Olten
Im Thriller «Schattenflut» wird in Olten ein Auftragsmörder umgebracht

Ein international gesuchter Auftragsmörder wird in Olten tot aus der Aare gefischt. Dazu kommt eine trauernde Witwe, die so traurig nicht ist. Andreas Knechts «Schattenflut» ist ein Thriller mit Lokalkolorit.

Trudi Stadelmann
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Silvia Götschi und Andreas Knecht bei der Lesung

Silvia Götschi und Andreas Knecht bei der Lesung

Tibor Göröcs

Ein international gesuchter Auftragsmörder wird in Olten tot aus der Aare gefischt. Dazu kommt eine trauernde Witwe, die so traurig nicht ist. Das sind nur zwei Charaktere, die eine wichtige Rolle im Thriller «Schattenflut» des Oltners Andreas Knecht spielen. Dieser wurde am Dienstagabend in der Luzerner Buchhandlung «Stocker» vorgestellt.

Thriller mit Lokalkolorit

Eigentlich arbeitet Knecht als selbstständiger Berater im Bahn- und Logistikbereich. Diese Tätigkeit führt ihn rund um den Erdball. Auch privat ist er viel unterwegs. Er bezeichnet sich denn auch als Weltenbummler: «Ich bin polyglott». So kommt es denn auch nicht von ungefähr, dass sein Krimi nicht nur in Olten oder Zürich spielt. Venedig oder die Karibik sind ebenfalls wichtige Schauplätze in diesem Thriller, der Machenschaften der internationalen Finanzszene aufdeckt.

Im Gegensatz zu vielen Thrillern erstreckt sich diese Geschichte über mehr als ein Jahrzehnt. Dies im Gegensatz zu den Bestsellern von Dan Brown, in denen Fälle innert weniger Tage aufgeklärt werden. Knecht mag Brown denn auch nicht aus besagtem Grund. Er kann sich zwar nicht mit dem Amerikaner messen, aber in diesem Punkt kann man ihm zustimmen.

In Schattenflut geht es um den Geschäftsmann Gallo, der wegen zweier Morde zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt wird. Diese wurden ihm untergeschoben. Nach seiner Entlassung will er nun seine Unschuld beweisen. Zuweilen ist Knechts Schreibstil abgehackt und nicht gerade flüssig zu lesen. Die Vorgänge in Olten sind sehr lebendig beschrieben. Leser, die Olten nicht kennen, sehen ein Bild der Stadt vor sich.

Sehr dynamisch sind auch die Szenen, die in die Finanzhochwelt reichen. Da spürt man, dass sich Knecht in der Materie auskennt und sich beruflich damit auseinandersetzt. Stimmig sind auch die Szenen, die vor dem Jahrtausendwechsel stimmen. Der Jogger, der eine Leiche findet, muss zu einer Telefonkabine laufen, um die Polizei zu rufen. Diese Details sind gut eingebunden, und machen die Geschichte glaubwürdig.

Vielschreiber

«Schattenflut» ist wohl Knechts erster Thriller, aber nicht sein Erstling als Autor. Vor ein paar Jahren veröffentlichte er den Jugendroman «Der Fluch». Der Versusverlag in Zürich, bekannt für seine schön aufgemachten Wirtschaftsbücher, hat von dem Oltner zwei Bände in einer Reihe über Prozess- und Projektmanagement verlegt. Sein Buch «Six Sigma» ist immerhin offizielles Lehrmittel der Fachhochschule Nordwestschweiz. Und sein Sachbuch «Käse und Wein» hat gar eine goldene und eine silberne Auszeichnung in Bereich «Kochbücher» erhalten.

Warum musste es denn nun noch ein Thriller sein? Sein Antrieb, so Knecht, bestehe darin, der Leserschaft einen gut strukturierten Thriller mit Lokalkolorit und Emotionen anzubieten. Im Fall Gallo ist im dies gut gelungen. Es liegen auch schon weitere Werke in seiner Schublade. In dem einen geht es um dunkle Machenschaften in der Energiebranche. Erdöl und Kernkraft sind dabei zentrale Themen.

Mord in der Luzerner Kunstszene

Am gleichen Abend stellte die Innerschweizerin Silvia Götschi ihren Krimi «Künstlerpech» vor. Es ist der dritte Fall, den der Ermittler Thomas Kramer und sein Team zu lösen haben. Kramer ist ein sympathischer Kommissar, der es dieses Mal mit einem besonders grauslichen Mord zu tun bekommt. Leider sind die anderen Charaktere sehr holzschnittartig gezeichnet. Die Freude an dem bizarren Mord wird getrübt durch ungewohnte Stilblüten. Abstruse Wortkombinationen wie «absente Seriosität» oder leicht befremdliche Sprachbilder wie «Durch die jungfräulichen Bäume glitzerte der See» bemühen den Leser zeitweilen über Gebühr. Sie lenken ihn auch von der packenden Handlung ab, die in der Luzerner Kunstszene spielt. Der eigentliche Mord wird in knapp zwei Wochen aufgeklärt. Schwer vorstellbar, da Kramer in dieser kurzen Zeitspanne zwei Nächte im Spital verbringt. Schade um die gut konstruierte Mordidee.