Vor einer chinesischen Lokalregierung Gölä-Songs singen, mit indischen Slum-Kids Fussball spielen, im Businessanzug das vietnamesische Arbeiterviertel entdecken oder in den Youtube-Büros in der Silicon Valley über die Rutschbahnen staunen – die vier Studierenden der Hochschule für Wirtschaft erlebten im Ausland so einiges.

Mit Delegationen, bestehend aus insgesamt 100 Studierenden der Fachhochschule Nordwestschweiz, reisten sie Mitte März im Rahmen ihrer internationalen Studierendenprojekte für zweieinhalb Wochen nach China, Indien, Südostasien oder in die USA.

Bereits vor ihrer Abreise sprachen Vertreter der jeweiligen Projekte von ihren Erwartungen an Auslandaufenthalt. Ziel der Reise war die Funktionsweise der Wirtschaft des jeweiligen Landes vor Ort zu erleben. Die Erwartungen? Wurden bei den meisten übertroffen.

In die Schweiz sind die Studierenden aber mit gemischten Gefühlen zurückgekommen. Gelernt haben sie vieles, sowohl bei der Projektentwicklung als auch bei der Umsetzung. Erstaunliches Fazit nach der Reise: Manchmal klappt es am besten, wenn man spontan und locker an die Sache ran geht.

Und: Flexibel sein ist alles. Anhand von Gegenständen, die sie mit ihrem Auslandaufenthalt verbinden, berichten sie von Erlebnissen, die sie wohl nie vergessen werden.

Explore Asean: Ellen Spinnler

Ellen Spinnler (26) aus Diegten BL hat beim Treffen einen Reishut dabei. «Diese sind in Vietnam überall anzutreffen.» Genutzt werden sie vor allem von Feldarbeiter, die sich damit vor Sonne und Regen schützen. Je nach dem. «Es beeindruckt mich, wie Vietnamesen aus einfachen Materialien wie Bambus und Palmenblätter ein so vielseitiges Instrument schaffen.» Dieses bringe ihr Improvisationstalent gut zum Ausdruck. Eine weitere beeindruckende Eigenschaft, von der man sich eine Scheibe abschneiden könne: «Sie schauen immer nach vorne.» Wegen der historischen Vergangenheit erwarteten die Studierende, vor Ort Skepsis anzutreffen. Aber das Gegenteil war der Fall. Willkommensbanner, Geschenke, Essen und Trinken von allen Gastgebern. «Wir spürten uns wirklich immer sehr willkommen.» Auch als sie im Businessanzug Arbeiterviertel besuchten, waren die Blicke der Einheimischen zwar neugierig, aber nie abschätzend oder verurteilend. Über das Geschäft wurde mit den Gastfirmen weniger gesprochen. Diese seien eher daran interessiert gewesen, mit themenübergreifenden Gesprächen zuerst mal eine Beziehung zu den Gästen zu schaffen. «Schade nur, dass es nach der Rückkehr in die Schweiz an der Fachhochschule gleich intensiv weiterging. Wir hatten kaum Zeit, das Erlebte zu verarbeiten.»

Connect US: Haris Besic

«Ohne diesen Notizblock wäre ich auf unserer Reise aufgeschmissen gewesen», sagt Haris Besic (24) aus Buchs AG. Die Programmübersicht, Routen, Notizen aus den Vorträgen – in den zweieinhalb Wochen hat sich in der Agenda einiges angesammelt. Inklusive 25 Visitenkarten von neu kennengelernten Menschen. In Boston zum Beispiel besuchten die Studierenden die Start-up-Szene. Dort herrsche eine ganz andere Philosophie als in der Schweiz. «Hier sind Investoren meist skeptisch und vorsichtig gegenüber neuen Ideen, dort hingegen investieren Menschen, oft selber erfolgreiche Start-up-Gründer ohne Wimpernzucken gleich einen Millionen-Betrag.» Wichtig: Sie investieren nicht ins Projekt, sondern in den Initiator. «Sie glauben an den Menschen – auch wenn dieser die ersten zwei Male versagt hat.» Nach diesem Besuch seien alle Teilnehmer motiviert gewesen, ein Start-Up zu gründen. «Der ‹American Dream› ist in der Schweiz natürlich nicht eins zu eins umsetzbar. Trotzdem gab uns der Besuch das Selbstvertrauen, an unsere Träume zu glauben.» Beeindruckend sei auch der Besuch in San Francisco gewesen. «Bei Youtube erreichen Mitarbeiter per Rutsche ihre Arbeitsplätze, können während der Arbeitszeit in einer Playstation-Ecke gamen und sich an Smoothie-Bars und Essensständen gratis bedienen», schwärmt Besic. Auch das sei aber leider noch weit entfernt vom Schweizer Arbeitsalltag.

