Olten
Heiniger Abend und Friedli auf Erden: Ein seltsames Gespann, aber es passt wunderbar

Im Schwagertheater sinnierten Bänz Friedli und Tinu Heiniger über Olten und die Errungenschaften der heutigen Zeit. Auch musikalische Einlagen und das Imitieren von Promis und Dialekten hatten ihren festen Platz.

Miriam Ackermann
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Tinu Heiniger (vorne) und Bänz Friedli sind begnadete Geschichtenerzähler und ein wunderbares Gespann.

Tinu Heiniger (vorne) und Bänz Friedli sind begnadete Geschichtenerzähler und ein wunderbares Gespann.

Hansruedi Aeschbacher

Im ausverkauften Schwagertheater standen am letzten Freitag Bänz Friedli und Tinu Heiniger mit ihrem Vorweihnachtsprogramm auf der Bühne. Ein seltsames Gespann denkt man sich vielleicht – aber es passt wunderbar!

Während sich der wortgewandte Friedli lautstark über dies und jenes aufregt, bringt Tinu Heiniger immer wieder etwas Ruhe in den Theatersaal, wenn er eines von seinen tiefgründigen Liedern singt. Es sind simple Lieder mit einfachen Melodien, gesungen mit einer leicht rauen Stimme. Begleiten tut sich der Musiker auf der akustischen Gitarre, aber sein Können stellt er mit seiner Klarinette unter Beweis.

Verglichen mit den gesungenen Liedern, sind die Klarinettenstücke fast schon als fetzig zu bezeichnen. Auf der Bühne wechseln sich die beiden Wortkünstler ab. Einmal steht der eine im Vordergrund, ein anderes Mal der andere. Allerdings hält sie dies nicht davon ab, ihre Vorträge gegenseitig mit spitzen Bemerkungen zu kommentieren.

Früher war alles besser!

Es scheint, als ob Heiniger und Friedli mit dem Publikum gemeinsam ein privates Gespräch führen. Sie erzählen davon, wie sie sich kennen gelernt haben und wie es ist, wenn sie sich gegenseitig besuchen.Während bei Bänz und Tinu das mit dem Besuchen offenbar funktioniert, scheint es bei anderen Bekannten von Friedli nicht immer zu klappen. Lang und breit lässt er sich über die Unverbindlichkeit und Geschwindigkeit der aktuellen Zeit aus und darüber, wie einfacher es doch früher war, sich mit jemandem zu treffen.

Aber nicht nur das beschäftigt den Kolumnisten. Auch über andere heutige Errungenschaften regt sich Friedli auf. Wie beispielsweise das Navi. Er sinniert darüber, wie es ist, wenn dieses nicht mehr nur standardsprachlich mit den Autofahrern kommuniziert, sondern in der Mundart. Dabei zeigt er ein unglaubliches imitatorisches Talent. Nicht nur die verschiedenen Sprechweisen kann Bänz Friedli täuschend echt nachmachen, sondern auch die Gestik von anderen Personen bringt er toll zustande. Auch wenn die Idee, Dialekte und Promis zu imitieren nicht neu ist, ist dies doch immer wieder lustig. Von Sportlern über Politiker bis zu Cervelat-Prominenten – aus jedem Bereich wird jemand aufs Korn genommen. Dabei bleibt Friedli nicht immer politisch korrekt.

Aber auch Heiniger bleibt nicht ganz unschuldig. Bei Mani Matter hat sich der Musiker ein Themenbereich ausgeliehen: die Schimpfwörter. Für einmal bleibt die Gitarre liegen. Tinu Heiniger zeigt, dass er auch ohne dabei zu singen mit Worten umgehen kann. Mit seinen Schimpfwörtern erzählt er eine ganze Geschichte.

Olten: mehr als nur Bahnhof?
Nun wäre es kein gemeinsames Programm, wenn Heiniger und Friedli nie zusammen auf der Bühne stehen würden. Stärker als andere Künstler beziehen sich die beiden auf ihren Auftrittsort Olten. Der eine hat auf Wikipedia recherchiert und kommentiert seine Erkenntnisse aus diesem Bericht, der andere reduziert Olten auf seinen Bahnhof. Ersteres führt zu Gelächter, Letzteres zu Buhrufen aus dem Publikum.

Nach dieser Einführung ist der Rest des Programms stark auf den Alltag und das Familienleben ausgerichtet. Friedli spricht Themen an, die das (etwas ältere) Publikum wohl auch aus seinem Alltag kennen wird. Kein Wunder also sind die Zuhörer alle begeistert und wollen Friedli und Heiniger nicht von der Bühne gehen lassen. Doch nach einer Geschichte aus dem Buch von Heiniger und dann noch einer aus Friedlis Buch, wie auch einem letzten Merci der beiden Künstler ist das vergnügliche Programm dann doch zu Ende.