. Und Veronika Röthlisberger ist gleicher Meinung: «Grundsätzlich ist es positiv, wenn Leute sich draussen bewegen.»

Wälder haben auch Eigentümer

Die Mehrheit der Waldnutzer würden sich gemäss Georg Nussbaumer vom Revier Hauenstein auch verantwortungsvoll verhalten; aber durch die allgemeine Zunahme kämen sich vermehrt die Waldbesucher in die Quere. Einer Minderheit mangle es an Anstand und Achtung gegenüber Mitmenschen und Umwelt – Röthlisberger denkt dabei auch an motorisierte Waldbesucher, die das allgemeine Fahrverbot im Wald missachten.

Gemäss eines Jagdaufsehers beim Dulliker Engelberg sollen Biker eigene Wege erschlossen oder die Pfade von Wildtieren benutzt haben. Georg Nussbaumer hat im Wald gar ein Plakat gefunden, das auf einen neu kreierten Weg hinweist und Leuten rät, ihn zu benutzen, bevor er wieder überwuchert wird. «Die Leute sind sich zum Teil gar nicht bewusst, dass Wälder auch Eigentümer haben», sagt Nussbaumer. Besonders beliebt unter Bikern sollen die Hänge beim Sälischlössli sein. «Dort gibt es aber Naturschutzzonen», sagt der Förster weiter.

Dreist: Auf privatem Grund eigene Bike-Trails erschliessen.

Dreist: Auf privatem Grund eigene Bike-Trails erschliessen.

zvg

Biker abseits von Waldstrassen schaden der Natur

Biker, die quer durch den Wald fahren, stören nicht nur das Wild, sondern beeinflussen indirekt auch die Vegetation, wie Röthlisberger erklärt: «Aufgescheuchte Tiere haben einen höheren Energiebedarf und ziehen sich an die wenigen, für Menschen nicht zugänglichen Orte zurück. Dort fressen sie, was die Natur hergibt – gerne auch Knospen von jungen Bäumen, was zu Problemen bei der Waldverjüngung führen kann.»

Das Problem mit Mountainbikes: Sie sind für Wanderwege und schwieriges Gelände konzipiert und nicht für gewöhnliche Waldstrassen. «Dafür reichen ja normale City-Velos», sagt Fabian Spielmann, Geschäftsführer der Bike-Schule Olten. Er bietet Ausbildungskurse für diese Sportart an, in dem es unter anderem darum geht, sich im Wald respektvoll gegenüber Menschen und Umwelt zu verhalten.

«Natürlich gibt es auch jene, die Abkürzungen nehmen. Ich höre aber wenig von Reibereien, ausser ab und zu beim Säligebiet.» Allgemein sind Veloverbände und Schulen bemüht, eine friedliche Koexistenz mit anderen Wald- und Wegnutzern zu sichern: So veröffentlicht der Verband Swiss Cycling gemeinsam mit Schweizmobil Broschüren darüber, wie Wanderer und Biker miteinander umgehen sollen. «Konflikte werden zum Teil von der Presse hochstilisiert», sagt Maurice Rapin, Leiter Breitensport bei Swiss Cycling.

Streit beim Solothurner Weissenstein um Biketrail

Dass das Zusammenleben von Wanderer und Biker Konfliktpotenzial hat, beweist aber die Situation beim Weissenstein oberhalb Solothurn: Dort ist seit langem eine Downhillstrecke geplant, gegen die sich nicht nur Naturschützer vehement wehren, sondern auch Wanderer. Sie fürchten, dass die neu geplanten Schutzzonen, die der Kanton neben der Downhillstrecke vorsieht, die Bewegungsfreiheit anderer Waldbenutzer einschränkt.

Der SAC hat deshalb neben Pro Natura eine der sechs Einsprachen gegen das vom Kanton getragene Projekt eingereicht, berichtete das SRF-Regionaljournal Aargau-Solothurn Anfang Jahr. Der Verein Solothurner Wanderwege, der für den Erhalt der Pfade zuständig ist, kritisiert ausserdem Biker, weil sie Wanderwege beschädigen. Beim Born etwa hat der Verein gemäss Wegbauchef Hans Küpfer Wanderwege umleiten müssen, weil Teile davon durch Bremsspuren von Mountainbikes beschädigt wurden.

Eigentlich sind Wanderwege Bikern untersagt

Die Rechtslage ist in dieser Situation wenig dienlich. Im Wald herrscht Fahrverbot für motorisierte Fahrzeuge, also auch für E-Bikes mit einem Motor über 1000 Watt, wie die Antwort des Regierungsrates zur Interpellation der Kantonsrätin Nicole Hirt erklärt. Laut nationalem Strassenverkehrsgesetz dürften Fahrräder auch nicht auf Wanderwegen fahren. Die Durchsetzung des Gesetzes ist aber den Kantonen überlassen, die höchst unterschiedlich damit umgehen.

Lesen Sie dazu auch das Interview von Kantonsoberförster Rolf Manser

Veloinitiative macht es komplizierter

Der 2018 vom Volk akzeptierte Gegenentwurf zur Veloinitiative hat die Sache weiter verwickelt, weil Velowege nun gemeinsam mit Wanderwegen in die Verfassung eingetragen sind. Die Vernehmlassung zum neuen Velogesetz läuft momentan: Sowohl Swiss Cycling als auch die Dachorganisation Schweizer Wanderwege geben an, daran beteiligt zu sein.

Rangers im Wald?

Aber selbst wenn die Rechtslage klar wäre: Im Kanton Solothurn wird selten jemand im Wald für sein Fehlverhalten gebüsst. Eine weitere Interpellation, auch von Georg Nussbaumer, der für die CVP im Kantonsrat sitzt, unterstützt, will vom Regierungsrat wissen, ob Rangereinsätze möglich wären, um solche Kontrollen im Wald zu ermöglichen.

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Colin Frei