Olten
Hier können Bedürftige gratis shoppen

Mit «Street Store» kommt erstmals ein Hilfsprojekt in die Schweiz, bei dem Asylbewerber und Sozialhilfebezüger gratis shoppen können. In Olten soll ein öffentlicher Raum mittels Plakaten in einen kostenlosen Kleiderladen verwandelt werden.

Gabriela Strähl
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Kartontafeln dienen als Kleiderbügel oder als Schuhschachtel. Street Store im August 2015 in Sydney, Australien.

Kartontafeln dienen als Kleiderbügel oder als Schuhschachtel. Street Store im August 2015 in Sydney, Australien.

zvg

Mit «Street Store» kommt ein im Ausland bewährtes Hilfsprojekt erstmals in die Schweiz. Hinter dem Projekt steckt die Idee, einen öffentlichen Raum mittels Plakaten in einen kostenlosen Kleiderladen zu verwandeln, wo sich diejenigen bedienen können, die die Kleider am dringendsten benötigen.

Ermöglicht wird dies durch Kleiderspenden. Am Samstag, 9. April, öffnet der Street Store Olten von 11 bis 15 Uhr im Provisorium 8 am Rötzmattweg 8 in Olten seine Türen. Hinter dem Projekt steckt Sara Moser, die den Street Store mit einem vierköpfigen Team organisiert. Die Aktion ist Teil ihrer Bachelorarbeit in Sozialer Arbeit an der Fachhochschule Olten.

Kleider aussuchen können

«Die Idee ist es, Menschen ein Gefühl von Shopping in einem schönen Laden zu ermöglichen, die sonst hauptsächlich Kleidersammlungen gewohnt sind», erklärt Sara Moser. Dabei orientiert sie sich an einer Projektidee aus Südafrika (siehe Kasten).

Projekt Street Store weltweit

Der erste Street Store öffnete im Januar 2014 in Kapstadt, Südafrika. Das Projekt richtet sich an Menschen, die unter dem Existenzminimum leben, speziell an Obdachlose. Kleiderspenden machen möglich, dass diese Menschen gratis Kleider beziehen können. Aufgrund des Erfolgs machten die Gründer Max Pazak und Kayli Vee Levitan ein Open-Source-Projekt daraus. Seither wurden über 400 Street Stores in vielen Städten Afrikas, Europas, Südamerikas und dem Rest der Welt abgehalten. (GS)

Das Zielpublikum sind hauptsächlich Bezüger von Sozialhilfe und Asylsozialhilfe, für die ein Gang in ein Modegeschäft zu teuer ist. Um ihnen besagtes Gefühl zu ermöglichen, gestaltet das Organisationsteam das Provisorium 8 wie einen richtigen Laden und setzt Freiwillige ein, die die Besucher beraten.

Die Kleider sind für Sozialhilfebezüger, Asylbewerber und temporär Aufgenommene bis zu sechs Stücken kostenlos, wenn sie einen von der Sozialregion unterschriebenen Gutschein mitbringen. Jedes weitere Stück kostet fünf Franken. Alle anderen Besucher bezahlen pro Stück einen Betrag von zehn Franken. Allfällige Gewinne, die an diesem Tag eingenommen werden, gehen an die Winterhilfe Schweiz, die gegen Armut in der Schweiz vorgeht.

Dank Spenden möglich

Im Vorfeld machte das Organisationsteam mit Spendenbriefen und Flyern auf die Aktion aufmerksam. Anfangs März veranstalteten sie einen Sammeltag für Kleider, Schuhe und Accessoires. Sara Moser zeigt sich sehr zufrieden mit dem Resultat: «Wir haben viele schöne Kleidung gesammelt und mussten fast nichts entsorgen.» Besonders Privatpersonen halfen mit Spenden und Kleidern. Die Reaktionen, so Sara Moser, waren von allen Seiten sehr positiv.

Erfreulich ist auch, dass am 9. April gut 25 Freiwillige beim Aufstellen, Beraten und Abbauen im Street Store mithelfen werden, die hauptsächlich im Bekanntenkreis oder über die Facebook-Seite erreicht wurden. «Manche haben den Flyer gesehen und uns direkt angesprochen, ob sie mithelfen können», freut sich Sara Moser über das Engagement.

Arbeit an der Fachhochschule

In ihrer Arbeit macht der Street Store aber nur einen kleinen Teil aus. Den Hauptschwerpunkt legt Sara Moser auf relative Armut im Kanton Solothurn. «Relative Armut bedeutet, im Gegensatz zur absoluten Armut, keine Bedrohung der Lebensgrundlage. Es bedeutet aber, dass die Menschen in der Teilhabe am Leben in der Schweiz eingeschränkt sind», so Sara Moser. Der Street Store setzt einen Aspekt davon in die Praxis um, indem sich Sozialhilfebezüger schöne Kleider aussuchen können, ungeachtet ihrer finanziellen Situation. An besagtem Samstag wird Sara Moser auch mit den Besuchern des Ladens sprechen. Eine Befragung und Auswertung im grösseren Stil ist aber nicht geplant.

Gerne würde das Oltner Team von Street Store Schweiz die Aktion wiederholen. Der Zeitpunkt ist allerdings noch unklar. Vielleicht, so hofft Sara Moser, werden andere Leute in der Schweiz auf das Projekt aufmerksam, sodass bald auch in anderen Städten ein Street Store veranstaltet wird.