Bei Angelina Jolie und Brad Pitt soll der Haussegen schief hängen, und David Beckham hat sich ein neues Tattoo machen lassen. Solches verkündet die Klatschpresse täglich in grossen Lettern. Nichts Neues. Beno Meiers neues Büchlein zeigt, dass so was schon bei den alten Griechen passierte.

Zu Beginn gabs spanische Klänge im Cheminéeraum der Kantonsschule Olten. Gitarrist Michael Erni war jahrelang ein Arbeitskollege Meiers. Zusammen trieben sie auch Sport. So war es für ihn selbstverständlich, die Vernissage zu umrahmen. Kanti-Rektorin Sibylle Wyss begrüsste die zahlreichen Anwesenden. Es könne keinen passenderen Ort geben für die Vorstellung des Buches. Schliesslich war Meier über 30 Jahre lang als Lehrer für Latein und Altgriechisch hier tätig, habe Generationen von Schülern geprägt und Erinnerungen hinterlassen. Tatsächlich. Es fanden sich nicht nur zahlreiche ehemalige Kollegen ein. Auch viele Schüler kamen zur Vernissage. Darunter solche, die erst vor wenigen Jahren die Kanti verlassen hatten. Eine ehemalige Klasse liess es sich nicht nehmen, für den anschliessenden Apéro besorgt zu sein.

«Griechische Mythologie» erinnert an schwere Kost, Bücherschinken. Das muss nicht sein. Meier versteht es mit seinen monologischen Dialogen, der Leserschaft Götter und Göttinnen, Helden und Antihelden näherzubringen. Er zeigt, dass diese zwar göttlich, aber eigentlich oder eben auch nur «Menschen» sind. Und die Themen sind die ewigen. Verletzte Ehre, Liebe und Eifersucht. Und wenn ein Hollywoodstar sich mehr der Nanny seiner Kinder als der Ehefrau widmet, so ist dies nichts Neues. Früher haben sich die Götter mit ihren Sklavinnen verlustiert. Dass Zeus in dieser Hinsicht kein Unschuldslamm war, ist bekannt. Aber auch seine Kollegen trieben es bunt, oft allzu bunt.

Werner De Schepper, Co-Chefredaktor der «Schweizer Illustrierten», las zusammen mit seinem ehemaligen Lehrer aus dem Büchlein. Es sei eine spezielle Beziehung gewesen, weiss er zu berichten. Er habe das Auto von Meier geputzt, für einen Fünfliber. Dafür habe dieser bei seinem Vater ein belgisches Bier genossen. Die beiden verstehen sich sehr gut, das war deutlich zu spüren. De Schepper und Meier lasen nicht einfach vor, sie wussten auch Aktualitäten einzubringen. Als es um Namen von alten Römern ging wie Brutus, der Klumpfuss oder Crassus, der Fettsack. Dieser Name veranlasste De Schepper, den Vergleich mit einem bekannten amerikanischen Präsidentschaftsanwärter zu ziehen.

Die menschlichen Götter

Und immer wieder sind es die Frauen, die verantwortlich sind für Missetaten, für Kriege und Auseinandersetzungen. Aber sind es wirklich die Frauen? Sind der bereits erwähnte Zeus oder Iason nicht auch in die Verantwortung zu nehmen? Meier versteht es, Götter und Helden menschlich zu machen, zeigt ganz geschickt Parallelen zu der heutigen Welt. Wenn Hera ihren verkrüppelten Sohn vom Olymp wirft, vergleicht er diese Tat mit der einer jungen, überforderten Mutter, die ihre zwei Kinder aus dem fünfzehnten Stock eines Wohnblocks wirft. Er entschuldigt diese Tat nicht, stellt sie aber in einen Zusammenhang.

Die kurzen Lesungen von De Schepper und Meier boten Einblick in die nur allzu menschliche Welt der Götter. Das Büchlein liest sich leicht, flüssig und bietet einen lustvollen Zugang zu Zeus und Hera, zu Orpheus und Sisyphos. Wertvoll ist auch der Anhang, in diesem werden alle Protagonisten aufgeführt, sodass man der riesigen mythologischen Familie näherkommt.

Beno Meier: Hera sieht rot, Knapp
Verlag Olten, 139 Seiten, Fr. 24.80.