Olten
Hochschul-Studie teilt Begegnungszentrum Cultibo Bestnoten aus

Das Begegnungszentrum auf der rechten Aareseite in Olten hat für die Quartierbewohner viele Vorteile. Cultibo soll die Integration der Migranten fördern.

Fabian Muster
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Kinderschminken beim Fest zum 5-jährigen Bestehen des Cultibos Ende April.

Kinderschminken beim Fest zum 5-jährigen Bestehen des Cultibos Ende April.

bko

Das seit fünf Jahren existierende Cultibo fördere die Integration der Migranten, rege im schweizweiten Vergleich durchschnittlich viele Quartierbewohner zu Freiwilligenarbeit an und sei für viele Besucher zu einer «zweiten Heimat» geworden. So könnte man die von der Stadt Olten auf Anregung des Bundes in Auftrag gegebene 28'000-fränkige Studie über das Quartier- und Begegnungszentrum auf der rechten Aareseite zusammenfassen. Das 21-seitige Papier der Hochschule Luzern, welches am Dienstag veröffentlicht wurde, teilt dem Cultibo in weiteren Punkten Bestnoten aus und gibt auch ganz klar eine Empfehlung zuhanden der Stadt ab: Sie solle die per Ende dieses Jahres auslaufende Leistungsvereinbarung erneuern. Das Cultibo werde mittlerweile auch schweizweit als gelungenes Beispiel für die Etablierung eines Quartierzentrums betrachtet.

Cultibo-Vereinspräsident Paul Dilitz zeigt sich erfreut: «Die Studie bestätigt aus externer Sicht, was wir vom Verein schon lange so sehen.» Bereits jetzt steht Dilitz mit der Stadt in Verhandlungen, wie die Leistungsvereinbarung weitergeführt werden soll, über die im November auch das Gemeindeparlament befinden muss.

Die Stadt hat ihr finanzielles Engagement in den letzten drei Jahren nach der ersten Pilotphase Schritt für Schritt zurückgefahren: Zwar wurden die jährlichen Mietkosten für das Haus an der Aarauerstrasse 72 von 36'000 Franken noch immer übernommen. Doch die Unterstützung der 80-prozentigen Stelle für die Zentrumsleitung schrumpfte von 72'000 Franken (2014) auf einen Viertel in Höhe von 18'000 Franken (2016).

Weil der Kanton und diverse Stiftungen finanziell mit rund 100'000 Franken einsprangen, konnte der Betrieb trotzdem im gewohnten Rahmen aufrecht respektive in den letzten Jahren sogar ausgebaut werden.

Für die Studie wurden Interviews und Gruppendiskussionen mit Besuchern, Quartierbewohnern, Cultibo-Verantwortlichen, aber auch Politikern und Stadtangestellten geführt. Angereichert wurde die Untersuchung zudem mit weiteren Daten wie Veranstaltungs-Programmen oder Medienberichten. Mehrere Punkte wurden dabei positiv herausgestrichen:

  • Es gibt ein vielfältiges Angebot, welches dank der teilweisen Ausrichtung auf Migranten zur Integration beiträgt, aber auch Familien mit kleinen Kindern anspricht. Die Veranstaltungen werden gut auf die Bedürfnisse der Quartierbewohner ausgerichtet, bedürfen keiner Anmeldung oder spezieller Vorkenntnisse, was sich zum Beispiel in den stetig steigenden Besucherzahlen auswirkt.
  • Einige Besucher werden in relativ kurzer Zeit zu Freiwilligen. Viele Angebote und lokale Initiativen entstehen auf Betreiben der Besucher respektive Quartierbewohner oder bereits im Cultibo-tätigen Freiwilligen. Vor allem Migranten engagieren sich im schweizweiten Vergleich häufiger freiwillig im Cultibo. Auch das trägt zur Integration bei.
  • Im Cultibo werden alle Einwohner des Quartiers angesprochen, nicht nur Migranten oder Neuzuzüger. Der Austausch zwischen den Einwohnern mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund fördert die Gemeinschaft, die nachbarschaftlichen Beziehungen und beugt möglichen Konflikten vor. Auch für die Stadt Olten ergeben sich positive Effekte, weil der Vereinsamung vorgebeugt und die Standortattraktivität des Quartiers erhöht wird.

Zentrumsleitung stark ausgelastet

Doch die Studie zeigt auch auf, was noch besser gemacht werden könnte und gibt mehrere Handlungsempfehlungen ab. Klar zum Ausdruck kommt, dass der Erfolg des Cultibos ohne professionelle Zentrumsleitung nicht möglich gewesen wäre. Weil das Angebot in der jüngsten Vergangenheit klar gesteigert wurde, ist die Zentrumsleitung derzeit stark ausgelastet. «Wir müssten die 80-Prozent-Stelle eigentlich ausbauen, was zurzeit aber nicht realistisch ist», sagt Präsident Dilitz. Die bisherige Leiterin Timna Tal bestätigt den Befund. Um den Mehraufwand zu kompensieren, übernehmen Freiwillige mehr Verantwortung und organisieren etwa Kurse. Als Entlastung vorgeschlagen wird von der Studie etwa eine günstige Stellenaufstockung über einen Praktikumsplatz. «Das werden wir mit dem neuen Leiter sicher anschauen», sagt Dilitz.
Ebenfalls empfohlen wird eine verbesserte Öffentlichkeitsarbeit, weil einige Befragte das Begegnungszentrum vor allem als «Ausländertreffpunkt» wahrnehmen. Aus dieser Perspektive wird der Integrationsnutzen für die Migranten infrage gestellt.