Christkatholiken Region Olten
«Ich bin bereit zu sprechen»: Pfarrer Kai Fehringer will die angespannte Situation mit Reden lösen

Pfarrer Kai Fehringer redet in seiner Predigt am Festgottesdienst über den Zustand der Oltner Christkatholiken – und macht der neuen Führung implizit ein Gesprächsangebot.

Fabian Muster
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Pfarrer Kai Fehringer hält seine Predigt direkt vor der ersten Sitzreihe.

Pfarrer Kai Fehringer hält seine Predigt direkt vor der ersten Sitzreihe.

Patrick Lüthy

Rund 40 Christkatholiken sitzen beim Festgottesdienst am Weihnachtstag um 10 Uhr verstreut in der vorderen Hälfte der Stadtkirche. Das sind immerhin knapp zehn Prozent der rund 500 Mitglieder der Christkatholischen Gemeinde der Region Olten mit ihren 31 angeschlossenen Gemeinden. Trotzdem wären es sicher 10 bis 20 Leute mehr gewesen, wenn der Konflikt zwischen Pfarrer Kai Fehringer und dem Kirchgemeinderat in der Adventszeit nicht eskaliert wäre, wie ein Anwesender nach dem Gottesdienst sagt. Dem Pfarrer kritisch gesinnte Mitglieder sind am 25. Dezember nämlich keine in der Stadtkirche auszumachen: die bleiben zu Hause oder gehen nach Schönenwerd, wo seit diesem Herbst mit Antje Kirchhofer eine neue Pfarrerin den Gottesdienst leitet. «Der Widerspruch zwischen dem, was Kai Fehringer sagt, und dem, was er tut, ist für uns nicht mehr erträglich», sagt ein verdienter Christkatholik hinter vorgehaltener Hand.

Kai Fehringers Predigt mit eindeutiger Botschaft

Der Festgottesdienst, von dem im Gesangbuch sogar ein Handzettel mit dem Ablauf an die Gläubigen abgegeben wird, ist klar strukturiert und kommt zügig voran. Gesungen wird unter anderem «Oh du fröhliche» und «Herbei, o ihr Gläubigen», bevor Kai Fehringer dann seine Predigt hält. In freier Rede und direkt vor der ersten Sitzreihe stehend spricht der Pfarrer über «Worte, die so mächtig sind, dass sie verletzen und manchmal auch einen Urknall auslösen können» und über den Frieden, «der im Kleinen und bei sich selbst beginnen muss.» Gerade an Weihnachten werde sehr oft gestritten – dies erfahre auch diese Gemeinde und diese Stadt.

Es ist unüberhörbar, dass Fehringer damit auf den Konflikt in der eigenen Kirche verweist.
Seine gesamte Predigt kann sogar unzweideutig und auf die derzeitige Situation der Oltner Christkatholiken gemünzt werden. Fehringer fragt sich etwa, wie man mit Menschen umgehen soll, die einem böse gesinnt sind – sei es aus Neid, Missgunst oder weil man besser aussieht, besser angezogen ist und mehr Geld besitzt.

Gründe liegen manchmal auch bei andern

Er spricht damit implizit seine schärfsten Kritiker wie Synodalratspräsidentin Manuela Petraglio an, die ihm wie der Schweizer christkatholische Bischof Harald Rein den Rücktritt nahegelegt hat. Seine Antwort: Auch wenn man sich beleidigt und angegriffen fühle, lägen die Gründe manchmal nicht bei sich selbst, sondern bei den anderen – obwohl dies einem nicht daran hindern sollte, die Gründe und Fehler auch selbstkritisch bei sich zu suchen, wie Fehringer nachschiebt. Immer wieder sei man eingeladen, sein Leben zu reflektieren. «Ich versuche das zu tun mit Freunden, Kollegen oder in therapeutischen Gesprächen, damit man professionell arbeiten und seinen Job machen kann.»

Gesprächsangebot für Sachwalter

Gegen Schluss seiner Predigt macht er dem nun eingesetzten Sachwalter und künftigen Kirchgemeinderat ein Gesprächsangebot, ohne die Beteiligten explizit zu nennen: Eine wichtige Sache sei, dass man redet und die Kommunikation nicht abstellt. «Und dass man immer wieder signalisiert: Ich bin bereit, zu sprechen.» Frieden könne man nur erreichen durch Kommunikation.

Gewichtige Austritte aus der Kirchgemeinde

Und Fehringer wünschte den Anwesenden an Weihnachten «Zeit, um Frieden zu schliessen.» Auch dort, wo man zuerst denke, es habe keinen Zweck mehr oder man aufgehört habe zu hoffen. «Vielleicht kann dies das grosse Wunder von Weihnachten sein.» Eine Nachfrage bei Anwesenden nach dem Gottesdienst zeigt, dass die Botschaft angekommen ist. «Für mich war die Predigt eindeutig auf die Situation der Kirche bezogen», sagt etwa Clemens Ackermann.

Zur derzeitigen Situation der Kirchgemeinde sagt Heinz Gloor, dass es auf allen Seiten nur Verlierer gebe. «Das finde ich sehr schade.» Er hoffe nun, dass der neue Sachwalter seine Arbeit neutral angehe und beide Seiten einbeziehe – jene, die zu Fehringer halten und jene, die ihm kritisch gesinnt sind. Von den Pfarrertreuen gäbe es Leute, die gemäss Gloor bereit wären, sich in den mittlerweile verwaisten siebenköpfigen Kirchgemeinderat wählen zu lassen.

Mittlerweile gibt es wegen des Konflikts denn auch erste gewichtige Austritte aus der Kirchgemeinde, wie diese Zeitung erfahren hat. Unter anderem hat Kurt Stutz, der Anfang Juli als Präsident per sofort zurückgetreten ist, der Kirche den Rücken gekehrt. «Ich will nicht die Faust im Sack machen und nichts unternehmen», sagt er auf Anfrage. Der Grund für seinen Austritt sei Kai Fehringer. «Es ist einfach zu viel Geschirr zerschlagen worden. Es gibt erst einen richtigen Neuanfang, wenn der Pfarrer auch geht.»

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