Rollator und Bakelittelefon mit Wählscheibe, das sind die bekannten Requisiten von Strohmann und Kauz. Rhaban Straumann und Mathias Kunz verkörpern in ihrem Programm «ghoue oder gstoche» die beiden schrulligen liebenswürdigen alten Männern. Verschroben und verschmitzt Strohmann, mürrisch und besserwisserisch Kunz.

Themen wie die steigenden Kosten im Pflegewesen werden witzig aufgearbeitet. So teilen sie sich in einem Altersheim Hilfsmittel wie Hörgerät, Gebiss und Brille. Hat der Schwerhörige Hunger, tauscht der sein Hörgerät mit dem Gebiss eines anderen Bewohners des Heims, und der kann nun seine geliebte Radiosendung hören. «Und wenn sie nicht gestorben sind, verhungern sie noch immer.» Bitterbös, aber nie bösartig sind die beiden Männer. So bezeichnen sie die politischen Diskussionen von Politikern und Pharmaindustrie als «Schreckmümpfeli».

Auf Strohmanns Frage, warum Kauz die Bühne mit Tauchmaske und Schnorchel betritt, meint dieser nur lakonisch: «Steht so in der Regieanweisung. ‹Kauz taucht auf›». Sie schenken sich nichts die beiden, zanken und zoffen sich, aber weder der eine noch der andere könnte ohne den anderen nicht sein. Beim Thema Organtransplantation meint Strohmann zu Kauz «Dein Herz will niemand.» «Ja, aber die Hornhaut kann man noch brauchen.» «Wär wöu scho d’Wäut mit dine Ouge gseh?»

Nach der Pause überraschen die beiden das Publikum mit einer neuen Figur. Straumann spielt Vitold, den sympathischen polnischen Pfleger im Heim. Rührend kümmert er sich um den mürrischen Kauz, bezieht dabei auch das Publikum mit ein. Als eine Besucherin niesen muss, wendet er sich ihr zu: «Soll ich nachher zu Ihnen kommen?». Aber nur Sekunden später ist Straumann wieder Strohmann.

Mit Wortspielen wird das Thema «Digitale Senioren» behandelt. «Ich ha gsäglet, nei gruederet» meint Strohmann, «nei gsurft.» Und man dürfe nicht vergessen, die Guetzli zu löschen, «nei d’Cookies mein ich.». Ruedi ist eine wahre Frohnatur, während Heinz dem Leben kaum mehr etwas Gutes abgewinnen kann. So kommentieren sie das Weltgeschehen, die internationale wie die nationale Politik. Und auch Oltens Stapi, Martin Wey, wird nicht verschont, sein Lohn und die Finanzen der städtischen Betriebe werden unter die Lupe genommen. Und ganz nebenbei bezeichnen sie das Tessin als das Altersheim von Zürich.

Straumann verkörpert den dementen Ruedi auf eindrückliche Art und Weise. Persönlich ist er in seiner Familie zum Glück nicht betroffen. So stellt sich die Frage, wie er sich auf die Rolle vorbereitet hat. Er habe viel gelesen und mit Ärzten und Pflegenden unterhalten, antworte er. Die Vorbereitung ist ihm mehr als gelungen. Grossartig wie er den alten dementen Mann darstellt. Nur wenige Worte genügen, um das Publikum zu überzeugen. Als Kauz nach einer Worttirade meint «Vergiss es!», lautet die lakonische Antwort: «Kes Problem.». Beeindruckend, wie die beiden das schwierige Thema aufzeigen. Kunz und Straumann sind seit 2006 zusammen auf der Bühne. Ein gut eingespieltes Duo, das sich hervorragend ergänzt.