Olten
Hier sind die Chilbifreunde daheim – ein Augenschein bei den Schaustellern

Am Samstag ab 16 Uhr startet der grosse dreitägige Rummel in der Oltner Innenstadt; über 50 Beizen und Bahnen sorgen für Spektakel, Geselligkeit und Nervenkitzel.

Urs Huber
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Hanspeter Maier, links, betreibt in Olten die «Super Chaos», sehr zur Freude von Andreas Minder, Bereichsleiter Gewerbe der Stadtpolizei.

Hanspeter Maier, links, betreibt in Olten die «Super Chaos», sehr zur Freude von Andreas Minder, Bereichsleiter Gewerbe der Stadtpolizei.

Bruno Kissling

Olten ist noch immer der Ort, wo die Chilbifreunde daheim sind. Alles andere ist Lüge. «Olten – the place to be», würde der chilbifreudige Engländer sagen. Dies jedenfalls bestätigen die Schausteller, die regelmässig die hiesige Chilbi bestücken und mit ihren Attraktionen bereichern.

Einer unter ihnen: der Ostschweizer Hanspeter Maier. Er ist mit seiner brandneuen «Super-Chaos» unterwegs, die – in Anschaffung- und Ausrüstung rund 1,5 Mio. Franken schwer – noch nicht mal getauft ist. «Das wird in Wetzikon nachgeholt», sagt Mayer. Die hiesige Schützenmatte ist nach Romanshorn nämlich erst der zweite Ort, wo die «Bahn» aufgestellt ist.

«Olten hat eine chilbifreudige Bevölkerung», weiss der Schausteller und verschweigt auch nicht, dass er der guten Geschäftsmöglichkeiten wegen hier ist. Das freut ihn und auch Andreas Minder, Oltens Chilbichef. «Eine Neuheit ist immer eine zusätzliche Attraktion», sagt er. Und was Maier in diesem Zusammenhang ebenfalls nicht verschweigt: Er ist irgendwie der Vater der kleineren Version, die sich lediglich «Chaos» nennt. Seine Vorstellung davon hatte Maier, nach einem Wiesn-Besuch in München, einem holländischen Bahnenbauer nähergebracht. Mit durchschlagendem Erfolg, wie Maiers nobler Wohnwagen beweist.

«Patentieren lassen hatte ich die Sache noch müssen», sagt er noch, ehe er die Frage nach der Belastbarkeitsgrenze für den Menschen auf der «Super-Chaos» beantwortet. «Länger als fünf Minuten hälts keiner aus», sagt er in spritzigem Ostschweizer-Dialekt. Und er deutet damit an, dass er sie auch nicht «länger als 300 Sekunden», wie er sagt, laufen lässt – am Stück, wohlverstanden. Selbst wer sich die Bahn von ferne in Betrieb besieht, dem wird mulmig. Auch Minder winkt ab. «Das ist nichts mehr für unsereins», sagt er belustigt.

Schon seit bald 30 Jahren ist Maier in Olten dabei; quasi ein Zungenschlag im Vergleich zu René Senn, der seit 44 Jahren in Olten mitmacht. Der Rentner (68) führt den Schaustellerbetrieb in 3. Generation und präsentiert heuer die Looping-Schaukel. «Die Zeiten haben sich geändert», sagt er. Wohl wahr. Senns Grossvater war noch mit Karussell und einem kleinen Riesenrad unterwegs, das sich «russische Hochfahrt» nannte. Eigenartiger Name. Senn zuckt mit den Schultern. «Keine Ahnung, wo der herkam; das Riesenrad mit einem Durchmesser von 10,12 Metern hiess einfach so», sagt er noch. Für 3 Franken lässt es sich bei Senn schaukeln. Allerdings brauchts dazu ein bisschen Geschick, Sinn für Gewichtsverlagerungen und Kalorien, die man sich bei den vielen Verpflegungsständen und Beizen (insgesamt über 50) später wieder zuführen mag.

Etwa bei der Fröscheweid-Zunft, die sich auch heuer an die traditionelle Bratwurst vom Holzkohlegrill hält. «Rund 80 Personen sind über die kommenden Tage im Einsatz», erklärt «Platzchef» Urs Ulrich. Doch, doch, die bringe man gut zusammen, meint er noch. Der Einsatz stärke auch den Zusammenhalt in der Zunft, so Ulrich. Ein kleines OK besorge jeweils die Vorbereitungen. Das werde schon lange so praktiziert. Wie lange? Grosse Diskussionen. Schliesslich einigt man sich auf «wohl 30 bis 35 Jahre». Dann macht sich Ulrich mit seinen Zünftlern wieder auf. Man hat auch am Freitagnachmittag Gäste zu versorgen.

Sind die Kalorien erst mal wieder zugeführt, empfiehlt sich vielleicht ein hübscher Verdauungs-Rums auf der Scooterbahn von Rudolf Stieger, dem einzigen Schausteller aus Olten selbst. Die Stadt gehöre aus Schaustellersicht zu den besseren Orten, sagt er, während er die Deko-Lämpchen auf ihre Funktionsfähigkeit überprüft. Auf jeden Fall dann, wenn das klassisch gute Chilbiwetter herrscht. Und das sieht wie aus? «So wie jetzt», sagt Stieger, «leicht bewölkt und etwa 20, 22 Grad warm.»

Die Prognosen scheinen nicht schlecht zu stehen für die Gäste, die 50 Marktfahrer und Betreiber der 52 Bahnen und Buden. Und vielleicht liegt sogar eine Verlängerung der samstäglichen Öffnungszeiten bis 2 Uhr drin. Aber darüber wird erst am Samstag entschieden.