Warum sollten Sie zum Gemeindepräsidenten von Wangen gewählt werden? Was zeichnet Sie für dieses Amt aus?

Daria Hof-Schwarzentruber: Ich bin, wie es meinem Wahlflyer zu entnehmen ist, authentisch, dynamisch und engagiert. Authentisch, weil ich lebe, was ich sage. Dynamisch und engagiert, weil ich mich mit dem Dorf identifiziere, aktiv am Dorfleben teilnehme und mich für die Anliegen der Dorfbevölkerung einsetze.

Christian Riesen: Mit mir gibt es frischen Wind in die Gemeinde. Als Gewerbler bin ich gewohnt zu agieren, statt nur zu reagieren. Daneben bringe ich von allen Kandidaten die wahrscheinlich passendsten Ausbildungen und Qualifikationen mit, bewege mich in einem grossen Netzwerk aus Wirtschaft und Politik und würde meine Gemeindepräsidenten-Entschädigung als einziger für die Bevölkerung und die Vereine investieren. Den Brunnerhofplatz habe ich bereits auf eigene Kosten gemietet.

Patrick Schmid: Ich lebe seit meinem fünften Lebensjahr in Wangen, bin hier verwurzelt und habe, einfach gesagt, die Gemeinde gern. Seit zehn Jahren bin ich im Gemeinderat. Nun möchte ich mit dem neu gewählten Gremium viel Neues bewegen und die Herausforderungen, welche auf uns zukommen, angehen. Ich habe Führungserfahrung, bin kommunikativ, teamfähig und gehe gerne auf Menschen zu. Für mich beste Voraussetzungen, dieses Amt auszuführen.

Was braucht Wangen nach Ihrer Ansicht am dringendsten?

Hof-Schwarzentruber: Neue Impulse: Mutig, aber trotzdem massvoll und nachhaltig investieren ins kulturelle Leben, indem neue Anlässe initiiert und bestehende Anlässe gestärkt werden. Investieren in die Infrastruktur, indem man diese zukunftsweisend ausbaut und investieren in Angebote zu Tagesstrukturen für Familien, indem man optimale Voraussetzungen aufzubauen hilft.

Riesen: In Wangen sollen in den nächsten Jahren 450 Wohnungen gebaut werden. Das sind 1000 Einwohner beziehungsweise über 500 Erwerbstätige mehr. Wenn diese nicht in Wangen arbeiten können, müssen sie pendeln. Wenn sie das mit dem Zug tun, sind das alleine fünf volle Perrons – zwei Mal am Tag! Darum müssen wir unbedingt wertschöpfungsintensive Firmen ins Dorf holen. Industrieland haben wir.

Schmid: Das Schaffen einer Stelle für Schul- oder Jugendsozialarbeit steht für mich an erster Stelle. Aufgrund der Neubesetzungen im Gemeinderat muss aber prioritär die Führung der Gemeinde sichergestellt werden. Damit meine ich die Besetzung der entsprechenden Ressorts, die Wahl der Kommissionen und die Behandlung von Geschäften, welche bis zur Budgetgemeindeversammlung im Dezember traktandiert werden.

Aktuell zahlen die Wangner 119 Prozent Steuern. Die pro Kopf-Verschuldung liegt noch bei 403 Franken. In welche Richtung soll sich der Steuerfuss künftig bewegen?

Hof-Schwarzentruber: Den Steuerfuss möchte ich vorläufig bei 119 Prozent belassen, um anstehende Investitionen sicher tätigen zu können. Eine davon ist der Erweiterungsbau am Schulstandort Alp. Zudem ist ein weiterer Schuldenabbau von alten und teuren Schulden anzustreben. Ich werde mich für einen ausgeglichenen Finanzhaushalt einsetzen, weil dieser die Voraussetzung für eine gesunde Entwicklung darstellt.

Riesen: In den kommenden Jahren müssen wir die Balance finden, um bestehende Schulden abzubauen, notwendige Infrastrukturprojekte erfolgreich durchzuziehen und als Gemeinde nicht nur Wohnraum, sondern auch wertschöpfungsintensive Arbeitsplätze anzusiedeln. Wenn uns Letzteres gelingt, gewinnen alle. Ich möchte keinesfalls Steuern oder Gebühren erhöhen müssen. Steuern irgendwann gar senken zu können wäre wünschenswert.

Schmid: Durch die guten Abschlüsse in den letzten Jahren muss sich der neue Gemeinderat sicher sehr rasch mit dieser Frage auseinandersetzen und sich anlässlich des Legislaturworkshops dazu Überlegungen machen und Vorgehensweisen für die nächsten Jahre definieren. Mir persönlich ist es wichtig, mit einem gesunden Steuerfuss weiterhin Schulden abbauen und gleichzeitig nötige sowie mutige und innovative Investitionen tätigen zu können.

