Solidaris Charity

«Ich brauche mehr Mut, um hier zu stehen, als um mich von der Klippe zu stürzen»

Der 42-jährige Basejumper Michael Schwery: «Dieser hier ist mein Lieblingswingsuit.»

Der 42-jährige Basejumper Michael Schwery: «Dieser hier ist mein Lieblingswingsuit.»

Mut war das Kernthema bei der Solodaris Charity im Oltner Stadttheater. So sprach Michael Schwery über die Todesgefahr beim Basejumpen. Neben ihm referierten noch sieben weitere Persönlichkeiten über ihre Erfahrungen rund um das Thema Mut.

«Oh mein Gott», entfährt es einer Zuschauerin am Freitag an der Solodaris Charity im Oltner Stadttheater. Der Basejumper, der die Helmkamera trägt, stürzt sich nur wenige Zentimeter an einem Felsvorsprung vorbei in die Tiefe.

Mit seinem selbst geschnittenen Filmchen zu Beginn seines Referats hat Basejumper Michael Schwery für Staunen, Bewunderung, Kopfschütteln und Unverständnis gesorgt. Der 42-jährige Leiter eines Ingenieurbüros und Familienvater ist bereits über 650-mal gesprungen - und hat nach eigenen Angaben das verfügbare Glückskonto aufgebraucht.

Dennoch sagte der schüchtern wirkende Schwery in vollem Ernst: «Ich brauche viel mehr Mut, um hier zu stehen und zu reden, als mich mit dem Wingsuit von einer Klippe zu stürzen.» Mut war das Kernthema der Solodaris Charity.

Wenn das Gefühl Nein sagt

Bei diesem aussergewöhnlichen Hobby ist sein Gefühl eine ganz wichtige Entscheidungshilfe. «Im Vorfeld eines Sprungs prüfen wir die Bedingungen, die Absprungstelle, die Ausrüstung oder etwa den Landeplatz sehr genau», sagt der Vizeweltmeister in der Disziplin Speed.

Wenn die äusseren Bedingungen alle stimmen, aber das Gefühl Nein sagt, passt Schwery. «In einem solchen Moment brauchen wir Basejumper am meisten Mut.» Einen drei-, vierstündigen schweisstreibenden Aufstieg müssen die alpinen Springer meist hinter sich bringen, ehe sie den Exit - wie sie den Absprungplatz nennen - erreicht haben. «Als Einziger aus einer Fünfergruppe nicht zu springen und den Abstieg zu Fuss anzugehen, braucht sehr viel Überwindung.»

Mit einer geschulten Technik und einer guten Einschätzung der Bedingungen könne das Risiko beim Basejumpen minimiert werden. Die Todesgefahr springt allerdings dennoch immer mit.

«Wenn ich am Exit stehe, sagt alles in mir: Spring nicht. Obwohl ich schon über 650-mal gesprungen bin, muss ich mich immer wieder von Neuem überwinden», dieses Bekenntnis lässt sich Schwery schliesslich doch noch von Moderator und Fragesteller Franz Fischlin entlocken.

«Basejumper müssen mit dieser Todesgefahr umgehen können», sagt Schwery, der schon einige Basejumper-Freunde verloren hat. Und Coolness ist gefordert: «In einer brenzligen Situation muss man überlegt, aber dann sehr schnell handeln. Das liegt nicht jedem.»

Mit der neuen Aufgabe glücklicher

Michael Schwery war Teil einer illustren, achtköpfigen Gruppe - darunter auch Madame Etoile Monica Kissling oder etwa Philosoph Richard Egger -, die an der Solodaris Charity in Einzelreferaten über Mut sprachen.

Mut bewies vor 16 Jahren auch das Ehepaar Boesch. Es übernahm mit seinen fünf Kindern das Restaurant Traube in Ottikon - ohne Wirteerfahrung. Bald war diese Aufgabe nicht mehr Herausforderung genug und Angelika und Patrick Boesch setzten eine neue Idee um: Sie wollten in ihrem Gastronomiebetrieb Jugendlichen mit schwierigem Hintergrund eine Chance geben.

Nach anfänglichem Misserfolg hat das Ehepaar - er früher KV-Angestellter, sie Kindergärtnerin - gemeinsam mit Fachleuten aus der Gastronomie den richtigen Weg gefunden. Mittlerweile bilden sie 40 Jugendliche aus und verzeichnen eine 85-prozentige Erfolgsquote bei den Abschlüssen.

«Diesen Schritt zu wagen, war der mutigste Entscheid meines Lebens», so Patrick Boesch, der eine Zusatz-Ausbildung als Heimerzieher absolvierte. Der Lohn für ihn und seine Frau ist gross: «Unsere jetzige Arbeit mit den Jugendlichen gibt uns sehr viel zurück», sagt Patrick Boesch. Seine Frau ergänzt: «Es wird uns nie langweilig.»

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