Seit Februar 2012 besitzt und nutzt das Ehepaar Andreas und Rita Borner-Oswald das Wohn- und Gewerbegebäude Ecke Solothurner-/ Dorfstrasse direkt bei den Bushaltestellen in Rickenbach. «Das Haus gefiel uns schon immer», sagt Andreas Borner. «Es ist nicht nur ein viereckiger Kasten, sondern wurde im Zwanziger-/Dreissigerjahre-Stil gebaut, ist Jugendstil angehaucht, und hat Charme. Die Lage ist genial gut, direkt am öffentlichen Verkehr, die Schaufenster abends beleuchtet, sehr ideal für unseren Zweck.» Dieser ist gemischt: Während er, der Möbelrestaurateur, die Räumlichkeiten inklusive Rampe als Werkstatt, Lager und Schaufensterfront nutzt, arbeitet sie, die Lebensenergieberaterin, in ihrer hellen, freundlichen Praxis unter dem Geschäftsnamen «RaumzeitZeitraum» mit der Lebensenergie ihrer Kundinnen und Kunden. Seit Jahren hat sich beim Äusseren des Gebäudes nichts verändert; es sieht ansprechend aus. «Doch im Innern war eine Totalrenovation dringend nötig, vor allem im Wohn- und Schaufensterbereich», hält Andreas Borner fest.

Manch ein Rickenbacher und eine Rickenbacherin mag sich zwar noch daran erinnern, dass das Haus in den 1990er-Jahren von der Sonderegger AG gemietet und genutzt und anschliessend vom Weinhändler Martin Wehrli erst gemietet (etwa 1995) und danach gekauft (etwa im Jahr 2000) wurde. Vielen dürfte heute jedoch weniger bekannt sein, dass die Liegenschaft bis dahin im Besitz von Coop beziehungsweise dem 1862 gegründeten «Consumverein Olten» war und zwischen 1927 und 1973 als «Consum»-Laden genutzt wurde. Zehn Jahre später wurde er – wie viele Coop-Läden in den Dörfern um Olten – geschlossen.

Mehr als nur der letzte Dorfladen

Otto Schumacher-Lauper (1902 bis 1971) und seine Ehefrau Julia erbauten das Gebäude mit den beiden Schaufenstern an der Solothurner-/ Dorfstrasse 1927 als Wohn- und Geschäftshaus. Von Anfang an führte Julia Schumacher den «Consum», wobei der «Consumverein Olten» den Laden vorerst nur mietete. 1935 übernahm Martha Fürst-Lack ihre Stelle. Haus und Laden gehörten aber weiterhin den Schumachers. Julia Schumacher konzentrierte sich ab diesem Zeitpunkt auf ihre grösser gewordene Familie. In Paul J. Kopps Buch «Rickenbach im Zeitenwandel» von 1994 wird von 1943 bis 1953 Marie Hänggi als Filialleiterin genannt. Danach war ein reger Wechsel auf diesem Posten zu verzeichnen.

1955 verkaufte die Familie Schumacher die ganze Liegenschaft an den «Consumverein Olten» und baute sich am Bündtenain 95 ein neues Eigenheim. Der Konsumverein liess die Geschäftsliegenschaft ziemlich stark umbauen. Während Eingang und Schaufenster nun auf die Südseite in Richtung Solothurnerstrasse zu liegen kamen, wurde auf der Westseite ein Lagerraum angebaut, verbunden mit einer Rampe auf der Nordseite des Gebäudes. Da die Mobilität der Käuferschaft aufgrund der fortschreitenden Motorisierung massiv genommen hatte, konzentrierte der Konsumverein die Verkaufsflächen auf weniger, dafür aber grössere Läden. Folge: Die Rentabilität in den Dörfern und in Olten sank, weshalb die Läden geschlossen wurden. So sahen sich die Einwohner/-innen der Region Olten gezwungen, ihre Einkäufe im damals neu erstellten Coop-Zenter in Olten zu erledigen.

«Die Leittragenden dieser Entwicklung sind die weniger mobilen Leute, in erster Linie Rentenbezüger und Hausfrauen», hält Paul J. Kopp in seinem Buch fest. «Zudem hat das Dorf einen der wichtigsten Begegnungsorte eingebüsst. Wer sich nicht selbst um Kontakte kümmerte – zum Beispiel bei den Ortsvereinen, in den politischen Gremien oder in der Feuerwehr –, hat als Zuzüger in unserem Dorf nur noch wenig Gelegenheit, rasch Anschluss an die Dorfgemeinschaft zu finden.» Und weiter: «Mit der Schliessung des Consums 1973 hat unser Dorf mehr als nur den letzten Einkaufsladen verloren. Eine zentrale Einkaufs- und Begegnungsstätte ist aus dem Dorfleben verschwunden.»

In Wangen kaum gesehen

Doch zurück in die Gegenwart zu Andreas und Rita Borner-Oswald. Die ursprüngliche Oltnerin und ihr in Dulliken aufgewachsener Mann wohnen und wirken seit 1989 am Kirchweg in Rickenbach. 2005 eröffnete Andreas Borner in Wangen vis-à-vis der Raiffeisenbank einen Showroom; die Werkstatt befand sich weiterhin am Rickenbacher Kirchweg. Im gleichen Jahr begann Rita Borner-Oswald im selben Mietgebäude in Wangen mit der Lebensenergieberatung. Er biete ein Nischenprodukt an, bei dem «man nach Bedürfnis wissen muss, woher man es bekommt», sagt Andreas Borner. «Deshalb müssen wir Präsenz markieren. In Wangen hat man uns kaum gesehen. Seit wir in Rickenbach unser Geschäft haben, kennen uns nicht nur die Wangner und Hägendörfer, auch Balsthaler wissen nun, wo wir zu finden sind.» Er habe auch Kunden aus Deutschland. «Sie kennen das Egerkinger Autobahnkreuz. Die Lage macht es aus. Wir haben einen perfekten Standort.»

Seit der Eröffnung sind die Eltern zweier erwachsener Söhne mit dem Geschäftsgang an der Solothurnerstrasse 14 in Rickenbach zufrieden. «Wir helfen uns viel gegenseitig an Ausstellungen und ergänzen uns», sagt Andreas Borner, der jährlich an sieben Antiquitätenausstellungen im Oltner Stadttheater, im Aargau, im Raum Zürich und in St. Gallen anzutreffen ist. «Es ist schon öfter vorgekommen, dass Kunden von mir zu Kunden von Rita wurden und umgekehrt.»

Möbelrestaurationen: Andreas Borner, E-Mail andreas_borner@gmx.ch, Internetseite: www.borner-moebel.ch.

«RaumzeitZeitraum»: Rita Borner, Lebensenergieberatung/Tierra Sol, E-Mail ri.borner@bluemail.ch, Infos im Internet unter www.raumzeit-zeitraum.ch.

Quelle: Buch «Rickenbach im Zeitenwandel» von Paul J. Kopp, 1994