Halten Sie das prognostizierte Wachstum der Gemeinde (bis ins Jahr 2027 500 neue Wohneinheiten, ein Fünftel mehr Haushaltungen als heute) für das Sozialgefüge und die Infrastruktur des Dorfes vertretbar?

Hof-Schwarzentruber: Die meisten Wohneinheiten werden in bereits erschlossenen Gebieten realisiert. Der Ausbau der Infrastruktur ist sowohl in Gang gesetzt (Generelles Entwässerungsprojekt) wie auch in Planung (Schulhäuser). Das Sozialgefüge ist bereits gegeben: Alle sozialen Schichten sind in Wangen vertreten und werden dies weiterhin sein. Somit halte ich das Wachstum für vertretbar.

Riesen: Wenn die Gemeinde einfach zuschaut und verwaltet, könnte das prognostizierte Wachstum zu einem echten Problem werden. Alleine durch den Mehrverkehr. Darum würde ich als Gemeindepräsident unbedingt mit Besitzern von Industrieland, Unternehmen und der Wirtschaftsförderung aktiv kommunizieren, um wertschöpfungsintensive Unternehmen (etwa im Technologiebereich) nach Wangen zu holen.

Schmid: Die Zahlen sprechen dafür, dass Wangen als Wohngemeinde sehr attraktiv ist. Das hat sicherlich mit der Lage und dem Schulstandort zu tun. Die Aufgabe wird es nun sein, die nötigen Strukturen zu planen und den zukünftigen Begebenheiten anzupassen. Mit der Einsetzung einer Arbeitsgruppe Gemeindeentwicklung wurde der erste Schritt bereits vollzogen. Das wird in den nächsten Jahren sicherlich ein Schwergewicht bleiben.

In Wangen war lange Zeit die Rede vom Bau einer Mehrzweckhalle. Halten Sie dieses Thema noch immer für aktuell?

Hof-Schwarzentruber: Ich halte es für aktueller denn je. Um kulturelle Anlässe, den Ausbau der Schulen und das Vereinsleben fördern zu können, macht der Bau einer flexibel nutzbaren Anlage Sinn.

Riesen: Wenn sich die Gelegenheit bietet, eine Mehrzweckhalle zu realisieren und man dabei auch langfristig die Steuern nicht erhöhen muss, bin ich an vorderster Front dabei, das Thema aktiv anzugehen und zu verwirklichen – sofern eine Mehrheit der Wangner Bevölkerung auch so denkt. Schlussendlich ist immer das Stimmvolk Chef und sagt, was es will. Für eine Mehrzweckhalle müsste so oder so die Bevölkerung befragt werden.

Schmid: Mit der Alphalle haben wir eine Infrastruktur, welche aus meiner Sicht den momentanen Bedürfnissen gerecht wird. Durch die Planung von Schulraumerweiterung wird in den nächsten Jahren das Thema an einem anderen Standort sicher wieder aktueller, da ja auch die Bevölkerung weiter wachsen wird. Der Nutzen einer grösseren Halle für Schule und Vereine muss sicher auch dann seriös abgeklärt werden.

Wie stellen Sie sich als Bewohner einer Agglomerationsgemeinde zu einer möglichen Fusion mit der Zentrumsstadt Olten?

Hof-Schwarzentruber: Das ist für mich überhaupt kein Thema. Wir unterhalten Zweckverbände und Verträge mit der Regionalen Feuerwehr Untergäu, der Sozialregion Untergäu, der Spitex sowie anderen und sind somit regional bereits vernetzt. Weitere Zusammenarbeiten in anderen Bereichen sind gründlich zu prüfen und wenn nötig sinnvoll umzusetzen.

Riesen: Als Projektleiter bin ich kein Freund von unübersichtlichen Gebilden, die finanziell keine Vorteile bieten und ein Dorf wie Wangen in die Anonymität führen würden. Im Gegenteil: Wir müssen das Dorfleben aktivieren und Kooperationen dort eingehen, wo sie Sinn machen. Die Kooperationen können dabei je nach Thema völlig unterschiedlich aussehen. Und das ist auch gut so.

Schmid: Ich bin für Eigenständigkeit. Die Gemeindeautonomie ist für mich ein wichtiges Gut, welches uns Wangner ermöglicht, selber und eigenständig über unsere Anliegen und Bedürfnisse entscheiden zu können. Aufgrund der speziellen Lage, des Schulsystems, den Strukturen und anderen Themen unterscheiden wir uns doch in einigen Punkten von der Nachbarstadt Olten.

