Der Ort eignet sich, um spezielle Fragen gestellt zu bekommen: «Wissen Sie, was ich am liebsten mag?» Keine Ahnung. Was soll der Patron und Firmeninhaber der Niederöst AG und der AE-Beschläge schon mögen? Fantastisch restaurierte Kunstobjekte vielleicht? Ebensolche Möbelstücke? In dieser Branche nämlich ist der 59-jährige Michael Nideröst daheim. Und um es im Jargon der Oldtimerliebhaber zu sagen: Er mag Scheunenfunde. Stücke eben, die irgendwo fast ungenutzt vergessen gingen, verstaubten, aber unter all dem Ballast der Zeit nicht zusammenbrachen und ihren Charme behielten. Den es, freilich nach Jahren, Jahrzehnten oder gar nach Jahrhunderten zu entdecken gilt.

Nideröst nickt. Genau solche Dinger mag er, solche, die den Restaurator zwingen, auf dem schmalen Grat zwischen Erhalt und Auffrischung zu wandeln, um so die Authentizität der Objekte zu bewahren, die bis in die Gegenwart trägt. Ein Kunststück für restauratorische Muntermacher. «Man ist in solchen Fragen halt immer mit neuen Herausforderungen und persönlichen Einschätzungen der Besitzer konfrontiert», sagt Nideröst. Das mache die Arbeit interessant.

Historisch geladene Umgebung

Sein Betrieb, die Niederöst AG, steht für Restaurierungen von A bis Z. Aber eben: Warum der Ort ein spezieller Ort sein soll? Weil der Betrieb seit 2018 seine Arbeiten allesamt in historisch geladener Umgebung angeht und vollendet: Im Maschinenhaus des alten Kraftwerks Ruppoldingen hat der Unternehmer, gelernte Schreiner und Möbelrestaurator, der sich auch ein bisschen als Selfmademan versteht, eine neue und eigene Bleibe gefunden. Dort, wo mit Wasserkraft einst elektrische Energie erzeugt und den umliegenden Gemeinden zugeführt wurde, arbeiten Nideröst und vier weitere Angestellte auf rund 1000 Quadratmetern Fläche.

Gelegentlich meint man, noch das Summen der Turbinen vernehmen zu können. Aber: Was ab dem Jahr 1904 bis in die Sechszigerjahre der Stromproduktion und -verteilung diente, beherbergt jetzt Räumlichkeiten mit Beschlägen, Rohschlüsseln, Schlössern, eine Antikschreinerei und ein Restaurationsatelier. «Ich bin eigentlich eher zufällig auf das Gebäude gestossen», sagt Nideröst, «aber es ist ein eigentlicher Glücksfall.» Historische Arbeiten in ebensolcher Umgebung eben. Bei der Umgestaltung der über 110-jährigen Räumlichkeiten hat der Firmeninhaber vorsichtige und schier edle Zurückhaltungen walten lassen.

Stumme Zeugen vergangener Jahre sind im Innern zurückgeblieben: ein handbetriebener Kran etwa, Isolatoren. «Die Geschichte des Hauses soll spür- und erkennbar bleiben», sagt Nideröst noch. Das Gemäuer steht unter Denkmalschutz, in der Landwirtschafts- und Juraschutzzone und wäre für viele Nutzungen gedacht gewesen; auch für Lofts. Nichts kam infrage, auch nicht das Umfunktionieren in eine Partylocation. Ein Glück für Nideröst, der die Liegenschaft samt Nebengebäude vor drei Jahren erstand, umzog und die Betriebsräumlichkeiten seines Unternehmens in Aarburg verliess.

Ein Solitär in der Region

Nideröst ist mit seinem Betrieb, den er seit 1993 selbstständig führt, breit aufgestellt. «Das muss ich, wenn ich immer gut beschäftigt sein will», sagt er. Sein Restauratorenteam; Carolina Frank Master in Konservierung und Restaurierung, Richard Schweizer, Beschlägespezialist und Isabella Nideröst Buchhaltung und Sekretariat deckt denn auch sämtliche Bereiche rund um Restaurierung, Reparatur, Konservierung und Auffrischung von Möbelstücken, Holz- und historischen Oberflächen, Gebäudeinnenausbauten, Raumausstattungen und Kunstgegenständen ab. Die Liste der Arbeitsfelder ist lang. Und Betriebe mit solch breiter Abstützung sind rar in der Region, wenn sie überhaupt vorkommen. So hat die Niederöst AG auch an der Sanierung des Zündholzmuseums in Schönenwerd mitgewirkt, welches im Februar 2012 neu eröffnet wurde.

Die operative Breite ist allein schon deshalb von Bedeutung, weil der Antiquitätenmarkt ziemlich zusammengebrochen, eigentlich fast tot ist. «Das ist heute die reinste Liebhaberei», sagt Nideröst. Er unterhält deshalb auch keinen eigentlichen Verkaufsladen; die Musik spielt mittlerweile im Internet. Aber was im Internet zum Verkauf steht, muss letztlich doch auch irgendwo untergebracht sein. Und zwar, wen wunderts, ebenfalls im alten Kraftwerk. Dort übrigens warten auch Stücke mit schlummerndem Potenzial auf ihre eigentliche Wiederbelebung: Sessel der 40-er und 50-er Jahre etwa, die eigentlich noch nicht antik geheissen werden dürfen, aber ebenfalls ihre Liebhaber finden, wie der spürsinnige Nideröst erwartet.

«Manchmal wünschen Kunden halt einfach eine Auffrischung ihrer Möbelstücke, was auch eine neue Polsterung beinhalten kann», sagt der Patron. «Das machen wir zwar nicht im Hause, sondern mit Partnern zusammen, für die wir auch im Restaurations- und Auffrischungsbereich tätig sind.»