Olten
Heinz Schmuziger, ein Wanderer in seiner eigenen Welt

Der Oltner Architekt und Künstler Heinz Schmuziger zeigt erstmals Bilder und Zeichnungen – im Altersheim Ruttigen, wo er seinen Lebensabend verbringt.

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Ein Acrylbild der Juralandschaft in Günsberg

Ein Acrylbild der Juralandschaft in Günsberg

zvg

Der Oltner Architekt und Künstler Heinz Schmuziger, der seinen Lebensabend im Altersheim Ruttigen verbringt, ist in sich eine ganz besondere Persönlichkeit. Er arbeitete viele Jahre als Architekt mit seinem Bruder Klaus Schmuziger zusammen, ging aber auf eine spezielle Art seinen eigenen Weg.

War der Begriff Autismus früher unbekannt, so weiss man heute mehr darüber. Der geborene Oltner Heinz Schmuziger (76) hatte Sprachschwierigkeiten und besuchte die Spracheilschule in Zürich. Doch er konnte trotz dieser Veranlagung Dinge in ganz besonderem Masse tun. Er zeichnete von frühster Jugend an Pläne, war ein schneller und exakter Rechner und interessierte sich für die kleinsten Details. Dies machte ihn für besondere Zusammenhänge hellwach. Er liebte das Reisen und vor allem auch das Wandern.

So hat man ihn in der Oltner Bevölkerung noch in Erinnerung, ein Mensch in sich selbst verankert, der durch Olten zog, dem Jura entlang, durch Wälder wanderte, mit Menschen, die ihm sympathisch waren, in Kontakt kam, mit ihnen sprach und sich mit allen Themen der Politik und Gesellschaft beschäftigte. Doch viele wussten nicht, dass er ein begnadeter Zeichner und Maler war.

Eine Zeichnung des bündnerischen Ftan

Eine Zeichnung des bündnerischen Ftan

zvg

Seine künstlerische Begabung war und ist auch beim heutigen Betrachten seiner Arbeiten eine eindrückliche Angelegenheit. Mit grosser Sensibilität für Feinheiten, für Linien und Markierungen, für Farbgebungen schuf er Bilder und Zeichnungen, die auf Anhieb gefangen nehmen. Man staunt über diese Beobachtungsgabe, die sich mit den feinsten Dingen auseinandersetzen konnte. Da er in sich selbst ruhte, nahmen diese Wahrnehmungen besondere Gestalt an, wurden zu kraftvollen oder auch zärtlichen Darstellungen.

Schmuziger liebte die architektonischen Elemente wie Häuserfronten oder moderne Bauten, die Gassen und Plätze in Städten, besonders aber die Juralandschaften mit ihren Hügeln und Wiesen. Er reiste viel und hielt dies in seinen Bildern fest. Durch diese Begabung, sich malerisch und zeichnerisch ausdrücken zu können, stieg er in eine völlig andere Welt ein, die vor allem ihm allein gehörte und doch mit der seiner Mitmenschen zu tun hatte. So sehr er auch in der Architektur seine eigenen Projekte liebte und weiterverfolgte, so engagierte er sich für seine künstlerische Tätigkeit. Seine Acrylbilder und Zeichnungen setzen in dieser Ausstellung im Altersheim Ruttigen einmalige Zeichen.

Man erkennt einen Heinz Schmuziger, wie man es vielleicht nie erfahren hätte, wenn nicht seine Familie ihm diese Ausstellung organisiert hätte. Geht man in seinen Zeichnungen den feinen Strichen nach, so verliert man sich in seinen Acrylbildern und in seinen Farbgebungen. Tiefes Blau der Horizonte, interessant und wechselhaft gestaltete Juraketten, Wiesen und Wälder mit hellen Lichtern.

Dunklere Baumschatten im Grün bis hin ins dunkle Schwarz, alles ist Bewegung und geprägt von der Liebe zur Natur. Man spürt diesen Bildern den Wanderer an, der sich in solchen Hintergründen verlieren konnte. Schön sind auch die gemalten Bilder mit den weiten Horizonten aus dem Vallée de la Brévine im Winter oder im Sommer.

Heinz Schmuziger holte sich diese Bilder tief aus seiner Seele heraus und malte das Erlebte und Geschaute in einer einmaligen Konzentration, mit viel Liebe und heller Beobachtungsgabe.

Das Wundersame und Schöne ist, dass oft aus schwierigeren Situationen heraus einmalige Dinge geschehen. So geht es einem mit den Bildern dieses Künstlers, der nun seinen Lebensabend im «Ruttiger» verbringt, nicht mehr ganz unter uns weilt, aber durch seine Bilder höchst lebendig präsent ist.

Vernissage Samstag, 5. November, 10 Uhr, Altersheim Ruttigen. Dauer der Ausstellung bis Ende Januar.