FREIWILLIGENARBEIT IN DER REGION OLTEN: TEIL VII

Im Auftrag der Stiftung Pro Pallium «Die Zeit für eine sinnvolle Sache spenden»

Susi Diemer mit dem Grosskind einer Freundin, das sie spontan für einen Nachmittag hütet, allerdings nicht im Rahmen von Pro Pallium. Bruno Kissling

Susi Diemer mit dem Grosskind einer Freundin, das sie spontan für einen Nachmittag hütet, allerdings nicht im Rahmen von Pro Pallium. Bruno Kissling

In unserer Serie «Freiwillige» widmen wir uns Menschen, die sich auf freiwilliger Basis engagieren. Susi Diemer begleitet im Auftrag der Stiftung Pro Pallium schwerkranke Kinder und Familien auf ihrem Weg.

Susi Diemer wählt ihre Worte sorgfältig, ehe sie auf meine Fragen Antwort gibt. Sie weiss, das Thema, welches wir besprechen, ist ein heikles: Palliative Care für schwerkranke Kinder und Jugendliche bei der Oltner Stiftung Pro Pallium.

Susi Diemer ist eine der Freiwilligen, die sich um Familien mit kranken Kindern und Jugendlichen kümmert. Seit 2011, als sie die Basisausbildung absolvierte, ist die 69-jährige pensionierte Buchhändlerin für die Stiftung im Einsatz.

Kurz darauf übernahm sie ihre erste Familie, die aus einer alleinerziehenden Mutter und ihrem herzkranken, sieben-jährigen Mädchen bestand. «Ich besuchte die beiden jede zweite Woche für drei Stunden», erzählt Diemer.

«Anfangs gingen mir immer wieder Gedanken durch den Kopf, dass das Mädchen nie 14 Jahre alt werden wird, so wie mein Enkelkind damals.» Solche Gedanken in den Hintergrund zu stellen, sei schwierig, sagt Diemer.

«Ich habe mir dann jeweils eingeredet, dass ich nicht so denken soll. Es bringt schliesslich nichts. Man soll die Zeit, die man hat, geniessen», rät sie. Irgendeinmal sei ihr dies dann gelungen. «Mit der Zeit hatte ich richtig Freude, wenn ich sie gesehen habe. Sie war so ein lebendiges, quirliges und lustiges Kind.

Viele konnten gar nicht glauben, dass sie todkrank ist.» Susi Diemer hat das Mädchen über mehrere Jahre, auch als die Mutter einen neuen Partner fand und in den Aargau zog, begleitet. Bis im letzten Sommer, als das Mädchen in den Ferien, die es mit seiner Familie am Meer verbrachte, verstarb.

«Kinder sollten nicht sterben», sagt sie nachdenklich und trinkt einen Schluck Wasser. Bei der Verarbeitung des Todes des Mädchens habe ihr der Austausch mit anderen freiwilligen Betreuerinnen von Pro Pallium sowie jener mit ihrem Partner geholfen. «Wichtig ist, dass man jeden Tag so nimmt, wie er ist, man ihn geniesst und akzeptiert.»

Tod als Wendepunkt

Susi Diemer hat sich bereits während ihrer Berufstätigkeit immer wieder freiwillig engagiert. Nachdem sie vor einigen Jahren eine Beistandschaft für einen älteren Mann mit Behinderung übernommen und ihn bis zu seinem Tod unterstützt hatte, kam sie an einen Wendepunkt.

«Ich wollte nach wie vor etwas mit Menschen machen, aber diesmal mit Kindern.» So kam sie 2011 zu Pro Pallium und übernahm die Familie, zu der sie heute noch Kontakt hat, mit dem herzkranken Mädchen.

Als es im Sommer 2015 verstarb, ergab sich eine Pause, in der Susi Diemer für eine Zeit lang niemanden betreute. Dann, im Frühling dieses Jahres, war die Zeit dafür wieder gekommen und Susi Diemer betreut seither eine Familie mit drei Kindern aus dem Kanton Zürich. Einer der einjährigen Zwillinge hatte bei der Geburt eine Hirnblutung und ist seither körperlich behindert.

«Die Familie befand sich in einer Krisensituation, brauchte Hilfe und ich wollte sie gerne unterstützen.» Einmal pro Woche besucht Diemer die Familie und macht Spaziergänge oder Spiele mit den Kindern, liest ihnen aus Büchern vor und entlastet so die Mutter.

«Sie stellt jeweils das Programm für den Nachmittag zusammen und ich halte mich daran.» Dass eine Mutter ihr ihre Kinder anvertraut, erachtet Susi Diemer nicht als selbstverständlich. «Ein grosser Vertrauensbeweis, der nur auf Gegenseitigkeit beruhen kann», ist sie sich bewusst.

Müde, aber glücklich

«Mir gefällt es, mit Kindern zusammen zu sein, das war schon immer so», offenbart Diemer, die auch die stiftungsinterne Bibliothek verwaltet. «Ich war stets gesund und ich möchte meine Zeit, die ich als Rentnerin ja habe, für eine gute und sinnvolle Sache spenden», meint sie und ergänzt: «Ich gehe jeweils müde, aber glücklich nach Hause.»

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