Olten

Holzschlag wirft Fragen auf: Ob der arme Dachs das auch überlebt?

Markiert und zum Fällen freigegeben: Bäume am Ruttigerweg.

Markiert und zum Fällen freigegeben: Bäume am Ruttigerweg.

Kranke Eschen am Ruttigerweg In Olten werden entfernt; das stösst doch vielen sauer auf. Grund der Aktion: ein Pilz namens Chalara fraxinea.

Nur wenige Dinge ärgern Passantinnen und Passanten so sehr wie das Abholzen von Baumbeständen, die ihnen zum vertrauten Bild geworden sind. Das ist auch bei der geplanten Abholzung am Ruttigerweg in Olten nicht anders: Viele Bäume, vornehmlich Eschen, sind orangefarben markiert und fallen mit grosser Wahrscheinlichkeit demnächst der Kettensäge zum Opfer. Die Frage nach dem «Warum» zieht weite Kreise. Man bedauert den schwindenden Lebenraum für die dortigen Vögel und das Kleingetier, das Fortkommen eines Dachses, der dort hausen soll.

Und während Nachbarn und Passanten ihrem Bedauern oder gar ihrer Empörung Ausdruck verleihen, den vermeintlichen Schlagargumenten skeptisch begegnen und sarkastisch davon sprechen, dass wohl irgendwelche Krankheitsgründe dafür herangezogen würden, liegen die Ursachen für die Aktion tatsächlich beim Zustand der Bäume. «Viele der Eschen sind krank», sagt Georg Nussbaumer, Betriebsleiter des Forstbetriebs Unterer Hauenstein. Befallen von einer Pilzkrankheit, die sich schweizweit zunehmend ausbreitet und der im Sommer 2013 schon grosse Jungbestände an Eschen am zürcherischen Pfannenstiel zum Opfer fielen. Ebenfalls weichen müssen am Ruttigerweg gewisse Eichen, ebenfalls krankheits- oder dann altersbedingt.

Befall: 90 Prozent

«90 Prozent der dortigen Eschen sind befallen», bilanziert Nussbaumer. Bäume in jedem Alter, wie er sagt. Zum Bestand, an dem die Passanten und Nachbarn so sehr hängen, teils dort als Kinder gespielt haben und sich auch wünschen, dass dieser Ort auch den Kindern von heute als Spielplatz erhalten bleiben möge, gehören aber auch 100-jährige Gewächse. Irgendwann werden Bäume auch ihres Alters wegen zum Risiko für Passanten, gibt Nussbaumer zu verstehen.

Was den Pilz, der sich schmuck Chalara fraxinea nennt, beziehungsweise die Folgen seines Auftretens gefährlich macht: Er sorgt für das Vertrocknen von Ästen, die dann spontan oder bei Schneelast beziehungsweise unter Windeinfluss abbrechen können und je nachdem Passanten treffen könnten. «Solche Zustände lassen sich nur schwerlich rechtfertigen», sagt Nussbaumer, der nebenbei bemerkt, der Holzschlag am Ruttigerweg sei nicht etwa ein rentables Geschäft, sondern gestalte sich aufgrund des steilen Geländes als sehr aufwendig. Voraussichtlich wird ein Teil des gefällten Holzes via Kran aus dem Schlaggebiet entfernt. Ein Helikoptereinsatz dagegen stehe aber nicht zur Diskussion, tönts aus dem zuständigen Forstbetrieb Unterer Hauenstein.

Es gibt Ersatz

Für Nachbarn bleibt vorderhand der Trost, dass nicht der ganze Baumbestand beseitigt wird. Eschen etwa, die nicht befallen sind, bleiben wahlweise erhalten. Und für diejenigen Bäume, die entfernt werden, halten die Verantwortlichen Ersatz bereit: logischerweise nicht Eschen, sondern Eichen, Berg- und Spitzahorne, wie Nussbaumer erklärt.

Bei der Waldbesitzerin, der Bürgergemeinde Olten, haben sich – entgegen den Einträgen auf Facebook – allerdings keine besorgten Bürgerinnen und Bürger gemeldet, wie Bürgerschreiberin Arlette Maurer auf Anfrage bestätigt. «Gar nichts haben wir gehört», meint sie. «Ich bin selbst überrascht von diesem Umstand.» Auch beim Forstwerkhof seien wohl keine Klagen oder Fragen zum bevorstehenden Schlag eingegangen. «Sonst hätten wir mit Sicherheit davon erfahren», meint die Schreiberin weiter.

Mehr Licht

Mit dem Schlag verschwinden am steilen Bord auch solche Bäume, die im Laufe der Jahre eine doch veritable Höhe erreicht haben und für einen gewissen Schattenwurf im darunter liegenden Steinacker-Quartier sorgen. Deshalb gabs auf Facebook auch eine Stimme, die sich verständnisvoll äusserte zum bevorstehenden Schlag. «Die, die unterhalb wohnen, sind froh, dass es mehr Licht gibt. 30 Jahre ohne etwas abzuholzen reicht doch?»

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