Olten

«Herr Balz kann man fast alles fragen»: Leiter der Baudirektion geht in Ruhestand

Adrian Balz sagt: «Ich bin sehr mit der Stadt verbunden». Er war Obernaar, spielte Handball und besuchte fast immer die Parlamentssitzungen.

Adrian Balz sagt: «Ich bin sehr mit der Stadt verbunden». Er war Obernaar, spielte Handball und besuchte fast immer die Parlamentssitzungen.

Als zwölfjähriger Bub kam Adrian Balz von Thun nach Olten. Nach 37 Dienstjahren im Stadtplanungsamt Olten tritt er nun als Leiter der Baudirketion in den Ruhestand.

Die Geschichte ist verbrieft unter den städtischen Angestellten. Und somit auch nicht erfunden. Und die geht so: Den Lehrlingen auf der Stadtverwaltung wurden vor Jahren die Zuständigkeiten der Abteilungsleiter erklärt. Konkret ging es um die Klärung der Frage, an wen man sich mit welchen Anliegen wenden könne. Die Bemerkung der Lehrlingsbetreuerin, Adrian Balz als Leiter der Baudirektion wisse über vieles Bescheid, quittierte einer der Lehrlinge mit einer persönlichen Notiz: «Herr Balz kann man alles fragen.»

Adrian Balz, Jahrgang 1956, lächelt, wenn man ihm die Geschichte erzählt. Und er hat eine Erklärung bereit, welche sein grosses Wissen relativ unspektakulär begründen soll: «Tja, in der Baudirektion hat man eben mit fast allen andern Direktionen mehr oder weniger oft zu tun.» Eine nüchterne Betrachtung – schon fast Understatement.

Ein Thuner in Olten

Balz ist kein Hiesiger, aber im Laufe der Jahre einer geworden. Die Familie Balz aus Thun kam nach Olten, als der jetzige Leiter Baudirektion zwölfjährig war. Die Umstellung, sagt er im Rückblick, sei ihm nicht so leicht gefallen. Balz nennt es «kein freudiges Ereignis.» Aber zumindest schulisch habe es keine Schwierigkeiten gegeben. Item: Nach der obligatorischen Schulzeit absolvierte Balz eine Lehre als Hochbauzeichner, arbeitet während eines Jahres auf dem Beruf und liess sich an der damaligen höheren technischen Lehranstalt (HTL) zum Architekten ausbilden.

Später folgten Zusatzausbildungen in den Bereichen Städtebau und Baumanagement. «Es war eigentlich nie meine Absicht, in städtische Dienste einzutreten», sagt der 62-Jährige. Dass es dennoch so weit kam, bezeichnet er als Zufall. Nun, Zufälle sind manchmal gar nicht so übel. Jedenfalls kam Balz vor 37 Jahren ins Stadtplanungsamt, zehn Jahre später wurde er Leiter Hochbau, vor neun Jahren Leiter der Baudirektion. «Es war eine gute Zeit» resümiert der dreifache Familien- und zweifache Grossvater in diesen Tagen kurz vor seinem Ruhestand. Er sei immer gerne zur Arbeit gegangen, habe die Vielseitigkeit seiner Tätigkeit geschätzt. «Du weisst am Morgen nie so genau, was der Tag bringt», sagt er. So habe er in all den Jahren nie den Drang gehabt, irgendwas anderes zu tun.

Stadtbibliothek am Anfang

Sein erstes grosses Projekt sei die Stadtbibliothek an ihrem heutigen Standort gewesen. Vor 25 Jahren. Später folgten die heilpädagogische Sonderschule HPS, das Feuerwehrmagazin, der Werkhof, das Garderobengebäude in den Sportanlagen, der Werkpavillon Frohheim. Balz bezeichnet sie alle als geglückt, auch wenn er lachend hinterher schiebt, die Farbwahl bei der Sanierung des Stadttheaters etwa sei durchaus kontrovers diskutiert worden. «Das Farbempfinden ist halt individuell», meint er. Aber der 62-Jährige gesteht auch, dass man sich als Leiter der Baudirektion nicht nur Freunde mache. Man dürfe die Vorkommnisse rund um Bauvorhaben eben nicht persönlich nehmen. «Sonst kannst du das nicht so lange machen», sagt er ernst. Denn Grund für mögliche Verwerfungen gebe es immer.

