Gerne würde man wissen, welcher der Steine es ist, der so lange frisch und jung hält. Bei Rita Strub, Inhaberin des Steinladens Achat, scheint er auf jeden Fall zu wirken. Ihr wahres Alter – das sie hier lieber nicht abgedruckt sehen möchte – sieht man ihr nämlich nicht an. So viel sei verraten: Das Pensionsalter hat sie längst erreicht.

Umso mehr freut sich Strub auf den Ruhestand: Nach über 16 Jahren, in denen sie ihren Laden an der Hauptgasse 4 geführt hat, will sie nun kürzertreten: «Ich will aufhören, solange ich darf – und nicht muss.» Für die kommende Zeit hat sie schon Pläne: «Nun kann ich wieder ohne schlechtes Gewissen meinen Hobbys nachgehen», sagt sie.

Nur ein Hobby war damals auch die Beschäftigung mit Steinschmuck aller Art, dem Strub als Hausfrau und Mutter nachging. Als sich ihr die Möglichkeit bot, den Laden an der Hauptgasse zu übernehmen, packte sie die Chance: Während andere Altersgenossinnen sich auf den nahenden Ruhestand vorbereiten, wagte Strub den Schritt in die Selbstständigkeit. In all den Jahren seither hat sie den Steinladen allein geführt, eine Aushilfe hat sie nur kurzzeitig beschäftigt.

Die Lage in der Altstadt, mitten in der Fussgängerzone, schätzt Strub sehr. Allerdings seien damals, als sie den Laden eröffnet habe, mehr Leute in der Altstadt unterwegs gewesen. Vor allem am Samstag sei früher viel mehr los gewesen als heute. Offenbar würde es die Leute am Wochenende eher in die Einkaufszentren ziehen als in die schöne Oltner Altstadt.

Schmuck für jeden Geschmack

Die im Schaufenster ausgestellten Porzellanpuppen dienen nur der Dekoration. In ihrem Laden bietet Strub in erster Linie Schmuck, Gegenstände aus Stein und Mineralien an. Die Steinketten hat sie alle selber geknüpft und mit Verschlüssen aus europäischer Produktion versehen – nur so könne sie sicher gehen, dass kein Nickel enthalten sei, wie sie erklärt. Die Kundschaft des Steinladens sei überwiegend weiblich, erzählt Strub. Es gäbe Kundinnen, die mit einem körperlichen Leiden zu ihr kämen und nach einem Stein fragten, mit dem sie ihre Beschwerden lindern könnten. Andere würden ein Kleidungsstück mitbringen und gezielt nach einem Schmuckstück Ausschau halten, das farblich harmoniere. Wieder andere liessen sich von ihrem Bauchgefühl leiten und würden spontan eine Kette aussuchen, die ihnen besonders gefalle. Oft sei die Kundin dann überrascht, dass die Bedeutung des Steins zu ihrer gegenwärtigen Situation passe. «Deshalb gibt es den Spruch: ‹Nicht wir suchen den Stein aus, sondern der Stein sucht uns aus.› Vielleicht stimmt das ja», sagt Strub dazu, die fest an die Bedeutung der Steine glaubt. Der Name des Ladens führt übrigens in die Irre: Nicht der Achat zählt zu Strubs Lieblingssteinen, sondern der Tansanit, der nach seinem afrikanischen Herkunftsland Tansania benannt ist. Aber auch der Lapislazuli und der Aquamarin gefielen ihr gut, erzählt Strub.

Der Steinladen hat bis zum 23. Juni geöffnet und lockt mit einem Totalausverkauf. Ab Juli könnte allenfalls ein neuer Mieter einziehen. Ausgeschrieben ist nebst der rund 30 m2 grossen Ladenfläche ein ähnlich dimensioniertes Büro, das sich gleich darüber befindet. Welches Geschäft die Räumlichkeiten beziehen wird, ist noch unklar. Die Eigentümer der Liegenschaft konnten für eine Anfrage nicht erreicht werden. Gemäss Reglement sind in der Altstadtzone grundsätzlich alle Nutzungsarten zulässig, «die höchstens mässig stören und die die erhaltenswerte Bausubstanz nicht beeinträchtigen». Somit liessen sich in den attraktiv im Herzen der Altstadt gelegenen Räumlichkeiten ganz unterschiedliche Geschäftsideen realisieren.