Focus India: Selina Widmer

Selina Widmer (23) aus Uerkheim AG trägt ihren Schal aus Delhi. «Das sei echtes Kashmir, sagten sie, aber das sagen sie alle», meint Widmer und lacht. Ob echt oder nicht, das ist ihr egal, sie mag die Farben. Und es erwies sich grundsätzlich wertvoll, einen Schal bei sich zu haben: «Um mich vor der starken Sonne zu schützen und mich dem lokalen Dresscode anzupassen.» Da es in den Strassen häufig stark roch, habe sie sich damit manchmal auch die Nase abgedeckt. Indische Frauen seien auch im Geschäftsalltag mit traditionellen Saris anzutreffen. «Dass sie ihre Kultur vor westlichem Einfluss bewahren, hat mir besonders gefallen.» Anderseits mussten sich die Studierenden sehr an das organisierte Chaos auf der Strasse gewöhnen. «Unsere Transfers verzögerten sich um Stunden, oder unser Bus kam gar nicht.» Da war ganz im indischen Stil Improvisation gefragt. Die Hotelangestellten halfen ihnen dann, Taxis für die rund 25-köpfige Gruppe zu organisieren. Und es klappte! «Inder leben stark im Moment, aber irgendwie funktioniert es immer.» Ein bisschen Lockerheit, das habe sie in die Schweiz mitgenommen. «Ich habe gesehen, dass man nicht immer alles planen muss, damit es klappt.» Ein berührendes Erlebnis hatten die Studierenden beim Besuch einer Hilfsorganisation für Slum-Kinder, die wöchentlich Fussballtrainings organisiert. «Beim Treffen und Spielen mit den Kindern haben wir auch das andere Indien erlebt.»

Insight China: Olivier Meyer

«WeChat» – diese App sei in China unabdingbar, genauso wie das Internet an sich, sagt Olivier Meyer (25) aus Kappel SO. Über das Pendant von «Whatsapp» werden dort Termine vereinbart, eingekauft, Geld übermittelt. «Einfach alles.» Also organisierten sich die Studierenden als erstes eine chinesische SIM-Karte. Das Handy kam dann so auch zum Einsatz, als sie nach dem Weg suchten. «Dort kann man nicht einfach Passanten fragen. Die meisten sprechen kein Englisch.» Auch mit den einheimischen Gastgebern mussten sie Sprachbarrieren überwinden. «Haperte es in der Kommunikation, liessen wir die chinesische Übersetzung mit einer Sprach-App gleich anzeigen.» Ihre chinesischen Gesprächspartner taten dann bei Bedarf dasselbe mit der englischen Übersetzung. Trotz den vielen digitalen Möglichkeiten erlebten die Studierenden auch Einschränkungen. «Es war speziell, die Suchmaschine Google wegen der Zensur nicht aufrufen zu können.» Ungewöhnlich war die Empfangszeremonie von der Lokalregierung in Lanzhou. «Das ganze Team stand vor uns und sang chinesische Volkslieder, von denen wir kein Wort verstanden.» Von den Schweizer Studierenden wurde dann dasselbe erwartet. Sie sangen dann die Nationalhymne und ‹E Schwan so wiss wie Schnee› von Gölä. Am Hafen von Shanghai vor den vielen riesigen Exportcontainern wurde ihnen dann das Ausmass der Globalisierung bewusst.