Lange war an der Verhandlung nicht klar, ob der Angeklagte den Brand nun gelegt hatte oder nicht. Der Mann aus der Region bestritt dies vor dem Amtsgericht Olten-Gösgen wiederholt. Er habe am Mittag des 26. Juni 2014 einzig ein selbst gebasteltes «Bömbeli» und zwei Rauchkugeln in den Keller eines Oltner Wohnhauses geworfen, um den Bewohnern einen Schreck einzujagen. Die Kugeln mussten wohl angefangen haben zu glimmen, anders könne er sich das Feuer nicht erklären.

Neben dem 46-jährigen Schweizer mit kahl geschorenem Haupt und bulliger Statur hatte sich auch dessen 24-jährige Ex-Freundin vor Gericht zu verantworten. Sie war zum Zeitpunkt der Brandlegung ebenfalls im Keller gewesen.

Ihr Blick wirkte trotzig, die langen Haare standen ihr wirr vom Kopf. Wie ihr Anwalt zu Protokoll gab, sei die Mutter einer 8-jährigen Tochter derzeit stellenlos und schlage sich mit Betteln durch.

Wer aber hatte das Feuer nun entfacht? Es bedarf einer Vorgeschichte: Der Mann, der 2014 auf der Strasse lebte, kam in der Wohnung seiner damaligen Freundin und deren Kind unter. «Für mich war das wie eine Familie, ich wollte Verantwortung zeigen», sagte er vor Gericht.

Nicht gerechnet hatte er indes mit dem Hauswart. Dieser habe die beiden Angeklagten gemobbt, sei in die Wohnung reingetrampt, wenn Musik lief, habe die Polizei gerufen. Letztendlich habe er die beiden sprichwörtlich auf die Strasse gestellt - sie wurden obdachlos und erhielten Hausverbot. Zur selben Zeit wurde der Angeklagten von den Behörden die Tochter weggenommen. Daran sei der Wohnungsvermieter schuld, sagte sie ihrem Freund.

Kurze Zeit später hielten sich beide vor dem Denner beim Einkaufszentrum Hammer auf. Er bat sie, mit ihm zu kommen. Spontan hatte er einen Plan gefasst. Gemeinsam begaben sie sich zum Gebäude, wo sie zuvor gewohnt hatten. Er trat die Eingangstür ein. Im Kellergeschoss forderte er seine Freundin auf, die Tür mit dem Schlüssel, den sie noch besass, zu öffnen.

Dem Angeklagten zufolge liess er nun sein «Bömbeli» detonieren, das er auf dem Weg aus einem mit Holzwolle umwickelten Feuerzeuggas-Auffüllbehälter gebastelt hatte. Beides habe er zu der Zeit immer mit sich getragen, da er ständig im Wald übernachtet habe. Darauf habe er die Rauchkugeln geworfen.

Das Ziel: Schall und Rauch, um den Bewohnern und im Besonderen dem Hauswart und dem Vermieter einen Schrecken einzujagen.

Eine Retourkutsche?

Der dichte Rauch, der sich tatsächlich entwickelte, stammte gemäss Brandermittlung jedoch nicht von den zwei Rauchkugeln. Diese konnten nicht aufgefunden werden. Wie der Staatsanwalt darlegte, habe der Mann nach dem Knall mit einem mitgebrachten Mehrzweckwerkzeug die Holzlatte eines Kellerabteils durchgesägt und diese darauf mit einem Feuerzeug in Brand gesetzt.

Danach verschlossen die beiden die Kellertür und verliessen das Gebäude in Richtung Denner. Mit Verschliessen der Türe erlosch das Feuer. Sachschaden am Gebäude: 50 000 Franken. Die angeklagte Ex-Freundin wollte sich vor Gericht nicht äussern. In einer früheren Einvernahme habe sie den Sachverhalt laut Staatsanwalt jedoch bestätigt.

Und dann lieferte der Staatsanwalt ein wichtiges Puzzleteil: Der Brand nämlich hatte nicht in irgendeinem Kellerabteil stattgefunden. Sondern in jenem des Hauswarts. Damit handle es sich bei der Tat offenbar um eine Retourkutsche.

Neben dem Tatbestand der versuchten Brandstiftung wurden dem Mann mehrere weitere Delikte wie Körperverletzung, Diebstahl und Hausfriedensbruch zulasten gelegt. Der Staatsanwalt forderte für den Mann eine vierjährige Freiheitsstrafe. Der Verteidiger der Angeklagten machte für die Frau den Tatbestand der Gehilfenschaft zur Brandstiftung geltend und forderte eine Geldstrafe von 200 Franken und eine zweijährige Probezeit. Das Urteil folgt.