Die Regeldichte sei extrem gewachsen in den letzten knapp vier Jahrzehnten. Das schränke den Gestaltungsraum für Bauherrschaft und Architekten doch zunehmend ein. Balz’ Credo: sich an einer liberalen Praxis im Sinne der Bauherrschaft orientieren. Irgendwelchen subtilen oder plumpen Manipulationsversuchen im Amt hatte er nie zu widerstehen. «Ich glaube, die Leute wussten um meine Integrität.»

Was er selbst heute noch immer nicht ohne Stolz hervor streicht: Im Jahr 2008 veröffentlichten Wüest und Partner, ein Beratungsunternehmen für den Bau- und Immobilienmarkt sowie Raum- und Standortentwicklung aus Zürich, eine Studie, nach welcher die Stadt Olten im Baubewilligungsverfahren unter allen Deutschschweizer Städten am effizientesten arbeiten soll. «Obwohl man immer wieder das Gegenteil zu hören bekommt», sagt Balz. Wie seine Mitarbeitenden die Arbeit Balz’ einschätzen? Er räuspert sich, antwortet unaufgeregt. «Ich glaube, die Mehrheit wird zufrieden gewesen sein mit meinem Führungs- und Arbeitsstil.»

Ein Thuner wird Oltner

Balz ist Oltner geworden. Er war 2008 als Adi I. Oltens Obernaar für die Fröscheweid Zunft, ist dort noch heute die Lautsprecherstimme im Umzugswagen, spielte Handball im TV, besuchte regelmässig Parlamentssitzungen. Um immer wieder von Neuem herauszufinden, wie Olten «tickt», wie er sagt. Nähe erkunden, sich zeigen, Interesse haben. Das sei wichtig. Manchmal glaube er, Olten würde sich selbst schlecht reden; dabei sei die Stadt für ihn, um unter all ihren Etikettierungen wie Sport-, Eisenbahner-, Literatur- oder Konferenzstadt auszuwählen, am meisten Gartenstadt. «In zehn Minuten bis du im Grünen», sagt er. Und sie sei übersichtlich, die Stadt. «Man kennt sich noch», findet Balz.

So kommt es, dass er freimütig erklärt, die Kontakte zu den Mitarbeitenden werde er wohl am meisten vermissen. Und seien es nur die kleinen Begegnungen, die oft kaum länger dauerten, als das Trinken eines Espressos Zeit in Anspruch nimmt. Kontakte – so etwas wie das Salz in der Suppe eben.

Und jetzt, nach dem 17. Mai, kehrt Balz Stadthaus und Baudirektion den Rücken. Man weiss dort um den Verlust von Knowhow. Obwohl: «Wenn’s mich brauchen würde in dringenden Angelegenheiten – ich bin ja nicht aus der Welt», sagt Balz, der Oltner. Und sonst: Er wird sich wohl noch ein bisschen als Berater im Bau- und Planungswesen umtun, wie er sagt. Und reisen. Im Herbst geht es nach Südafrika. Überhaupt: Kaum ein Kontinent, auf den der Mann seinen Fuss nicht schon gesetzt hätte. Australien bildet die Ausnahme. «Das lag halt irgendwie nie am Weg» begründet er diesen Umstand. Und sonst? «Ich bin reiselustig; aber Schwarzafrika ist für mich bislang ein blinder Fleck geblieben», bekennt er. Das wird sich in Zukunft vielleicht noch ändern.

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