Weil die beiden vorwitzigen Schneehäschen nicht aufgepasst haben, ist der Zauberspiegel ihrer Herrin, der Schneekönigin, in tausend Splitter zerbrochen. Das Herz des jungen Kay wird von einem der Splitter getroffen und verwandelt sich in Eis. Er kennt seine Freundin, die Nachbarstochter Gerda, nicht mehr und zieht mit seinem Schlitten in den Eispalast der Königin. Die mutige Gerda beschliesst, den Verschwundenen zu suchen ...

Ballettschulleiterin Victoria Gsell stellte die ersten Szenen ihrer Produktion gegeneinander und trennte sie mit Blackouts, die allerdings zuerst zeitlich noch etwas gar lang geraten waren: die unschuldigen Spiele der beiden Teenager auf der einen Seite, das spassige Treiben der kleinen Häschen am eisigen Hofe auf der anderen. Beides sind Sprechszenen mit humorvollen, aber nicht immer ganz überzeugend gestalteten Mundarttexten. Assoziativ zum Text werden zahlreiche Tanzszenen eingeflochten. Wenn Kay seiner Liebsten eine Rose überreicht, tanzen die Blumenfeen und später noch einmal Blümchen und putzige Marienkäfer wild durcheinander.

Gross und Klein gemeinsam

Die aus der Ukraine stammende, aber seit vielen Jahren in der Schweiz wirkende Tanzpädagogin mischt in ihrer 10-Jahr-Jubiläumsproduktion in den Gruppentänzen mehrmals die verschiedenen Ausbildungsstufen: Besonders reizvoll gelingt dies im Auftritt der Fliegenpilze, wo sich kleinste Schülerinnen und bereits Fortgeschrittene in hübschen Kostümen in einem köstlichen Ringelreihen finden. Das hat seinen Charme, denn nicht immer gelingt den ganz Kleinen alles so, wie sie es gerne selber zeigen möchten.

Dafür brillieren in kleineren Gruppen oder sogar in Soloauftritten die erfahreneren Schülerinnen. Sie bewähren sich in vielen Tanzsparten: so etwa im barfuss getanzten Modern Dance oder dann im Stepptanz-Solo und nicht zuletzt im rasanten Rock‘n’Roll zum guten Schluss, wo sich zu den zehn Mädchen in den weiss getupften blauen und roten Teenagerröcken zwei junge Burschen in Jeans und ebenfalls getupften Hemden gesellen. Männliche Darsteller sind sonst rar im rund 120-köpfigen Ensemble des Spectacolo-Jugend- und Kinder-Tanztheaters: Ballett und Tanz scheinen hierzulande bei Laien vorwiegend eine Angelegenheit für Mädchen und junge Damen zu sein.

Musik ab Tonband

Zu den verschiedenen Tanzstilen gehören selbstverständlich auch verschieden Musikstile, vorwiegend internationale Schlager und Pop-Balladen in Kurzfassungen. Aber auch das unverwüstliche «Guggerzytli» ist zu hören und die stilisierten Trachtenkleidchen samt den paar blonden Zöpfchen wussten auch dieses Jahr zu gefallen. Auf ihrem Weg zur stolzen Schneekönigin überlistet die mutige Gerda eine Zauberfee, sie begegnet indianischen Kriegerinnen und Rentieren und fast gar landet sie bei einer Räuberfamilie im Topf: Es gelingt ihr aber mühelos, alle Abenteuer zu überstehen. Und so findet sie denn zum guten Glück ihren Kay wieder und die Glasscherbe aus dessen Herz ist das letzte Puzzleteilchen im Zauberspiegel, den er wieder zusammengesetzt hat. Happy End.

In dieser Lesart ist aus einem unschuldigen Kindermärchen von Hans Christian Andersen unversehens eine kleine Geschichte vom Erwachsenwerden geworden: Mit viel Eifer von den Kindern und Jugendlichen dargeboten begeisterte die «Schneekönigin»-Produktion im gut gefüllten Oltner Stadttheater das Publikum, in dem sich viele Eltern und Verwandte der grossen Darstellerschar befanden.