Wangen führt eine eigene Sekundarstufe I. Sehen Sie Kooperationsmöglichkeiten mit anderen Sekundarstufen?

Hof-Schwarzentruber: Eine Kooperation besteht bereits mit der Kantonsschule Olten, an welcher unsere Schülerinnen und Schüler das Niveau P besuchen. Weitere Kooperationen erachte ich als nicht notwendig, da Wangen bei einem Bevölkerungszuwachs auch mit höheren Schülerzahlen rechnen kann.

Riesen: Es wäre gefährlich, Kooperationsmöglichkeiten a priori abzulehnen und dem Status quo eine Besitzstandswahrung zuzusprechen. Auch bei der Bildung muss erlaubt sein, Kosten und Nutzen genau anzuschauen, um die jeweils bestmögliche Lösung zu finden. Das Geld muss auf jeden Fall in erster Linie in die Bildung fliessen, statt in die Verwaltung derselben. Bei der Musikschule sehe ich diesbezüglich Tendenzen, die mich hellhörig machen.

Schmid: Dass Wangen alle Stufen der Volksschule im eigenen Dorf anbietet und alle Schülerinnen und Schüler in Wangen zur Schule gehen können (bis auf die Sek P), finde ich fantastisch und hat auch eine gewisse Tradition. Aktiv würde ich nicht auf eine andere Schule zugehen, bin aber offen, wenn eine solche Anfrage auf uns zukommen würde.

Soll die Hauptstrasse von Wangen nach der ERO-Eröffnung noch siedlungsorientierter werden?

Hof-Schwarzentruber: Die Hauptstrasse ist eine wichtige Verbindung des gesamten Gäus mit Olten und für den Busbetrieb als eine der Hauptverkehrsachsen unentbehrlich. Entsprechend soll die Hauptstrasse ihre Funktion wie bis anhin beibehalten. Siedlungsorientierter ausbaufähig sind hingegen alle Quartierstrassen, in welchen Tempo-30- und Blaue Zonen durchaus Sinn machen.

Riesen: Diese Frage stellt sich für mich momentan aus zwei Gründen nicht. Einerseits sind 450 neue Wohnungen prognostiziert, was rund 1000 neue Einwohner und entsprechend Mehrverkehr bedeutet. Andererseits ist die Hauptstrasse eine Kantonsstrasse, bei der die Gemeinde wahrscheinlich nur bedingt mitreden kann. Und als Ingenieur bin ich dagegen, dass Geld für etwas ausgegeben wird, dass später sowieso wieder teuer korrigiert werden muss.

Schmid: Das befürworte ich sehr. Hier muss in den nächsten Jahren wieder vermehrt ein Schwergewicht gebildet und die oben erwähnte Arbeitsgruppe forciert werden. Ein dynamisches Dorfzentrum lebt aber auch von seinen Einwohnerinnen und Einwohnern, welche es beleben. Ich wünsche mir Beizen, welche nicht geschlossen sind und kompetente Gewerbebetriebe, wie wir sie heute haben. So gesehen sind wir alle ein wenig in der Pflicht.

Waren Sie je zu Gast beim türkisch-kulturellen Verein in Wangen, welcher das Minarett bauen liess? Und: Stört Sie das Minarett?

Hof-Schwarzentruber: Ich habe den türkisch-kulturellen Verein noch nie besucht. Einer Einladung würde ich aber gerne Folge leisten. Das Minarett stört mich nicht. Seit seinem Bestehen gab es auch noch nie Anlass zu Diskussionen. In einer heterogenen Gesellschaft, wie sie heutzutage Alltag ist, ist Integration ein wichtiger Bestandteil zum kulturellen Leben in einem Dorf.

Riesen: Ich war eine der ganz wenigen Personen, die dabei waren, als das Minarett erstellt wurde. Meine Bilder und Videos wurden von der Presse landesweit verwendet. In den Räumlichkeiten war ich noch nie, obschon es mich sehr interessiert, was der Verein dort macht und wer sich dort trifft. Als Gemeindepräsident möchte ich auch den türkisch-kulturellen Verein kennenlernen. Das Minarett stört mich nicht. Es ist ein bewilligter Aufbau.

Schmid: Ich war Mitglied der damaligen Bau- und Planungskommission, welches dieses Geschäft behandelte und kann mich noch gut an den Rummel erinnern. Dieser ist in den letzten Jahren abgeflacht. Es spricht kaum noch jemand über das Minarett. Für mich heisst das, dass der Verein in Wangen akzeptiert ist. Mich selber stört es nicht, Gast beim Verein war ich noch nie, bin aber offen für einen künftigen Besuch.