Olten

Im Flug zur Seele der Zuschauer als Maxime in der Schützi

«Big Bird», die verspielte Nummer mit artistischem Charme, über den Köpfen der Zuschauer gegeben.

«Big Bird», die verspielte Nummer mit artistischem Charme, über den Köpfen der Zuschauer gegeben.

Wings by Rigolo feierte in der Schützi Olten Premiere und lieferte 13 Bilder, die «unter die Haut» gehen.

Zirkus? Nein. Varieté? Nein. Eine Mischung aus beidem? Nein. Das visuell-transzendente Konzentrat liebenswürdig-tiefschürfender Gedanken, abseits dynamischer Akrobatik, halsbrecherischer Äquilibristik, rasender Bildabfolgen? Vielleicht. Ganz sicher aber ein Nervenkitzel der andern Art, nicht gespeist von pausenlos pulsierender Aktion und Reaktion, lauten Tönen, schnellen Bildabfolgen, wortgewaltigen Sequenzen. Nein. Lange Einstellungen prägen das Bild auf der Bühne, harmonische Wechsel, verschwommene Dramaturgien und befreiende Wortlosigkeiten arbeiten sich als Ensemble in die Herzen der Zuschauer und unter deren Haut. Wohin denn sonst?, möchte man fragen. Heisst das Programm doch «Wings in My Heart».

So in etwa lässt sich auch die Produktion des «Swiss Nouveau Cirque» umreissen, wie sich das Ensemble mit Mädir Eugster und Lena Roth an der Spitze nennt. Das Wort «Nouveau» dabei ist wichtig, denn im Grunde genommen ist die Produktion von Wings noch ohne Etikettierung. Und wirds vermutlich auch bleiben. Zum Glück, möchte man meinen.

Bilder – unter die Haut

Gut zwei Stunden schlagen die Flügel der Herzen, die sich der Zuschauerseelen zuwenden. Verspielte Momente von allem Anfang an, die sich unter der mit filigran-poetischen Accessoires angefüllten Kuppel der Schützi abspielen. Wer einen Blick nach oben wagt, kann erahnen, wie die Hauptdarstellenden des Abends die fremden Seelen im Dunkel des Zuschauerraums erreichen wollen. Seiltechnik oder übermächtige Flügelkonstruktionen paaren sich auf der Bühne mit eindrücklichen Tanzeinlagen; und auch wenn die Körper zu Letzteren nicht immer mit der perfekten Spannung agieren oder eine Panne (eines der Seile sprang aus der Rolle) die Szene kürzt – unwichtig. Es gilt das Gezeigte, das Überraschende, das Rührende. Und was die ganze Produktion – zumindest für Gäste aus den vorderen zwei, drei Rängen – zusätzlich vermenschlicht: Der Atem der Darbietenden bleibt gut zu vernehmen.

Höhepunkt zum Schluss

Wenn diese Produktion einen signifikanten dramaturgischen Höhepunkt kennt, dann dürfte es jener sein, der im Programm unter der Prämisse «Erfüllung: Sanddorn-Balance» aufgeführt ist. Atemberaubend, wie Marula Eugster live eine Gleichgewichtsperformance gibt, bei der – beginnend mit einer Feder und schliesslich einem guten Dutzend Palmblattrispen – am Ende ein entzückendes ausladendes Mobile entsteht, welches auf der letzten Rispe, die als Ständer dient, ruht. Erfinder dieser Nummer ist Mädir Eugster, Marulas Vater. Es gab begeisterte Rufe aus dem Publikum dafür. Wen wunderts: Laut der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» gilt diese Nummer als «eine der schönsten Europas.»

Eigenes Wesen finden ...

Ganz ohne Worte allerdings kommt auch «Wings in My Heart» nicht aus. Eine imaginäre Feder zaubert im Verlauf der Vorstellung immer wieder Lebensweisheiten auf dem leichten Gazevorhang. «Dein eigenes Wesen finden und ihm treu bleiben, allein darauf kommt es an ...»

Wings by Rigolo

Vorstellungen: noch bis 15. März in der Schützi Olten, jeweils Mittwoch bis Sonntag, ausgenommen Freitag, 13. März,

Spielzeiten: Mittwoch: 19 Uhr, Donnerstag bis Samstag: 20 Uhr, Sonntag: 18 Uhr.

Tickets: ticketcorner.ch oder oltentourismus.ch

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