2000 Tonnen schwer ist sie, die Tunnelbohrmaschine, kurz TBM, welche sich in den nächsten Jahren am Tag acht Meter in den Jura fressen soll. Und dies durch die dichten Gesteinsschichten des Juragebirges.

Vom Ende der Südrampe am Belchen wird sich die grösste je in der Schweiz eingesetzte TBM nach Norden in Richtung Nordportal in Eptingen vorarbeiten.

Vor beiden Portalen wurden seit gut einem Jahr die Vorbereitungsarbeiten für den Bau eines Sanierungstunnels vorangetrieben. Dabei entstand auf dem Installationsplatz vor dem Südportal, also auf Hägendörfer Boden, ein kleines Baustellendorf.

Dort sollen bis zu 100 Arbeiter wohnen. In der eigens gebauten Kantine werden sie unweit ihres Arbeitsortes auch direkt verpflegt. Insgesamt ist der Installationsplatz im Süden mit 40 000 Quadratmetern fast dreimal so gross wie derjenige auf der Nordseite in Eptingen.

3,2 Kilometer langer Tunnel

Der Sanierungstunnel wird dereinst, konkret im Jahr 2022, während der Instandsetzung der beiden regulären Tunnelröhren den Verkehr in den Süden aufnehmen können. Damit soll verhindert werden, dass es durch die Sanierungsarbeiten zu grossen und nicht zuletzt teuren Verkehrsbehinderungen kommt.

Urs Aeschlimann vom Bundesamt für Strasse (Astra) spricht von einem volkswirtschaftlichen Verlust von 2,5 Milliarden, hätte man keinen Sanierungstunnel gebaut. Zusätzlich sei es durch den Bau eines dritten Tunnels möglich, an den bestehenden Röhren nicht nur Notsanierungen vorzunehmen.

Ein weiterer Nutzen in Zukunft: Falls ein grösserer Unfall in einem bestehenden Tunnel passiert, kann notfalls auf die 3,2 Kilometer lange Sanierungsröhre zurückgegriffen werden.

Dies sei, Stand heute, aber nur angedacht und noch nicht bewilligt, mache aber durchaus Sinn, wie Andreas Schneider vom Astra verlauten liess. Er stellt aber klar, dass der Bau der dritten Röhre keine Kapazitätssteigerung darstelle.

Schildmontage als Festakt

Das Herzstück für den Bau des Sanierungstunnels wurde seit Anfang Oktober angeliefert — in Einzelstücken versteht sich. Denn schliesslich ist allein der Schild der Tunnelbohrmaschine mit 14 Metern Durchmesser zu gross für jeden Strassentunnel in der Schweiz.

Also wurde die Maschine nach der Abnahme im Werk der Herrenknecht AG wieder auseinandermontiert. Vom deutschen Schwanau ging es dann per LKW und teils Schiff ins gut 150 Kilometer entfernte Hägendorf.

Der Schild selbst wurde insgesamt in fünf Teilen angeliefert und am Mittwoch an den Antrieb, mit 175 Tonnen das schwerste transportierte Einzelstück, montiert. Ab Februar 2016 bohren sich die 79 Rollenmeissel auf dem Schild, angetrieben von zehn Motoren, Meter für Meter ins Juragestein.

Um die erforderlichen 4,2 Megawatt an Stromleistung zu garantieren, wurde extra ein neues Kabel vom Unterwerk in Hägendorf zum Südportal gezogen.

Gross, schwer, und langsam:  Der Schild der grössten Tunnelbohrmaschine der Schweiz wird präzise an den Antrieb herangebracht.

Gross, schwer, und langsam: Der Schild der grössten Tunnelbohrmaschine der Schweiz wird präzise an den Antrieb herangebracht.

Die eigentliche Montage des Schildes ging in zirka einer Stunde über die Bühne. Ein symbolischer Akt, zu vergleichen mit der Hochzeit von Motor und Chassis im Autobau. Langsam rollte der Spezialkran, welcher den 345 Tonnen schweren Schild präzise vor den Antrieb hob, über die knarrenden Holzbalken.

Das nicht zu verhindernde Schaukeln wurde von einigen Arbeitern am Boden ausgeglichen, welche nach Kräften am Schild zogen und schoben. Dies, um die schmale Lücke zwischen zukünftigem Stolleneingang und Antrieb präzise zu treffen.

Gipskeuper gibt zu denken

Die endgültige Fertigstellung der Tunnelbohrmaschine mit einer Gesamtlänge von 75 Metern erfolgt bis im Frühjahr 2016. Danach soll die Maschine jeden Tag im Einsatz stehen, um das Juragestein abzutragen.

«Die TBM wäre eigentlich in der Lage schneller zu bohren, aber durch die sofortige Betonschalung der Tunnelwände geht es nicht schneller», sagt Andreas Schneider vom Astra. Diese fortwährende Fertigung der Wände ist vonnöten, weil vor Ort keine einfachen geologischen Gegebenheiten herrschen.

Der Gipskeuper, welcher die Tendenz hat, sich mit Wasser vollzusaugen, und dadurch aufquellt, muss sofort gebändigt werden. «Deshalb haben wir zusätzlich versucht, möglichst viel Druck von oben zu generieren», sagt Urs Aeschlimann.

Darum verläuft der Sanierungstunnel etwas neben den zwei bestehenden Röhren im Abstand von maximal 116 Metern. Der herausgebrochene Gipskeuper wird über ein Förderband in die ehemalige Tongrube Fasiswald geführt.

Dafür mussten in den letzten Jahren Geburtshelferkröten umgesiedelt werden. Ein Teil des restlichen Gesteins wird für die Unterfüllung der Strasse direkt wiederverwendet.

Für Hägendorf bedeutet die Grossbaustelle auf Gemeindegebiet keine Mehrbelastung durch Werkverkehr. Dieser wird laut Urs Aeschlimann direkt über die Autobahn geführt.

Auch Bewegungen durch die Bohrung selbst dürften nicht zu bemerken sein, denn selbst auf die gerade nebenan liegenden Tunnel seien die spürbaren Auswirkungen marginal.

Riesen-Bohrkern

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