Drei Nähmaschinen, zwei Bügelbretter und ein grosser Gruppenarbeitstisch. Ein Klassenzimmer im Oltner Bifang-Schulhaus hat sich in eine Kostüm-Werkstatt verwandelt. Überall hängen oder liegen Kleidungsstücke. Fünf ältere Damen sind eifrig am Werkeln. Franziska kürzt einen Ärmel, Verena versucht eine neue Nadel in die Nähmaschine einzusetzen und Esther näht von Hand eine auf Stoff geschriebene Botschaft auf eine Hose. «Neuwahlen jetzt. 48 Stunden sind genug.» Die Hobby-Schneiderinnen nähen für den Generalstreik.

Genauer gesagt, für das Theater zum 100-jährigen Jubiläum des Streiks von 1918 (siehe Box). Am 16. August steigt die Premiere in der alten SBB-Hauptwerkstätte in Olten.
Angeleitet werden die freiwilligen Helfer von Eva Butzkies. Die Deutsche ist verantwortlich für das Kostümdesign des Theaterstücks. Prototypen entwerfen, Schneidern, Anprobe. Butzkies wäre gerne an mehreren Orten gleichzeitig, um ihrem «150-Prozent-Job» gerecht zu werden. Weil sie nicht alles alleine machen kann, ist der Wirbelwind froh, in Rita Lanz und Esther Gerhard zwei Verbündete gefunden zu haben.

Lanz ist Gründungsmitglied des Begegnungszentrums Cultibo. An einem Infoabend wird sie auf das Jubiläumstheaterstück aufmerksam und bietet Butzkies ihre Hilfe an. «Das wird ein tolles Theaterstück. Es ist schön, etwas Spezielles nach Olten zu bringen», sagt Lanz. Durch ihre Kontakte kam auch die Schneiderwerkstatt im Bifangschulhaus zustande.

1000 Kostüme, kein Lohn

Die Werkstatt wird von Butzkies zweitem «Glücksgriff» geleitet. Weil die Kostümbildnerin nicht immer selbst anwesend sein kann, hat Esther Gerhard die Rolle der Schneiderwerkstattleiterin übernommen. Gerhard war zwar jahrelang für das Outfit einer Gugge verantwortlich. Als Theaterkostümdesignerin ist sie aber Autodidakt. Jetzt kümmert sich Gerhard um die Schichtpläne und ist als einzige immer mit dabei, wenn wieder eine Gruppe Freiwilliger für eine Nähschicht im Bifangschulhaus zusammenkommt. Für ihren grossen Einsatz wird Gerhard nur mit einem symbolischen Obolus entlöhnt. «Mit Kultur kann man nicht reich werden», sagt Butzkies. Die freiwilligen Helfer wie Verena und Franziska kommen, weil sie Spass am Nähen und an der Gesellschaft haben.

Das Nähgrüppchen besteht aus 20 bis 25 Leuten. Wenn mehr als drei Zeit haben, wird die Schicht durchgeführt. Man muss kein Profi sein, um mithelfen zu können. Jeder ist willkommen. Auch Männer. «Nähen ist kein Hexenwerk. Sollte ein Mann bei uns vorbeischauen, gibt es auch einen Einführungskurs von mir», sagt Butzkies. Im Juni für die Gesamtdurchläufe sollen die Kostüme fertig sein. Bis dahin haben die fleissigen Schneiderlein – so der Plan – die über 1000 Kleidungsstücke für die rund 120 Schauspieler fertig genäht.

Lust mitzuhelfen? Anmeldung an eva@evabutzkies.com. Weitere Infos und Tickets für das Theater auf 1918.ch.